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Thema / Archiv | Beitrag vom 09.05.2012

Schwule Pinguine ziehen Küken groß

Ungewöhnliche Kleinfamilie im Bremerhavener Zoo

Von Christina Selzer

Eines der schwulen Pinguin-Paare im Zoo am Meer von Bremerhaven (picture alliance / dpa / Ingo Wagner)
Eines der schwulen Pinguin-Paare im Zoo am Meer von Bremerhaven (picture alliance / dpa / Ingo Wagner)

Im Bremerhavener Zoo lebt ein schwules Pinguin-Pärchen, das vor drei Jahren ein Ei ausgebrütet hat - und sich seither vorbildlich um seinen Nachwuchs kümmert. Das ist nicht bloß ein Kuriosum, sondern kommt bei Pinguinen und anderen Tieren häufiger vor.

Die 22 Humboldtpinguine im Bremerhavener Zoo am Meer machen ziemlichen Lärm und gucken ihre Pflegerin erwartungsvoll an. Carmen Gürster hat in einem großen Eimer Heringe und Makrelen und verteilt das Frühstück. Für den Laien sehen die kleinen Kerle sich ziemlich ähnlich. Doch sie weiß genau, wer wer ist:

"Ja, das muss ich ja erkennen können. Ich muss ja sehen, geht es jedem Pinguin gut, frisst jeder mit. Unter Umständen müssen wir ja auch mal gezielt ein Medikament verabreichen. Ich kenne auch die Vorlieben, nicht jeder mag Hering, nicht jeder mag Makrele. Hier gibt es auch Vorlieben."

Die Pinguine haben auf ihrem Brustgefieder kleine Punkte. Jedes Muster ist anders. Daraus entstehen die Namen: zum Beispiel Zickzack, S oder Double-Blümchen. Da sind zum Beispiel auch Schrägstrich und Sechspunkt. Und Vielpunkt und Z. Sie sind ein Herz und eine Seele.

"Wenn ich nicht wüsste, dass das ein schwules Pärchen ist, wüsste ich es nicht. Die verhalten sich ganz genauso wie alle anderen Heteropärchen."

Vielpunkt und Z sind schon lange ein Paar und haben vor drei Jahren sogar ein Ei ausgebrütet. Das ist aber nicht bloß ein Kuriosum, sondern kommt ziemlich oft vor, bei Pinguinen und anderen Tieren. Joachim Schöne, Tierarzt im Zoo am Meer, glaubt, dass die Bremerhavener Humboldt-Pinguine homosexuell wurden, weil es zu wenige Weibchen gab. Da sie aber treu sind, sind sie später zusammengeblieben, obwohl es inzwischen genügend Weibchen gibt:

"Insgesamt haben wir drei homosexuelle Paare, sechs Männer, die sich gefunden haben. Die Paare sind schon einige Jahre zusammen. Man sagt den Pinguinen ja nach, dass sie monogam wären. Das wird dann je nach Weltanschauung bewundert oder verspottet."

Es wurden sogar schon mal Pinguin-Damen aus Schweden nach Bremerhaven gebracht. Das war aber kein Zeichen von Homophobie, vielmehr nimmt der Zoo am europäischen Erhaltungszuchtprogramm teil - denn die Humboldt-Pinguine sind vom Aussterben bedroht. Die Weibchen aus Schweden sollten die Männchen betören und dafür sorgen, dass sie sich umorientieren. Schwulen- und Lesbenverbände gingen auf die Barrikaden, sahen sich diskriminiert. Doch das Experiment gelang ohnehin nicht: Die Schwedinnen waren zu scheu und die Homo-Pärchen blieben lieber zusammen. Und bekamen weiterhin ihre Ei-Attrappen zum Liebhaben und Kümmern.

"Wir haben in den Jahren davor den Tieren, damit sie ihr Brutbedürfnis erfüllen, einfach Gipseier untergeschoben, damit sie auf etwas sitzen. Da waren sie auch ganz zufrieden. Und 2009 haben wir ein Hetero-Paar, das zwei Eier gelegt hat, aber nur eins haben wollte - und das ist eine bedrohte Art - da haben wir uns gedacht: Mensch, probieren wir das einfach mal aus."

Den beiden Jungs wurde das echte Ei untergeschoben. Und da sich bei den Humboldtpinguinen Mutter und Vater die Aufzucht gleichberechtigt teilen, funktionierte es. Die Pinguine brüteten wie die Weltmeister. Schließlich schlüpfte das Küken und die beiden glücklichen Väter kümmerten sich vorbildlich um ihren Nachwuchs. Carmen Gürster kann das nur bestätigen:

"Wir haben uns natürlich riesig gefreut, weil die beiden ja schon so viele Jahre eisern Steine ausgebrütet haben. Da ist ja nie was geschlüpft. Da waren wir natürlich überrascht, dass die das so toll gemacht haben mit dem Aufziehen. Es war ja immerhin das erste Kind, das sie erfolgreich ausgebrütet haben!"

Joachim Schöne findet, man sollte das nicht zu verbissen sehen. In seiner buntgemischten Truppe leben jedenfalls männliche Pärchen - und werden von den anderen voll akzeptiert:

"Gerade in der Biologie, und wenn man mit Tieren umgeht, gibt es kein Richtig und Falsch. Es ist alles sehr bunt. Das ist ja das Schöne in der Arbeit mit den Tieren, dass man sieht: Oft halten sich die Tiere nicht an das Lehrbuch.(lacht)"

Da fliegen sie wieder!
Die Große Vogelschau im Deutschlandradio Kultur vom 7.-12. Mai

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"Bei den Gänsen geht es sehr bunt zu"
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