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Fazit / Archiv | Beitrag vom 02.01.2013

Schwer auszuhalten

Neu im Kino: "Paradies: Liebe" von Ulrich Seidl

Von Anke Leweke

Teresa (Margarethe Tiesel) und ihr Beachboy Salama (Carlos Mkutano) (picture alliance / dpa / Neue Visionen Filmverleih)
Teresa (Margarethe Tiesel) und ihr Beachboy Salama (Carlos Mkutano) (picture alliance / dpa / Neue Visionen Filmverleih)

Ulrich Seidl ist bekannt für seine schonungslose Analyse sozialer Verhältnisse. Im Auftakt zu seiner "Paradies"-Trilogie geht es um eine Sextouristin in Kenia. Die korpulente Mittfünfzigerin ist auf der Suche nach Zärtlichkeit. Doch der Mann, bei dem sie landet, verkauft letztlich nur seinen Körper.

Von Anfang weiß Teresa, was ihr fehlt: Zärtlichkeit. Und eben nicht der Sex, den es für europäische Touristinnen in Kenia so einfach zu kaufen gibt. Wohl deshalb scheint sich die korpulente Mitfünfzigerin Teresa nicht wohl in ihrer Haut zu fühlen, während ihre Freundinnen in der Ferienanlage kein Problem mit der Rolle der "sugar mama" haben.

Zu Beginn zeigt Seidls Kamera ein Tableau am Strand. Auf der einen Seite liegen die Touristen auf Sonnenliegen, auf der anderen Seite, hinter einem Seil, stehen Kenianer, die Schmuck, Schnitzereien und letztlich auch sich selbst verkaufen wollen.

"Paradies: Liebe" erzählt von dem, was passiert, wenn man dieses Seil, diese Grenze, überschreitet. Er zeigt die banalen und auch peinlichen Details, die aus der doppelten Ökonomisierung der Körper entstehen. Doppelt, weil die afrikanischen Männer von Ausgebeuteten ebenfalls zu Ausbeutern werden. Weil Teresas Sehnsucht nach Zärtlichkeit und Liebe genauso missbraucht wird wie umgekehrt die wirtschaftliche Not der Einheimischen. Schwer auszuhalten ist die körperliche wie seelische Nacktheit.

Österreich 2012; Regie: Ulrich Seidl; Darsteller: Margarethe Thiele, Peter Kazangu, Inge Maux; 21 Minuten


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