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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 03.06.2006

Schwarze Venus

Vor 100 Jahren erblickte Josephine Baker das Licht der Welt

Von Regina Kusch

Fotografie der Tänzerin Josephine Baker aus dem Jahr 1932.
Fotografie der Tänzerin Josephine Baker aus dem Jahr 1932. (AP Archiv)

Am 3. Juni 1906 wurde die Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin Josephine Baker geboren. Als "Schwarze Venus" gefeiert und von konservativen Kritikern wegen ihrer Freizügigkeit verteufelt, kämpfte sie bis zu ihrem Tod 1975 gegen Rassenhass und Diskriminierung.

"Tanzen ist die beste Art, mich warm zu halten. Viele Frauen sind nur auf ihren guten Ruf bedacht, aber die anderen werden glücklich."

Glücklich und berühmt werden wollte sie. Freda Josephine McDonald wurde am 3. Juni 1906 als uneheliches Kind in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri geboren. Dort verbrachte sie eine harte Kindheit in Armut. Mit elf überlebte sie ein Pogrom gegen Schwarze. Mit 13 wurde sie von ihrer Mutter mit einem wesentlich älteren Mann verheiratet. Nach einigen Wochen war sie geschieden und versuchte es zwei Jahre später noch einmal mit dem Zugbegleiter Willie Baker. Auch diese Ehe hielt nicht. Doch vom Namen dieses Mannes trennte sie sich nie wieder. Als Josephine Baker tanzte sie in den Erfolg. Erst in New York und dann in Paris.

Im Sturm eroberte die 19-Jährige das Pariser Publikum mit einem wilden Charleston, den sie, nur mit einem Bananenröckchen bekleidet, tanzte. Von lautstarken Protesten aus konservativen Kreisen begleitet, wurde Josephine Baker zum Star. Der Pariser Revue-Kritiker André Levinson jubelte:

"Josephine ist kein groteskes schwarzes Tanzgirl mehr, sondern jene schwarze Venus, die den Dichter Baudelaire in seinen Träumen heimsuchte."

"Sie ist die pariserischste aller Pantherkatzen", schwärmte die Frauenromanschriftstellerin Sidonie-Gabrielle Colette. Mit ihrer "Revue Nègre" tourte Josephine Baker durch Europa. Nach ihrem ersten Gastspiel in Berlin war der Theaterregisseur Max Reinhard so hingerissen, dass er anbot, aus dem "Naturding" eine Schauspielerin zu formen. Sie lehnte dankend ab und ging zurück nach Paris, ihre Heimat und ihre große Liebe.

Josephine Baker war plötzlich überall gefragt. Sie bewarb Pomade, Autos und Strümpfe, spielte Hauptrollen in Filmen wie "La Sirène des Tropiques" oder "ZouZou" und ließ mit 21 ihre ersten Memoiren schreiben. Ihr dunkler Teint brachte sogar die bis dahin verpönte Sonnenbräune in Mode. Der Revuestar Mistinguett schoss gegen sie mit dem Song "Paris ist ‚ne Blondine". Baker antwortete mit einem neuen Hit und blonder Perücke.

"Wenn ich eine Weiße wäre, dann hätte das Glück, das ich mit Dir empfinde, immer noch dieselbe Farbe."

Selbst als Star blieb Josephine Baker von Rassenhass nicht verschont. Ihre New-York-Tournee 1935 brachte nicht den gewünschten Erfolg. Auf einem amerikanischen Schiff durfte sie als Farbige nur auf dem Unterdeck reisen. Ins nationalsozialistische Deutschland und Italien ließ man sie gar nicht hinein. Doch Paris blieb ihr treu. Sie dankte es Frankreich als Mitglied des antifaschistischen Widerstands.

"Unsere Träume können wir erst dann verwirklichen, wenn wir uns entschließen, einmal daraus zu erwachen."

Kinderlos und bereits dreimal geschieden träumte sie von einer großen Familie. Als Zeichen gegen Rassenhass und nationalen Wahn adoptierte sie Kriegswaisen und Armutsopfer aus allen Kontinenten und gründete ihre "Regenbogenfamilie", mit der sie etwas zurückgezogener in einem französischen Schloss lebte. Als sich Ende der 50er Jahre ihr vierter Ehemann von ihr trennte, geriet sie in finanzielle Not. Um ihre Familie zu retten, entschloss sie sich zu einem Bühnen-Comeback. Der Komponist Peter Kreuder schrieb für sie das Lied über die Regenbogenkinder und begleitete sie auf ihrer Tournee.

Ihr Leben lang kämpfte Josephine Baker gegen Diskriminierung und soziale Ungerechtigkeit. Sie wurde von Staatsoberhäuptern wie Charles De Gaulle, Fidel Castro oder Israels Premierministerin Golda Meir empfangen. An der Seite von Martin Luther King marschierte sie nach Washington.

Mit einer erfolgreichen Bühnenshow feierte sie am 8. April 1975 ihre Ankunft in Frankreich 50 Jahre zuvor und schmiedete Pläne für eine Welttournee. Diesen Wunsch konnte sie sich nicht mehr erfüllen. Zwei Tage später erlitt sie einen Schlaganfall, dessen Folgen sie nicht überlebte.