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Buchkritik

Wiener KongressMächtige Frauen im Hintergrund
Der österreichische Staatsmann versuchte durch Kongreßdiplomatie, die vorrevolutionäre politische und soziale Ordnung in Europa wiederherzustellen. Er bekämpfte alle liberalen und revolutionären Bewegungen. Klemens Wenzel Fürst von Metternich wurde am 15. Mai 1773 in Koblenz geboren und ist am 11. Juni 1859 in Wien gestorben. Die zeitgenössische Darstellung zeigt stehend (l-r): Wellington, Lobo da Silveira, Saldanha da Gama, Löwenhjelm, Noailles, Metternich, La Tour du Pin, Nesselrode, Dalberg, Rasumofsky, Stewart, Clancarty, Wacken, Gentz, Humbold, Cathcart sowie sitzend (l-r): Hardenberg, Palmella, Castlereagh, Wessenberg, Labrador, Talleyrand und Stackelberg.

Prunkvolle Empfänge, exklusive Soiréen, informelle Gespräche. Die Kulturwissenschaftlerin Hazel Rosenstrauch stellt spannend und detailliert dar, wie gebildete und kluge Frauen vor 200 Jahren den Wiener Kongress beeinflussten.Mehr

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Undatierte Aufnahme des englischen Schauspielers, Regisseurs, Drehbuchautors und Produzenten Charlie Chaplin als "Tramp".

Im seinem neuen Roman erfindet der großartige Erzähler Michael Köhlmeier eine Freundschaft zwischen dem Politiker Winston Churchill und dem Schauspieler Charly Chaplin. Die beiden Herren verbindet vor allem ihre Traurigkeit und Einsamkeit.Mehr

Studie über die Generation Y12 Millionen stille Weltverbesserer
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Sie wollen sich nicht einfach abrackern. Sie wollen, dass es ihnen gut geht – seelisch und körperlich. Damit setzt die Generation der heute 15- bis 30-Jährigen in der Arbeitswelt Impulse, von denen alle profitieren, meinen die Autoren Klaus Hurrelmann und Erik Albrecht.Mehr

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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 15.06.2011

Schwärmerisches Verlangen

Donald Windham: "Zwei Menschen", Lilienfeld-Verlag, 208 Seiten

Blick auf die italienische Hauptstadt Rom, im Vordergrund der Petersplatz im Vatikan.
Blick auf die italienische Hauptstadt Rom, im Vordergrund der Petersplatz im Vatikan. (Stock.XCHNG / Matic Zupancic)

Donald Windham hat in "Zwei Menschen" einen römischen Abend beschrieben. Dabei spielt das schwärmerische Verlangen nach Schönheit eine große Rolle in dem Werk des amerikanischen Romanciers.

"Die Schwärme der Menschen auf den Straßen spiegelten die Schwalbenschwärme über den Dächern, und das Neonleuchten einiger Reklameschilder war rosa wie der Sonnenuntergang und blau wieder der Abendstern." Die Beschreibung eines römischen Abends könnte dazu verleiten, Donald Windhams Roman "Zwei Menschen" in eine ganz bestimmte Schublade zu packen. Das schwärmerische Verlangen nach Schönheit grundiert fast alle schwule Literatur von August von Platen über Thomas Mann bis Alan Hollinghurst. Und es spielt auch eine große Rolle in dem Werk des amerikanischen Romanciers.

Doch für eine amerikanische Variante von "Tod in Venedig" ist Windhams 1965 erstmals veröffentlichtes Buch zu wenig elegisch. Selbst wenn das Treffen der beiden Protagonisten an dieses Vorbild erinnert. Auf der Spanischen Treppe in Rom ist der amerikanische Broker Forrest fasziniert von einem 17-jährigen Jungen im weißen Regenmantel: "Sein Gesicht war gleichmütig schön". Doch am Ende der Liebesgeschichte, die sich nach dieser Begegnung entspinnt, empfängt keine respektvoll erschütterte Welt die Nachricht von irgendeinem Tode.

Mit "Zwei Menschen" hat der kleine Düsseldorfer Lilienfeld-Verlag nun schon den zweiten Roman des 1920 in Atlanta geborenen Schriftsteller vorgelegt, der im vergangenen Jahr in New York starb. Die selbstverständliche Offenheit, mit der Windham darin die Liebe zwischen zwei Männern erzählt, erstaunt noch heute.

Doch wie in seinem, Anfang 2010 neu herausgebrachten Erstling aus dem Jahr 1948, "Dog Star", in dem Windham das Adoleszenzdrama eines 15-jährigen in den amerikanischen Südstaaten schildert, wird auch in diesem Buch eher die Geschichte einer Identitätskrise als die klassische schwule Liebesgeschichte erzählt. Nicht umsonst hat Windham seinen Roman "Zwei Menschen" und nicht "Zwei Männer" genannt.

Natürlich fühlt sich Forrest von der Schönheit und Unschuld des jungen Marcello angezogen. Und sie landen mehr als einmal im Bett. Doch die sexuelle Affäre weitet sich zu einer Erziehung der Gefühle zweier Menschen. Die Beziehung zu dem jungen Italiener klärt für den einsam durch die ewige Stadt streifenden Mann das Verhältnis zu seiner Frau, die ihn während der gemeinsamen Europareise plötzlich verlassen hat.

Für Marcello ist Sex der leidenschaftslose Form der Liebe, die der Sohn eines kleinen, autoritären Handwerkers vermisst. In dem von Misstrauen, Eifersüchteleien, kleinen Lügen und Geldgeschenken begleiteten Verhältnis zu dem Amerikaner lernt er so etwas wie ein Selbstwertgefühl zu entwickeln. Am Ende trennen sich ein Mann, der sich für seine Familie in New York entscheidet. Und ein Junge, der erwachsen geworden ist und seine Freundin heiraten wird.

Windham ist ein Meister des subtilen psychologischen, aber völlig unsentimentalen, fast kühlen Erzählens, das Alexander Konrad wieder stilsicher ins Deutsche übertragen hat. Zu seinen Lebzeiten war Windham, Freund und Zeitgenosse Tennessee Williams` und Truman Capotes wenig bekannt. Auch wenn sich Albert Camus und André Gide für ihn einsetzten. Die Neuauflage seines fein nuancierten Bildes einer Selbstfindung könnte ihm nun den verdienten Nachruhm eintragen.

Rezensiert von Ingo Arend

Donald Windham: Zwei Menschen
Roman. Aus dem amerikanischen Englisch von Alexander Konrad. Lilienfeld-Verlag, Düsseldorf 2010, 208 Seiten, 19,90 Euro