Mittwoch, 1. Juli 2015MESZ06:51 Uhr

Klangkunst

HörschwellenZone de Silence
Sonnenuntergang in der Sonora-Wüste in Mexiko. (picture alliance / dpa / Jerzy Dabrowski)

Im Norden Mexikos liegt die "stille Zone": 400.000 Quadratmeter Wüste, die sich beim aufmerksamen Hinhören als ganz und gar nicht still entpuppen. Hier hat die Radiomacherin Amandine Casadamont Klänge und Geräusche gesammelt. Mehr

HörschwellenVor der Stille
Mann mit Kopfhörer (imago stock&people)

Der Jazzmusiker Stefan Winter reiste mit seiner Partnerin Mariko Takahashi um die Welt. Sie erkundeten entlegene Wälder, ferne Küsten, urbane Räume und sammelten Töne. Winter reiht diese zu 12 akustischen Stillleben.Mehr

HörschwellenSounds like Silence
Der amerikanische Komponist und Schriftsteller John Cage  (picture alliance / dpa / Jörg Schmitt)

John Cage’s Klavierstück 4′33'' revolutionierte vor über 60 Jahren das Verhältnis von Musik und Stille, von Kunst und Werk, von Künstler und Publikum. Während der drei Sätze I Tacet, II Tacet, III Tacet erklingt kein einziger intendierter Ton. Mehr

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Klangkunst / Archiv | Beitrag vom 28.09.2012

Schrei der Seide

Von Grace Yoon

Seide spielt auf den Laufstegen kaum mehr eine Rolle. (dapd)
Seide spielt auf den Laufstegen kaum mehr eine Rolle. (dapd)

Echte Seide erkennt man am Klang. Der typisch knirschende Griff in den Stoff erinnert an das Betreten von frisch gefallenem Schnee. Dieser 'Seidenschrei' galt Jahrhunderte lang als Erkennungszeichen der Damen höherer Stände.

Inzwischen hat sich auf den Laufstegen der High Society das elektrische Knistern von Kunstfasern ausgebreitet. "Die Traditionspolster sind durchgescheuert", schreibt Max Weber, und will damit sagen, dass man den Entwicklungen der Moderne nicht mehr entrinnen kann.

Tief im Unbewussten aber bleibt das vertraute Rascheln der Federbetten, das zarte Geräusch der wärmenden Wolle oder das laute Schütteln der nassen Wäsche. Der nackte Mensch trägt einen Kosmos von Erinnerungen an die schützende zweite Haut in sich, Geruch und Geräusch, Farbe und Struktur.


Komposition und Realisation: Grace Yoon
Ton: Lutz Pahl
Produktion: DKultur 2011
Länge: 46'09


Grace Yoon, 1952 in Korea geboren, lebt und arbeitet seit 1975 in Deutschland. Autorin, Regisseurin, Komponistin, Performance-Künstlerin. Zuletzt für DKultur: 'AusFart' (2010).