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Schon fast ein bewegtes Bild

Die Kunstsammlungen Chemnitz zeigen Gemälde und Grafiken von Max Slevogt

Von Claudia Altmann

Eine Zeichnung von Max Slevogt
Eine Zeichnung von Max Slevogt (Staatliche Kunstsammlungen Dresden)

Zwei Gemälde und über 500 Grafiken Slevogts sind im Besitz des sächsischen Kunstzentrums. Der Maler hatte hier 1920 als Organisator und Jury-Mitglied an einer Ausstellung des Künstlerbundes mitgewirkt. Durch diese Kontakte waren die ersten Ankäufe zustande gekommen. Nun sind 130 Werke, 30 Gemälde sowie 100 Grafiken zu sehen.

Alle Genre sind vertreten. Bildnis, Selbstbildnis, Stillleben, Landschaften und Themenarbeiten zeigen Slevogt als einen Meister in allen Malweisen. Unter den Gemälden – entstanden zwischen 1887 und 1931 – auch "Das Bildnis der Mutter Caroline", von der er die musische Ader und die Liebe zur Musik geerbt hat. Eines seiner ersten Ölbilder, erklärt Jana Bille, eine der beiden Kuratorinnen der Ausstellung.

"Was hier bemerkenswert ist, ist wirklich noch die akademische Malerei, die Münchner Schule, das dunkle, verhaltene Malen, was dann sehr aufbrechen wird. Daneben haben sie ein Bildnis von ihm selbst. Das ist von 1912. 1901 ist er nach Berlin gezogen, hat dort ein Atelier gehabt, war auch an der Akademie tätig als Professor und hier hat er sich schon als großstädtischen Maler dargestellt."

Ob sein erstes impressionistisches Landschaftsbild "Blühende Bäume in Neukastel", seine konzentrierten Rollenbilder der Tänzerinnen La Argentina und Sada Yakko oder die Studien zum "Roten d’Andrade" und zu Marietta di Rigardo, immer findet man neben der hellen Leichtigkeit auch das für Slevogt Typische:

"Dieses Darstellen von Momenten mit dieser schnellen, flüchtigen, sicheren Malerei und man hat den Eindruck, er hat die Person in dem Augenblick erfasst, oder die Landschaft, gibt es so wieder und der Betrachter kann es so aufnehmen wie momentan empfunden. Der Impressionismus im schönsten Sinne des Wortes."

Aber er konnte nicht nur den Moment festhalten. Vor allem im kraftvollen Porträt der Berliner Schauspielerin und Sängerin Else Berna erzählt er weit mehr.

"Da hat er dahinter geschaut, hinter die Maske, hinter die Schminke. Er hat das Wesen der Else Berna erkannt, die fast jährlich die Theater gewechselt hat in Berlin, also immer unterwegs war, ein neues Engagement gesucht hat. Das ist gigantisch und man sieht ein bisschen an ihrem Blick, wenn man so schaut, er ist doch ein bisschen müde und ein bisschen abgekämpft."

Auch das zweite in der Ausstellung gezeigte Selbstbildnis Slevogts lässt Einblicke in Persönliches, diesmal vom Künstler selbst zu. Es entstand in den Jahren 1918 und 1919 auf der Terrasse seines geliebten Wohnsitzes in Neukastel und zeigt ihn mit sorgenzerfurchter Stirn und aufeinandergelegten, wie gefesselt wirkenden Händen. Verletzt, ernst und desillusioniert. In der zu dem Zeitpunkt unter französischer Besatzung stehenden Pfalz hatte er Ausreise- und zeitweise Arbeitsverbot.

Die wohl schlimmste Strafe für den überaus produktiven Slevogt, zu dessen Oeuvre auch nicht weniger als 2100 Grafiken gehören und der zu Lebzeiten als König der Illustration galt. Hier entwickelte er seine ganze Spontaneität. So bei seinen Grafiken zu Goethes "Faust II" und "Benvenuto Cellini", James Fenimore Coopers "Lederstrumpf", den Nibelungen oder Macbeth. Besonders kraftvoll kommt seine Kunst in den Kreidelithographien seines "Achill" zum Ausdruck, findet Kuratorin Kerstin Drechsel.

"Im Gegensatz zu vielen seiner Vorgänger hat er hier nicht den Achill als diesen heroengleichen Helden dargestellt, sondern was man hier sieht, ist wirklich eher ziemlich derb. Ein Achill, der mit dem Dolch im Mund übergroß seine Gefangenen aus dem Wasser zieht. Das alles aber in der Technik, wofür Max Slevogt wirklich große Bekanntheit bekommen hat: Diese Plastizität, das Atmosphärische in den Arbeiten ist einfach wunderbar und überzeugend gestaltet."

Meisterhaft vor allem die Umsetzung des für Slevogt zentralen Themas: Licht.

"Ich finde, er hat das wunderbar in diesen Grafiken erreicht, dass man Lichtstimmung hat, Tageszeiten spürt, dass man den Staub – beispielsweise wie hier in dieser Szene, ebenfalls aus Achill – in dieser Schlachtenszene faktisch spürt, den Staub, den die Pferde in dieser Schlacht aufwühlen.und dieses Geschehene fassbar wird. Man meint, man ist drin im Geschehen. Es ist schon fast ein bewegtes Bild, was er hier erreicht."

Wie in der Malerei kommen auch in Slevogts Grafiken beide Seiten des Künstlers zu Tragen. Das Dynamische, Kraftvolle, Mitteilungswilde und andererseits Verzweiflung und das Wissen um die menschlichen Abgründe. So hat Slevogt seine Erlebnisse eines dreiwöchigen Aufenthaltes an der Kriegsfront in der Radierung "Höllenpein" zu einem regelrecht Bild gewordenen Albtraum verarbeitet.

Lebendigkeit und überschäumende Fantasie in seinen Grafiken beweisen, dass er sich in dem Medium sehr wohlgefühlt hat und so erzählt er oft mit nur wenigen angedeuteten zarten Linien ganze Geschichten.


Weitere Informationen im Internet:

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