Fazit / Archiv /

Schöpfer der Winnetou-Melodien

Zum 85. Geburtstag von Martin Böttcher

Von Oliver Schwesig

Schauspielerin  Romy Schneider - und im Hintergrund der Hamburger Komponist Martin Böttcher (im Jahr 1959)
Schauspielerin Romy Schneider - und im Hintergrund der Hamburger Komponist Martin Böttcher (im Jahr 1959) (picture alliance / dpa)

Das Schaffen des Komponisten Martin Böttcher ist eng verbunden mit Karl-May-Filmen, aber er hat noch viel mehr komponiert. Melodien, die wir auch kennen, von denen aber kaum jemand weiß, dass sie von ihm sind.

Genau, so kennen wir ihn - Martin Böttcher mit Musik der Winnetou-Filme. Wobei die Experten ja streng unterscheiden zwischen der Winnetou-Melodie und der Old Shatterhand-Melodie, die ja als Erstes entstanden ist.

Aber ohne Frage, in den Augen mancher ist Böttcher für Deutschland so bedeutsam wie Persil oder VW - er hat Generationen begleitet. Kaum ein Junge hierzulande, der nicht nachts vor dem Einschlafen diese Melodien im Kopf hatte und dazu durch die Prärie ritt, Heldentaten vollbrachte und Indianerdörfer beschützte.

Dabei war das Ganze für Martin Böttcher alles andere als geplant. Als Junge wollte er Pilot werden und wurde im zweiten Weltkrieg von der Luftwaffe eingezogen. Zu einem Einsatz kam es aber nicht: Das Kerosin ging der Luftwaffe aus. Martin Böttcher geriet in Kriegsgefangenschaft. Seine Rettung war eine heimlich beschaffte Gitarre, auf der er das Spielen selbst beibrachte. Nach der Rückkehr nach Deutschland landete Böttcher zunächst beim Nordwestdeutschen Rundfunk als Arrangeur.

Der große Durchbruch kam Mitte der 50er-Jahre mit einem seiner ersten Soundtracks zum Klassiker "Die Halbstarken" mit dem jungen Horst Buchholz.

Seine Band bei den Aufnahmen nannte er "Mr. Martin’s Band" in der es auch ein bemerkenswertes Mitglied gab: den Posaunisten Ernst Mosch.

"Bei den Halbstarken hatten wir einmal die Big Band, da haben wir die ganz normale Filmmusik gemacht, und die speziellen Dinge haben wir mit Mr. Martin’s Band gemacht. Und da waren ganz tolle Musiker, Horst Fischer, Ernst Mosch, das glaubt heute kein Mensch, dass der ein richtiger großer Jazzer war, und Freddy George, den hätte ich eigentlich zuerst nennen müssen."

1956 - Die Halbstarken. Martin Böttcher verewigte sich daraufhin mit der Musik für sieben Edgar Wallace-Filme. Und Anfang der 60er-Jahre zementierte er seine Legende: Er komponierte die Musiken zu den Karl May-Filmen.

Was heute oft vergessen wird, sind Martin Böttchers Fernsehmusiken. TV-Filme und Serien - "Sonderdezernat K1", "Derrick", "Ein Platz an der Sonne", "Der Trotzkopf" oder das "Forsthaus Falkenau" - überall schrieb er mit.

Man merkt in den frühen Kompositionen aus den 50ern und 60ern, wo Martin Böttcher herkommt: Aus dem Jazz. Bei den Edgar Wallace-Filmen ist es der straffe Big-Band-Swing, bei den Halbstarken ist es zum Beispiel ein Blues-Motiv.

Und Martin Böttcher ging mit der Zeit. In "Winnetou und Old Shatterhand im Tal der Toten" von 1968 schrammelt sogar eine funkige Gitarre. Oder in dem Film "Mörderspiel" aus dem Jahr 1961, da säuseln Easy Listening-Sängerinnen im Hintergrund – ein wichtiges Kennzeichen der TV-Musiken der 60er.

Was macht nun den besonderen Stil von Martin Böttcher aus? Es sind zwei Dinge, und die sind bereits in den Karl May-Musiken ausgeprägt: Zum einen der romantische Streicherton mit den typischen lang aufsteigenden Melodiebögen. Und besonders bei den Szenen, wo’s mal ernst wird, da sind es bedrohliche Stakkato-Bläser. Klar - das hat er aus dem Swing gelernt.

Was bleiben wird von Martin Böttcher ist natürlich der romantische und teilweise auch ziemlich kitschige Ton vieler TV-Serien. Darüber kann man sich zwar herrlich streiten. Aber für diese Melodien wird Martin Böttcher im Gedächtnis bleiben.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsMensch oder Maschine?

Hauptdarsteller Johnny Depp steht bei der Premiere von "Transcendence" in Westwood, Kalifornien, mit Sonnenbrille vor einem Filmplakat.

Uneinig sind sich die Feuilletons bei der Bewertung des Thrillers "Transcendence". Ob Johnny Depp tatsächlich ein Superhirn spielen kann, das mit Großrechnern fusioniert, wird in der "SZ" mit einem Seufzen beantwortet.

 

Fazit

Kino"Irre sind männlich"

Die Schauspieler Peri Baumeister (l-r), Fahri Yardim, Milan Peschel und Marie Bäumer kommen am 10.04.2014 zur Premiere des Films "Irre sind männlich" in den Mathäser Filmpalast in München (Bayern).

Die Titelhelden und Programmierer Daniel und Thomas begeben sich in "Irre sind männlich" aufgrund ihrer Beziehungsprobleme in Therapie. Was komisch sein soll bleibt vorhersehbar und lahm und enttäuscht auf ganzer Linie.

RegiedebütLärmende Zukunftswarnung

Hauptdarsteller Johnny Depp steht bei der Premiere von "Transcendence" in Westwood, Kalifornien, mit Sonnenbrille vor einem Filmplakat.

In dem Cyber-Thriller "Transcendence" digitalisiert der Wissenschaftler Dr. Caster (Johnny Depp) kurz vor dem Tod sein Gehirn, um so als Daten-Mensch weiterzuleben. Die Geschichte bleibt aber allzu fade.

Schwabinger KunstfundWie geht es weiter mit den Gurlitt-Bildern?

Ingeborg Berggreen-Merkel 27.11.13

Eine Taskforce untersucht derzeit die verdächtigsten Bilder des Schwabinger Kunstfundes. Das Ziel: Innerhalb eines Jahres soll weitgehend aufgeklärt sein, wem die Bilder aus der Sammlung zustehen.