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Länderreport | Beitrag vom 10.02.2016

Schönhauser Allee in Berlin-Prenzlauer BergLeben unter der Hochbahn

Von Julika Bickel

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Unter der U-Bahnbrücke: Die Schönhauser Allee im Ortsteil Prenzlauer Berg im Berliner Bezirk Pankow. (Julika Bickel)
Unter der U-Bahnbrücke: Die Schönhauser Allee im Ortsteil Prenzlauer Berg im Berliner Bezirk Pankow. (Julika Bickel)

Touristen, Väter mit Kinderwagen, Handwerker und alte Damen mit Hut - auf der Schönhauser Allee tummeln sich allerlei Typen. Über die vierspurige Straße verläuft die U-Bahnstrecke der Linie 2, oberirdisch, auf Stahlträgern gebaut - und das schon 1913.

Am Rand der Straße schlendern die Leute, bleiben vor Schaufenstern stehen, suchen sich einen Ort, um Mittag zu essen. Die Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg ist breit: Fahrräder, Autos und Straßenbahnen fahren hier. In der Mitte der vier Spuren verläuft eine Hochbahn. Denn die U-Bahnstrecke wurde in der Schönhauser Allee oberirdisch auf Stahlträgern gebaut. Unter dem Viadukt befindet sich ein Fußgängerweg.

"Schwere Unfälle hab ich schon gesehen, aber auch Fotoshootings, gute Partys. Ja ganz durchmischt, so wie die Schönhauser Allee eben ist."
"Es ist gemütlich. Wirklich hübsche Gebäude, viele nette Cafés, Restaurants und Läden ..."
"Dass sie jetzt nach der Wende so bunt ist und so belebt ist. Das sind viel mehr Farben, viel mehr Leute, viel mehr Nationalitäten, das war früher isoliert hier die Ecke. Das war wie im Dornröschenschlaf."

Konnopke's Imbiss unter der Hochbahn

Hinter einem bemalten Pfeiler unter der Station Eberswalder Straße, dem südlichen Endpunkt der Hochbahn, steht Konnopke's Imbiss. Ein Kultort in der Schönhauser Allee. In den 1930er Jahren begann Max Konnopke Würste zu verkaufen, damals mit Klapptisch und Wurstkessel. 30 Jahre später stellte sein Sohn die erste Currywurst in Ost-Berlin her. Die Schlange zum Imbissfenster ist diesen Mittag sechs Meter lang: Touristen, Väter mit Kinderwagen, Handwerker und zwei alte Damen mit Hut.

"Wunderbar. Schmeckt gut. Muss ich sagen, ja wirklich, einmalig."
"Die schöne Wurst, der Ketchup besonders, der ist ja ein Spezial von der Familie."
"Schmeckt gut und man kann gleich in die U-Bahn oder Tram."

Bis zu 50.000 Fahrgäste nutzen die U-Bahnlinie 2 täglich im Bereich der Schönhauser Allee. Im Jahr 1913 wurde die Hochbahn in Betrieb genommen, damals hieß die Linie 2 noch Linie A. Viele Anwohner waren zunächst nicht begeistert, sagt Uwe Kutscher, Bauchef der Berliner Verkehrsbetriebe:

"Es gab in der Anfangszeit natürlich schon Widerstände von den Hausbesitzern. Man muss wissen, das Wohngebiet Prenzlauer Berg wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut. Das war eine große Neubausiedlung, alles sehr eindrucksvolle Häuser, wenn man die alten Bilder sieht, man hatte diese schöne Promenade angelegt, ja und jetzt baut dort jemand so ein stählernes Ungetüm."

Ruhe zwischen den Stationen

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde in vielen Großstädten, wie in New York, Paris und London, überlegt, wie man den starken Verkehr bewältigen kann. Alle damaligen Lösungen sahen Hochbahnstrecken vor, mit dem unterirdischen Bauen hatte man noch keine Erfahrung. Um die Jahrhundertwende wurde auch für Berlin ein Netz von Hochbahnstrecken geplant, erzählt Uwe Kutscher:

"Und da gab es aus der Anfangszeit einige Baugenehmigungen, unter anderem für die Strecke in der Schönhauser Allee, und auf die hat man später zurückgegriffen, auch wenn man dann schon U-Bahn-Strecken gebaut hat. Und so kam es, dass im Jahr 1908 mit dem Bau begonnen wurde, eben noch als Hochbahnstrecke."

Es ist Abend geworden. Unter der Station Schönhauser Allee, dem nördlichen Ende der Hochbahn, laufen Leute, die von der Arbeit kommen oder schon auf dem Weg in die erste Bar sind. Einige bleiben stehen und schauen dem Straßenmusiker zu, der auf Eimern und Töpfen trommelt. Er nennt sich Paddy und reist seit 18 Monaten umher.

"This street? It's got a really good amount of foot traffic ... Diese Straße? Hier ist wirklich sehr viel Fußgängerverkehr. Es gibt viele Einheimische, Touristen, Pendler und Menschen, die hier arbeiten. Ganz unterschiedliche Typen. Es ist einfach eine nette, freie, offene, coole Gegend, finde ich. ...Just, yeah, a nice free, open, cool area, I guess.!"

Wenige Meter entfernt steht ein denkmalgeschützter Pavillon, in dem es seit acht Monaten einen Burgerladen gibt. Im Gegensatz zum sonstigen Trubel in der Schönhauser Allee ist es dort, zwischen den Stationen unter den grünen Stahlträgern, erstaunlich ruhig. Nur vereinzelte Fußgänger nutzen den Weg. Manche gehen mit ihren Hunden spazieren. Die Atmosphäre ist geheimnisvoll. Gelbes Licht leuchtet von den Lampen an der Decke und man ist ganz für sich.

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