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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 04.02.2015

Schleswig-HolsteinDeiche für den Klimawandel fitmachen

Von Petra Marchewka

Passanten trotzen am 09.01.2015 in Dagebüll (Schleswig-Holstein) am Nordseedeich dem Sturm. Gleich zwei Orkanausläufer werden an diesem Wochenende den Norden streifen. (picture alliance / dpa / Carsten Rehder)
Heftig peitschen Stürme das Wasser auf Deiche, die müssen ganz schön was aushalten. (picture alliance / dpa / Carsten Rehder)

Im Laufe der Jahrhunderte hat der Mensch die Deichbau-Technik immer weiter verbessert. Wegen des Klimawandels werden aber in Zukunft noch standfestere Deiche gebraucht - doch die kann der Boden allmählich gar nicht mehr tragen.

Unten grün, oben blau. Unten gelb, Mitte grün, oben grau. Keine Mark-Rothko-Ausstellung, sondern der Deich. Grün unter blauem Himmel bei schönem Wetter. Oder grün mit gelbem Rapsfeld davor, der Himmel grau. Reizvoll geht anders.

Mann: "Sowas habe ich hier noch nicht gesehen. Ich bin wirklich schockiert."

Aber ob die rund 300 eingedeichten Küstenkilometer nun hübsch sind oder stinklangweilig, ist völlig egal, wenn, wie 2013, ein Orkantief die Küste heimsucht.

"Unglaublich. Also mit Hochwasser habe ich gerechnet, aber das das so hoch hier steht... Nee!"

Der Pegel der Nordsee steigt seit Jahrhunderten

Damals gibt "Xaver" alles. Die Deiche, sie halten.

"Also so einen Sturm dieser Ausdauer wirklich noch nicht erlebt. Also es wird drei Tage noch so anhalten. Das ist ziemlich heftig."

Schon seit dem späten Mittelalter schützen sich die Küstenbewohner in dieser Gegend mit Dämmen. Sichern das Marschland, das sie beackern, um die stetig wachsende Bevölkerung satt zu bekommen. Über die Jahrhunderte steigt der Wasserpegel der Nordsee immer mehr, entsprechend höher werden die Deiche und verbessern sich in Konstruktion und Bautechnik. "Stackdeiche" aus Holzplanken weichen "Schardeichen" aus Erde, Stroh und Steinen. Lorenzüge und dampfgetriebene Eimerbagger ersetzen Tagelöhner mit Schubkarren.

"Also im Moment mag man gar nicht sagen, das Xaver die Puste ausgehen soll. Wir haben hier immer noch Windstärken 10 bis 12 in den Böen..."

Deiche sind nicht mehr wegzudenken - obwohl sie den Blick versperren

"Weihnachtsflut" 1717, "Februarflut" 1825, Flutkatastrophe von 1953. Seit der "Hamburgflut" von 1962 regelt der "Generalplan Küstenschutz des Landes Schleswig-Holstein" die regelmäßige technische Verbesserung der Deiche. Die aktuelle Runderneuerung – zu besichtigen im Moment zum Beispiel am Deich "Alter Koog" im Nordwesten von Nordstrand – beschließt die Kieler Landesregierung 2012: Denn vielerorts reicht die Tragfähigkeit des Untergrundes nicht mehr aus, zudem sollen die sogenannten "Klimadeiche" mit mehr Höhe und breiterer Krone dem auflaufenden Wasser noch effektiver die Wucht nehmen. Schleswig-Holsteins Deiche – sie rüsten sich für den Klimawandel.

Der Deich als optische Störung ist den Menschen hier zum liebgewonnenen "kleineren Übel" geworden. Nicht wegzudenken, genauso wenig wie das Deichschaf. Dieser traditionsreiche Küstenschützer grast stoisch und zuverlässig bei Wind und Wetter, verdichtet dabei den Boden und aktiviert die Wurzelbildung, trampelt nebenbei Wühlmauslöcher zu und verschließt die Eingänge der Maulwurfshügel. Und die monotone Farbordnung der Deichlandschaft verschönert das Schaf auf jeden Fall – als heller Punkt auf Grün vor Blau.

Mehr zum Thema:

Flutschäden - Unternehmen in Sachsen warten auf EU-Hilfen
(Deutschlandfunk, Wirtschaft und Gesellschaft, 06.12.2013)

"Unverantwortliches Deich-Wettrüsten"
(Deutschlandfunk, DLF-Magazin, 04.07.2013)

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