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Profil / Archiv | Beitrag vom 11.02.2009

Schauspielerin mit Leib und Seele

Anamaria Márinca im Porträt

Von Vanja Budde

Die Schauspieler Rolf Lassgard, Anamaria Marinca, Kerry Fox und Regisseur Hans-Christian Schmid (v.l.n.r.) (AP)
Die Schauspieler Rolf Lassgard, Anamaria Marinca, Kerry Fox und Regisseur Hans-Christian Schmid (v.l.n.r.) (AP)

Die rumänische Schauspielerin Anamaria Márinca wurde 2007 mit dem Abtreibungs-Drama "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" für den Europäischen Filmpreis nominiert und der Film gewann in Cannes die Goldene Palme. Derzeit ist sie in zwei Nebenrollen auf der Berlinale zu sehen: In July Delpys "Die Gräfin" und in "Storm" von Hans-Christian Schmid.

Anamaria Márinca war sechs Jahre alt, als sie die Geige zu spielen begann und damit ihrer Mutter nacheiferte: Einer Violinistin, die mit ihrem Orchester viel im Westen auftrat.

Anamaria Marinca: "Sie waren permanent auf Tour, überall auf der Welt. Ich wuchs also damit auf, dass sie oft nicht da war. Leider konnten wir nicht mit ihr reisen, aber sie hat uns die Welt mit zurück gebracht."

Anamaria Márinca wurde 1978 im Nordosten Rumäniens in eine Künstlerfamilie hineingeboren. Ihr Vater ist Schauspieler, wünschte sich aber, dass seine Kinder die Musik zu ihrem Lebensinhalt machen sollten. Es wurde nichts daraus: Anamarias Bruder spielte Jahre lang Klavier, ist heute aber Arzt. Und sie entschied sich mit 18 für die Schauspielerei. Trat sie damit bewusst in die Fußstapfen ihres Vaters?

Anamaria Marinca: "Vielleicht unbewusst. Ich habe immer sehr an meinem Vater gehangen und ihn bewundert. Ich bin ihm näher gekommen in einem Alter, in dem andere Jugendliche sich von der Familie entfernen und unabhängig werden. Ich musste mit meinem Vater arbeiten. Wenn ich eine Frage hatte, war er es, mit dem ich lange Diskussionen führte."

Denn Anamaria studierte Schauspielerei an der Kunsthochschule, an der ihr Vater unterrichtete. Über das Jugendtheater führte ihr Weg auf die Bühnen von Bukarest. Es war Nachwendezeit, der französischen Theaterregisseur Christian Benedetti war nach Rumänien gekommen, Anamaria Márinca spielte unter seiner Regie Stücke von Dumas und Strindberg, aber auch modernere Stoffe von Heiner Müller oder rumänische Erstaufführungen.

Anamaria Márinca, 1’60 groß und schlank, sitzt in dunklen Jeans und schwarzem Top im Berliner Büro der PR-Firma des Films "Storm" auf einem Holzstuhl, beißt hungrig ab und zu in einen Apfel. Benedetti ist bis heute ihr Mentor, erzählt sie.

"Er ist jemand, der großen Einfluss hat auf mein künstlerisches Leben. Ich habe ihn in einem sehr frühen Stadium getroffen und wir sind seit damals in einem konstanten Dialog geblieben. Die Art und Weise, wie ich Theater spiele und an Film-Rollen heran gehe hat sehr viel damit zu tun, was ich von ihm gelernt habe."

Die 30-Jährige verfügt über ein fröhliches Selbstbewusstsein. Eine Stütze braucht sie aber – angesichts der schwierigen Rollen, die sie wählt: 2004 gab sie ihr Fernseh-Debüt in Peter Yates Fernsehspiel "Sex Traffic" mit der Rolle eines moldawischen Mädchens, das von Menschenhändlern zur Prostitution gezwungen wird.

Ihr erster Kinofilm "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" spielt im Rumänien unter Ceausescu: Abtreibung ist streng verboten. Márinca verkörpert eine Studentin, die einer schwangeren Freundin hilft und von einem schmierigen Engelmacher sexuell erpresst wird.

Und in "Storm", der im Herbst in die deutschen Kinos kommt, ist sie "Mira", die im Krieg in Bosnien Massenvergewaltigungen zum Opfer viel. In allen drei Filmen wurde sie für ihr intensives, hypnotisches Spiel von der Kritik gefeiert.

Pressekonferenz "Storm", Moderator: "Ich darf sie herzlich begrüßen zu Pressekonferenz des Wettbewerbsbeitrags 'The Storm' und begrüße ganz herzlich Mitglieder des Teams hier in Berlin: Anamaria Marinca."

Auf der Presse-Bühne sah Márinca sehr hübsch aus, mit kurzen, honigblonden Haaren, großen, warmen braunen Augen und einem eleganten schwarzen Kleid. Eine klassische Schönheit mit Wallemähne ist sie nicht, aber eine ausgesprochen charismatische Schauspielerin, die eine große Karriere machen kann. Geschickt hat sie mit July Delpys "Die Gräfin", einem historischen Kostümfilm, ihre Bandbreite erweitert.

Die Grenzen Rumäniens ließ sie schon vor Jahren hinter sich: Nach dem Erfolg von "Sex Traffic" zog Anamaria Marinca nach London, spielt dort Shakespeare am Theater. Sie lebt allein, ist es aber nicht.

"Die meisten meiner Freunde sind Schauspieler oder Regisseure. Ich arbeite viel, die meiste Zeit verbringe ich am Set oder auf der Bühne. Aus Kollegen werden Freunde. Ich hole mir Rat bei meinem Vater, er ist mein Freund, meine Zuflucht. Ich habe eine sehr liebevolle Familie und alle sind da für mich. Ich werde geliebt und fühle mich gebraucht. Und das ist wahrscheinlich mit ein Grund dafür, dass ich weiter diese Rollen übernehmen kann."

Anamaria Márinca ist mit Leib und Seele Schauspielerin. Für etwas anderes hat sie kaum Zeit und Energie. Ab und zu kurze Beziehungen zu "unstabilen Männern", sagt sie und grinst lausbubenhaft. Aber meist sind Kopf und Herz voll mit ihrer jüngsten Rolle.

"Man macht immer weiter. Und manchmal kann man nicht schlafen, weil man an die Rolle denkt. Wenn ich die Straße entlang gehe, beobachte ich ständig, ich analysiere alles: Farben, Oberflächen, Geräusche; ich nehme alles auf, wie ein Schwamm. Ich kann die Rolle, meinen Beruf, nie vergessen. Es wird dein Leben. Es klingt pathetisch wenn Leute sagen ‚Das Theater ist mein Leben’. Aber auf eine sehr praktische Art ist das so - ja."

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