Donnerstag, 2. Oktober 2014MESZ02:31 Uhr

Feiertag

weitere Beiträge

Religionen

Übersicht"Religionen" vom 28. September
Demonstranten halten in Bielefeld Fahnen und Plakate hoch.

Die weltweite Verfolgung von Christen ist Anlass, zu hinterfragen, wie auf Gewalt reagiert werden sollte. Neben christlicher Kampfkunst ist die aktuelle und historische Situation der Christen in China ein Thema in der Sendung "Religionen" - und zwar im Interview mit dem Schriftsteller Liao Yiwu.Mehr

Christliche SelbstverteidigungDie rechte und die linke Wange
Fortgeschrittene Karateka der Meisterstufe beim Training von Schlag- und Abwehr-Techniken bei einem international besuchten Lehrgang in Strausberg bei Berlin.

Im Nordirak und an vielen anderen Orten weltweit sind Christen Gewalt und Verfolgung ausgesetzt. Manche greifen zur Selbstverteidigung, andere warnen davor, sich zu wehren. Über die Vereinbarkeit von Kampfkunst und christlicher Ethik und sogenannte "Gotteskämpfer".Mehr

Interview mit Liao Yiwu "Ein Kampf zwischen Gut und Böse"
Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu, Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2012, steht in Berlin im Deutschen Theater nach einer Lesung im Foyer.

In dem Buch "Gott ist rot" befasst sich Liao Yiwu mit dem Christentum in China und den damit verbundenen Drangsalierungen durch die Regierung. Im Interview spricht er auch über sein Leben in Berlin und, warum es auch dort "das Paradies und die Hölle" gibt.Mehr

weitere Beiträge

Feiertag / Archiv | Beitrag vom 08.07.2012

Sandkorn und Elefantenbaum

Was Landschaften von Gott erzählen - am See

Von Christina-Maria Bammel

Schilf an einem See
Schilf an einem See (Jan-Martin Altgeld)

"Und am Ende der Straße steht ein Haus am See, Orangenbaumblätter liegen auf dem Weg, ich habe zwanzig Kinder, meine Frau ist schön..." So besingt Peter Fox einen Traum, den wohl viele mit ihm teilen. Am See liegt das paradiesische Zuhause des kinderreichen Träumers nicht zufällig. Unglaubliches spielt sich dort ab, Unbewusstes und Unbekanntes verbirgt sich dort, in der inspirierenden und irritierenden Idylle an der Grenze zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt - am See.

"Und am Ende der Straße steht ein Haus am See..." Davon träumt der Sänger und Musiker Peter Fox. Das Geheimnis seines Erfolgshits ist wahrscheinlich, dass er diesen Traum nicht allein träumt. Viele Menschen sehnen sich danach - ein Haus am See. Orangenbaumblätter säumen den Weg dorthin. Rückenwind, die Welt wird langsam klein ... Zwanzig Kinder und eine schöne Frau, die machen das Glück dann perfekt, meint Peter Fox.

Es müssen ja nicht gleich 20 Kinder dazu sein. Aber die Vision vom eigenen Haus mit Seeblick ist fast ein Stück Himmel ...
Manchmal genügt schon der Blick über das Ufer auf einen See. Hinein ins tiefer werdende Wasser, wie ein Spiegel für die eigene Seele: Mal aufgewühlt und spritzig, mal glasglatt und still. Da glitzern Wellen in der Morgensonne. Ein Entenpaar jagt sich gegenseitig über die Wasseroberfläche; dabei streifen sie herab hängende Zweige der Trauerweide. In Kürze werden sie mit dem Nestbau irgendwo im Schilf beginnen. Von all dem völlig unberührt der Schwan, der lautlos durchs Wasser pflügt. Natürlich spürt er nicht, was der stillen Seebeobachterin auf dem Steg gerade durch den Kopf geht. Wie wäre es, jeden Morgen ein so friedliches Bild vor Augen zu haben, umrahmt von schöpferischer Stille, ungestört vom ewigen städtischen Hintergrundrauschen, untermalt nur vom Gurgeln des Wassers unter den Holzplanken des Steges. Dieser Steg ragt nicht in irgendeinen See hinein. Es ist der vielleicht prominenteste der märkischen Seen. Theodor Fontane nennt ihn mit humorvollem Unterton den "Vornehmen".

"Hie und da wächst ein weniges von Schilf und Binsen auf ... alles still hier. Und doch, von Zeit zu Zeit wird es an eben dieser Stelle lebendig. Das ist, wenn es weit draußen in der Welt, sei's auf Island, sei's auf Java, zu rollen und zu grollen beginnt oder gar der Aschenregen der hawaiischen Vulkane bis weit auf die Südsee hinausgetrieben wird. Dann regt sich's auch hier, und ein Wasserstrahl springt auf und sinkt wieder in die Tiefe. Das wissen alle, die den Stechlin umwohnen, und wenn sie davon sprechen, so setzen sie hinzu: 'Das mit dem Wasserstrahl – das ist nur das Kleine; wenn's aber draußen was Großes gibt, wie vor hundert Jahren in Lissabon, dann brodelt's hier nicht bloß .. dann steigt statt des Wasserstrahls ein roter Hahn auf und kräht laut in die Lande hinein. Das ist der Stechlin. Der See Stechlin."

(Der Stechlin, insel tba, Insel Verlag Frankfurt/ Main, S. 11.)

So steht der See für beides – für die Stille wie für die großen Umbrüche, für das Alte wie auch für das Neue; für die heimatliche Enge als auch für die weltweiten Beziehungen, die da so geheimnisvoll dann und wann heraufsprudeln. Auch noch über 100 Jahre nach Fontane lebt dieser Seeflecken. Zahllose Besucher kamen und kommen wie ich hierher und wünschen sich, dass der See seine vornehme Stille noch lange behält. Zu schön wäre es doch, endlich hier und jetzt Freiheit zur Musse zu finden. Das ist die Sehnsucht der zahlreichen gehetzten Städter. Ich bin eine von ihnen und bewundere die Andachtsstille mitten in der Natur! "Ich lehne mich zurück und guck ins tiefe Blau, schließ´ die Augen und lauf einfach gradeaus.", singt Peter Fox.

Mehr als zweieinhalb Jahrhunderte früher gerät ein Reisender beim Anblick von Wasser, Bäumen und endlos scheinenden Ufern ebenfalls ins Schwärmen. Auch er sehnt sich nach Freiheit und Entfaltung, nach schöpferischer Ruhe und Inspiration aus der Stille der eigenen Seelentiefe heraus. Es ist der junge Johann Wolfgang von Goethe, der gerade am Zürichsee eingetroffen ist. Über den warmen Junitag auf dem Wasser schreibt der Dichter in sein Tagebuch.

Und frische Nahrung, neues Blut
Saug' ich aus freyer Welt
Wie ist Natur so hold und gut
Die mich am Busen hält!
Die Welle wieget unsern Kahn
Im Rudertakt hinauf,
Und Berge, wolkig himmelan,
Begegnen unserm Lauf.

Auf der Welle blinken
Tausend schwebende Sterne,
Weiche Nebel trinken
Rings die thürmende Ferne;
Morgenwind umflügelt
Die beschattete Bucht,
Und im See bespiegelt sich die reifende Frucht.


Ach, überhaupt, die Schweizer Seen! Gott muss sie bei der Schöpfung besonders innig bedacht haben. Das Glitzern der Wasserfläche scheint die tiefsten Geheimnisse auf dem Grunde des Seebodens zu halten. Man schaut umher, hinab, hinüber und in sich hinein. Wie gern lasse ich meine Blicke dort spazieren weit über den Silvaplanersee. Ich spüre den aufkommenden typischen Talwind direkt über dem Wasser. Ein Wind der ganz besonderen Art. Beliebt bei Seglern und Wassersportlern. Der Malojawind. Ist es dieser Talwind gewesen, der den kränkelnden Friedrich Nietzsche so durcheinander gebracht hatte? Die Engadiner Seen mit ihrer paradiesischen Lage konnten die fortschreitende Nervenkrankheit des Intellektuellen nicht bremsen. Doch Nietzsches Gedanken haben am Ufer Spuren hinterlassen. Die lassen sich leicht finden. Da ist dieser mächtige Stein, einer Pyramide ähnlich. Kinder verlockt er zum Klettern. Zum Anlehnen eignet sich der Koloss nicht. Schroff wirkt er in seinem kalten Grau. Doch an diesem Ort soll es gewesen sein, dass Nietzsche an der Idee der ewigen Wiederkehr Gefallen, ja tiefe Faszination fand. Die Welt steuert nicht auf ein einziges Ziel zu. Vielmehr wiederholt sich alles, was geschieht – unendlich. Nietzsche beschreibt das so:

"Das größte Schwergewicht. – Wie, wenn dir eines Tages oder Nachts, ein Dämon in deine einsamste Einsamkeit nachschliche und dir sagte: "Dieses Leben, wie du es jetzt lebst und gelebt hast, wirst du noch einmal und noch unzählige Male leben müssen; und es wird nichts Neues daran sein, sondern jeder Schmerz und jede Lust und jeder Gedanke und Seufzer und alles unsäglich Kleine und Große deines Lebens muss dir wiederkommen, und Alles in der selben Reihe und Folge – und ebenso diese Spinne und dieses Mondlicht zwischen den Bäumen, und ebenso dieser Augenblick und ich selber. Die ewige Sanduhr des Daseins wird immer wieder umgedreht – und du mit ihr, Stäubchen vom Staube!" – ... Wenn jener Gedanke über dich Gewalt bekäme, er würde dich, wie du bist, verwandeln und vielleicht zermalmen; die Frage bei Allem und Jedem "willst du dies noch einmal und noch unzählige Male?" würde als das größte Schwergewicht auf deinem Handeln liegen! Oder wie müsstest du dir selber und dem Leben gut werden, um nach Nichts mehr zu verlangen, als nach dieser letzten ewigen Bestätigung und Besiegelung?"

(Die fröhliche Wissenschaft, Viertes Buch, Aphorismus 341; KSA 3, S. 571.)

Ewige Wiederkehr - kein Gedanke zum Anlehnen. Handle ich tatsächlich so, dass ich mit den Folgen meines Handelns ewig leben könnte? Mit Sicherheit nicht. Wem schaudert es nicht bei dem Gedanken, dass sich jeder Augenblick des Lebens wiederholt, immer und immer wieder kommt. Es gibt die schönen, die glücklichen Momente. Ich erinnere mich gerne an sie – aber ihre Einmaligkeit, ihre Einzigartigkeit möchte ich nicht preisgeben. Sie sind gut aufgehoben, als Geheimnis, tief unten, unter dem Glitzern der Wasserfläche. Unmöglich gar, jeden Moment so zu leben, dass seine dauernde Wiederholung pure Freude wäre. Diese Unmöglichkeit lässt den Atem stocken. Nietzsche selbst soll später der Atem gestockt haben, als er den Gedanken der ewigen Wiederkehr auf das ständige Wiederkommen seiner Mutter und Schwester bezogen sah. Deren Verhältnis war nicht gerade das Beste. Allein die Vorstellung also genügte, um den Gedanken vom ewigen Wiederkehren dann doch als abgründig zur Seite zu legen. Nietzsche selbst ist auch nicht mehr wieder gekehrt an jenen Ort der Stille und Einkehr. Einen letzten bewussten Sommer hat der Enddreißiger an den Engadiner Seen im Jahre 1888 verbracht. Dann brach die geistige Nacht über ihn herein.

Hundert Jahre früher als Friedrich Nietzsche hatte Jean-Jacques Rousseau seine vielleicht originellsten Einfälle nicht am, sondern auf dem Wasser. Der Bieler See hatte es dem Genfer Intellektuellen angetan. Rousseau ist damals 35 Jahre jung und hat das Zeug zur Skandalprominenz. Ein Paranoiker, der wirklich verfolgt wurde. So beschreibt ihn Peter Sloterdijk in seinem Buch "Stress und Freiheit". Rousseau flüchtete sich auf eine menschenleere Insel, mitten im Bieler See. Seine "Träumereien" sind in Erinnerung an diesen Ort entstanden. Bis heute atmen sie die Aura jener stillen Insel. Rousseaus Niederschriften erzählen uns, wie er auf den See hinausrudert, sich auf den Boden des Bootes legt – mit Blick in den Himmel, versteht sich – und innerlich zu driften beginnt. Offenbar eine seiner liebsten Betätigungen, wenn man überhaupt von Betätigung sprechen kann. Träumerei als ein einziges seelisches Fließen.

"Ich wollte dieser Augenblick währte für immer." ... hat Rousseau später gemeint und sich zugleich gefragt:

"Was eigentlich genießen wir in solcher Lage? Nichts, was dem eignen Selbst äußerlich wäre, nichts außer sich selbst und die eigene Existenz. Solange dieser Zustand anhält, genügt man sich selbst wie Gott. Das Existenzgefühl als solches, von allen anderen Affekten entkleidet, ist durch sich selbst ein wertvolles Empfinden von Frieden und Zufriedenheit, und bereits dies allein würde genügen, diese Existenz demjenigen lieb und teuer zu machen, dem es gelänge, die sinnlichen und irdischen Eindrücke fernzuhalten, die uns sonst unablässig von ihr abziehen."

(Rousseau, Les reveries du promeneuer solitaire Paris 2010, 97-97, Übersetzung nach P. Sloterdijk, Stress und Freiheit, suhrkamp, S. 24-25)

Eine Urszene des Existenzdenkens nennt Sloterdijk diese Momente auf dem See. Sie beschreiben die Freiheit eines Träumers im Wachzustand. Eine Erfahrung von Freiheit, allein im Besinnen auf die gespürte Existenz. Der sich hier erkennt und darüber spricht, ist im Tiefsten frei. Aber worin äußert sich diese Freiheit? Dazu meint Peter Sloterdijk:

"Seine neue Freiheit zeigt sich in seiner ekstatischen Unbrauchbarkeit zu allem. Der freie Mensch macht die Entdeckung, dass er der unnützeste Mensch der Welt ist – und er findet das vollkommen in Ordnung."
(Peter Sloterdijk, Stress und Freiheit, S.28.)

Vielleicht findet sich dort am See aber nicht nur der Träumer, der Freiheitsgeist, der Ruhesuchende und der Abenteurer wider. Vielleicht werden wir dort am See auch gefunden – von Einem, der nicht in die Bezüge dieser Welt passt, von Gott selbst. Dem einen oder anderen mag diese Hoffnung eine Nummer zu groß sein. Aber eine Spurensuche lohnt sich allemal. Reisen wir aus der Schweizer Seenlandschaft noch weiter südlich und noch tiefer in die Vergangenheit hinein - zum tiefstgelegenen Süßwassersee der Erde, zum See Genezareth. Seit 18 000 Jahren nährt er Pflanzen und Tiere. Morgenwind umspielt die beschatteten Buchten, wenn die Fischer vom See herein ans Land rudern. Von Generation zu Generation haben sie ihr Handwerk weitergegeben. Zutiefst verbunden mit dem See, dessen wechselnder Wasserstand mit den Jahreszeiten verwoben ist. Der See ist den Fischern Nahrung und Leben, und er kann Leben nehmen. Etwa dann, wenn die vom Ostwind aufgewühlten Wellen die kleinen Fischerboote kentern lassen. Auch die Enttäuschung gehört zum Alltag der Fischer, wenn die Netze voller Steine statt Fische sind. Ich sehe die Fischer, die auf den Ruf Jesu hin zu Jüngern werden. Sie sitzen mit Brot und ein paar gesalzenen Sardinen in der Hand im Kreis, als der Meister zu ihnen spricht:

"Denn jeder, der bittet, empfängt, und wer sucht, findet, und wer anklopft, dem wird geöffnet. Oder würde jemand unter euch seinem Kind einen Stein geben, wenn es ihn um Brot bittet? Würde er ihm eine Schlange geben, wenn es ihn um einen Fisch bittet?"
(Matthäus 7,8-10, eigene Übersetzung aus dem Novum Testamentum Graece, 12. Aufl. Nestle/ Aland)

Ich sehe einen roten Sonnenuntergang und Stunden später geht die Sonne wie durch Magie über den Wellen des Sees Genezareth auf. Ich ahne die tiefe Verbundenheit der ersten Christen mit den Ufern dieses Wassers. Der Fisch wird ihr Erkennungszeichen, als sie noch eine verfolgte Gemeinschaft sind. Ich ahne das reiche Dutzend antiker Häfen, von denen heute nach Trockenperioden und wieder steigenden Wasserpegeln nur Spuren geblieben sind. Hat auch Maria, die von Jesus Geheilte, einst am Hafen von Magdala gestanden? Und beim Kaufen und Verkaufen der Fische davon erzählt, wie Jesus ihr Leben verwandelte?

"Petri Heil", rufen sich die Hobbyangler heute noch zu. Ich sehe Petrus vor mir. Es war wohl im Vorfrühling, als Jesus ein letztes Mal mit seinen Jüngern in Kafarnaum zusammen kam. Damals musste jeder erwachsene Jude ein Vierdrachmenstück als Steuer für den Jerusalemer Tempel entrichten. Jesus schien diese Doppelsteuer nicht zu billigen. Begründet wird das nicht weiter. Im Matthäusevangelium heißt es nur, dass Jesus zu Petrus spricht:

"Damit wir keinen Anstoß geben, geh du, Petrus, zum See, wirf die Angel aus und nimm den ersten heraufkommenden Fisch. Und wenn du sein Maul öffnest, wirst du einen Vierdrachmenstück finden. Nimm und gib ihnen den für mich und dich."
(Matthäus 17, 24-27, Übersetzung Zürcher Bibel)

Eine Wundergeschichte. Ihr verdankt der dann wohl geangelte Muscht auch den Namen St. Peters-Fisch. Das Wunder selbst sollte bald noch um ein Vielfaches übertroffen werden. Nicht immer waren sie Fischer, Petrus und die anderen. Aber nach dem Tod von Jesus, ihrem Meister, da wissen sie nichts anderes als wieder zurück zu kehren zu den Booten. Von irgendwas muss man ja leben. Ich gehe fischen, sagt der trauernde Petrus (Johannes 21,3). Abermals spürt Petrus die Schönheit und die Bedrohung des Wassers, wie damals als er noch ein einfacher Fischer und kein Jünger war. Gemeinsam mit den anderen erlebt Petrus eine Nacht der Traurigkeit und der leeren Netze.
Als der Morgen über den Wellen sein rotes Licht zeigt, da erkennen die Jünger so etwas wie eine Erscheinung am Ufer. Sollte dies ihr Meister sein? Lebendig? Diese Erscheinung ruft den erfolglosen Fischern etwas zu: Kinder! hören sie, habt ihr nichts zu essen? Werft die Netze auf der rechten Seite des Bootes aus.
Ihre Seefahrt hat sich gelohnt. Die Netze sind voller Fische. Was Petrus zunächst nur ahnte, weiß er nun mit dem Herzen. Er erkennt den Auferstandenen. Und wirft sich, - so matt, enttäuscht und traurig er gerade noch war - ins Wasser und schwimmt zu ihm ans Ufer. Ein Feuer ist entfacht, Jesus lädt den vor Freude sprachlosen Petrus zum Frühstück ein. Alle, die jetzt mit den Booten nachgekommen sind, sollen Platz nehmen. Kommt und esst!

Ein Frühstück am See, Neubeginn mit dem Auferstandenen.

Es ist windstill, die Wellen verlieren sich sanft am Ufer. Die Schaumkronen beruhigen sich.
Kein Haus am See – aber ein Anfang. Ein Blick über das Ufer hinaus am wärmenden Feuer. Ein Frühstück. Nahrung für die Sehnsucht der Menschen, für eine Begegnung mit meinen Träumen. Ein Augenblick nur – und ich wollte, er währt für immer. In diesem Augenblick gibt sich Gott selbst zu erkennen. Indem er am Ufer unserer dahinfließenden Zeitlichkeit auf uns wartet, erfüllt er unsere Zeit mit seiner Ewigkeit. So wird ein Morgen am Feuer zur vollkommenen Fülle der Zeit. Wenn es einen ersten Schöpfungstag gab, muss er so gewesen sein. Der Glanz des Neubeginns zieht an den alten Ufern herauf – ein Morgenglanz, bestimmt dazu ewig zu sein. Wiederkehr, nicht des ewig Gleichen, sondern des Auferstandenen.

Musik dieser Sendung:
Musik 1 und 2: Peter Fox, Haus am See, CD: Stadtaffe, 2009.
Musik 3, 4 und 5: The Lake House, sunset, CD: original motion picture soundtrack, Komponist: Rachel Portmann.
Musik 6 und 7: The Cider House Rules, Komponist: Rachel Portmann, Ocean.

Die redaktionelle und inhaltliche Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Pfarrer Frank Michael Theuer, Senderbeauftragter für Deutschlandradio und Deutsche Welle für den Medienbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland.