Freitag, 1. August 2014MESZ15:52 Uhr

Feiertag

LiteraturMit dem Herzen suchen
Der französische Pilot und Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry

Am 31. Juli 1944 startete Antoine de Saint-Exupéry zu seinem letzten Flug, er ist seitdem verschollen. Mit seinen philosophischen Büchern, die als "moderne Märchen" auch Kinder verstehen, schuf der fliegende Autor bedeutende Literatur.Mehr

Frida Kahlo"Wozu brauche ich Füße, wenn ich Flügel habe?"

Frida Kahlo hat sich immer klar geäußert: Religion lehnt sie ab. Doch bediente sie sich in ihren Bildern oft religiöser Motive und äußerte klar ihre Sehnsucht nach Erlösung von seelischen und körperlichen Schmerzen. Zum 60. Todestag der Künstlerin ein Blick auf ihre Vorstellung von Erlösung.Mehr

HeilungAuf der Suche nach der gesunden Seele
Ein Mann sitzt am 04.08.2013 auf einem Steg am Selenter See (Schleswig-Holstein).

Ob meine Seele gesund ist oder nicht kann mir niemand sagen, auch kein Psychiater, denn die Seele ist nichts Greifbares. Ich glaube, dass Gottes Zusage gilt: Was verwundet ist, soll heil, soll aufgerichtet werden. Mehr

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Religionen

MuslimeMit dem Koran für Gleichberechtigung
Eine junge Muslimin saß bei der Islamkonferenz 2012 mit dabei, als Politiker, Gesellschafts- und Religionsvertreter diskutierten.

Der Islam wird in Deutschland oft als patriarchal strukturiert und daher frauenfeindlich bezeichnet. Dabei gibt es zahlreiche Musliminnen, die sich für die Rechte der Frauen einsetzen. Ihre Bedeutung im Land wächst.Mehr

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Feiertag / Archiv | Beitrag vom 10.06.2012

Sandkorn und Elefantenbaum

Was Landschaften von Gott erzählen: "Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen …"

Von Pfarrer Johannes Meier, Sontra

Blick auf das 4505 Meter hohe Weisshorn im Wallis in der Schweiz.
Blick auf das 4505 Meter hohe Weisshorn im Wallis in der Schweiz. (Andreas Burman)

Aus der Bonner Rheinebene ist Melanie Pollmeier in die Schweizer Alpen gereist - jedoch nicht als Touristin. Während die meisten Deutschen das schöne Berner Oberland nur für einige Urlaubstage zum Skifahren oder Bergwandern besuchen, ist Melanie gekommen um zu bleiben - im Pfarrhaus.

Melanie Pollmeier, Bergpfarrerin: "”Der erste Eindruck, den ich hatte, war wirklich schier überwältigend. Und zwar bin ich an einem Wintertag mit dem Zug hoch gekommen – und schon der Zug alleine fährt ja, um die Höhe zu überwinden, eine Serpentine. Also der macht sozusagen eine richtige Schleife und geht durch zwei Tunnel, also so gebogene Tunnel durch den Berg. Ich hab irgendwie gemerkt: Hm, jetzt guck’ ich aus der rechten Seite aus dem Fenster und sehe das gleiche Dorf wie eben, als ich aus der linken Seite aus dem Fenster gesehen habe. Und als der Zug oben ankam hat eben herrlich die Sonne geschienen und es war ein sehr schneereicher Winter, es lag ungefähr drei Meter Schnee oder so – und das war einfach traumhaft schön.""

Aus der Bonner Rheinebene ist Melanie Pollmeier in die Schweizer Alpen gereist – jedoch nicht als Touristin. Während die meisten Deutschen das schöne Berner Oberland nur für einige Urlaubstage zum Skifahren oder Bergwandern besuchen, ist Melanie gekommen um zu bleiben. Mit ihrem Mann, drei Kindern und einem Hund zog sie nicht ins Hotel, sondern ins Pfarrhaus ein, mitten im Dorf: Kandersteg, 1200 Einwohner und etwa genauso viele Höhenmeter. Die schmale und kurvenreiche Bergstraße endet hier. Schneebedeckte 4000er erheben sich rings um den idyllischen Ort. Ein echtes Kontrastprogramm – nach dem Studium in Berlin und einer ersten Hilfspfarrstelle in Bonn.

Melanie Pollmeier, Bergpfarrerin: "”Hier auf dem Land muss man sich mehr den Gepflogenheiten anpassen. Man steht mehr auch im Blick der Leute, die Menschen sehen einen und man kann sich nicht verstecken in der Anonymität.""

Eine deutsche Pfarrerin in der Schweiz – das ist längst keine Ausnahme mehr. Bei den Eidgenossen herrscht Pfarrermangel, in der evangelischen Kirche in Deutschland hingegen gab es bis vor einiger Zeit noch zu viele Theologinnen und Theologen. Zu Hause im Rheinland konnte Melanie nach Abschluss ihrer Hilfspfarrzeit vor vier Jahren keine freie Stelle finden – in Kandersteg wurde sie mit offenen Armen empfangen.

Das große Pfarrhaus in den Alpen zieht seitdem viel Besuch aus der Stadt an: Verwandschaft, Kollegen und Studienfreunde. Auch ich gehöre regelmäßig dazu, besuche meinen Patensohn und genieße die Bergluft. Diesmal aber bleibt keine Zeit für ausgedehnte Wanderungen. Statt Fernglas und Käsebrot habe ich mein Aufnahmegerät in den Rucksack gepackt: Ich möchte herausfinden, wie die Leute hier in den Bergen leben und glauben.

Melanie Pollmeier, Bergpfarrerin: "”Also ich erlebe die Menschen hier sehr stark geprägt auch durch die Landschaft, durch die Enge, durch die Berge, durch die Enge. Und ich denke, dass das damit zusammen hängt, dass die Menschen hier einfach größerer Gefahr ausgesetzt sind, einerseits, und auf sich zurückgeworfen sind, eben es da keinen großen Austausch gab oder keine große Innovationsfreudigkeit, sondern es ist hier alles einfach liebevoll begrenzt und auch behütet und umgrenzt durch die Berge, durch die Enge.”"

Bergpfarrerin Melanie Pollmeier hat mir einen Interviewtermin mit zwei Mitgliedern ihrer Gemeinde organisiert. Ich mache mich auf in den alten Dorfkern von Kandersteg. Dicht an dicht stehen hier die Holzhäuser der Bauern, als wollten sie sich gegenseitig Schutz gegen Wind und Wetter geben. Ich bin bei Markus und Elisabeth Zürcher eingeladen. Sie sind eigentlich nur auf Stippvisite in ihrem Haus in Kandersteg: Von Ende Mai bis zum frühen Herbst nämlich bewirtschaften sie einen kleinen Hof noch weiter oben auf der Ueschinen Alp. Ein Stadtleben käme für die überzeugten Bergbauern absolut nicht in Frage.

Elisabeth Zürcher, Bergbäuerin: "”Da würde ich mich fürchten, dort könnte ich nicht leben. Alleine fühle ich mich wohler, geborgener, vertrauter. Aber in der Stadt – unmöglich!”"

Markus Zürcher, Bergbauer: "”Wenn ich nicht muss: Nein! Das ist so anonym und so viele Leute und der Verkehr und alles. Und so weit von der Natur weg, ich weiß nicht, könnt ich glaube ich nicht. Ich bin schon als kleiner Junge immer auf dem Berg gewesen, das prägt. Und wenn man das einmal erlebt hat, will man das immer wieder haben. Weil, das ist schon etwas Besonderes, das ist auch ein Privileg, dass man das kann! Viele Menschen können das nicht einmal, vielleicht einmal in den Ferien. Und ich habe den Ferienort den ganzen Sommer über – mit der Arbeit zusammen.""

Elisabeth Zürcher, Bergbäuerin: "”Ich bin natürlich in den Bergen aufgewachsen. Ich bin einen einzigen Sommer nicht auf der Alp, nicht auf den Bergen gewesen. Sonst war ich immer auf der Alp von klein auf. Und dort ist alles vertraut. Zum Beispiel in der Stadt, wo noch so viele andere Leute sind, da weiß man nie, was ist da. Das ist das, was mir Angst macht.
Aber in den Bergen bin ich alleine, ich weiß ich bin geborgen, es kann mir nichts passieren.”"

Markus Zürcher, Bergbauer: "”Hier ringsum die Berge – das ist doch wie eine Stube. Wenn man weiter weg ist, wo es nur flach ist und so in die Weite sieht – und hier kommt man hoch und dann sind rings um einen die Berge. Das ist doch wie ein Zimmer, ja.”"

Adolf Schmid, Alpinist: "”Man sagt ja bei uns: Je enger das Tal, je enger der Horizont. Aber das muss nicht so sein, man kann ja in das Flachland gehen. Und somit öffnet sich der Horizont – und dann komme ich mit meinem Wissen und mit meinen Einstellungen wieder in mein Tal zurück und kann dann einem Kameraden oder einer Kameradin sagen: Du, dort hat es auch Menschen und ihre Gesinnung ist vielleicht eine weitere, eine offenere.”"

Adolf Schmid treffe ich ein paar Serpentinen talwärts in Kandergrund. Auch für diesen Nachbarort von Kandersteg ist Melanie als Pfarrerin zuständig, Adolf engagiert sich ehrenamtlich in der Kirchengemeinde. Die Leidenschaft des 65-jährigen Rentners aber ist der Bergsport.

"”Das erste Erlebnis hab ich gemacht 1958: Da war ich ein Hirtenbub auf der Niesenkette. Mein Vater kam damals mit mir auf diese Niesenkette hoch – und das muss vermutlich der erste Kick sein zu meinem Bergsteigen: Ich sah zum ersten Mal nicht dieses Tal, sondern ein anderes Tal, das Simmental. Und ich konnte meine Beine baumeln lassen auf der anderen Talseite. Und dann kam dieser Virus in mich zum Bergsteigen. Ja, das prägt, jawohlja”"

An der Wand in Adolfs kleinem Arbeitszimmer hängen Seile, Karabiner und allerlei Kletterutensilien. In den Regalen stehen Ordner in Reih und Glied: Über jede seiner Touren führt der passionierte Bergsteiger genau Buch. Wetterdaten, Steckenverläufe, Schwierigkeitsgrade... – Sind die Berge für den ehemaligen Vorsitzenden des Kirchenvorstands und überzeugten reformierten Protestanten eigentlich in besonderer Weise eine Landschaft des Glaubens? – Immerhin zieren doch zahlreiche Kreuze ihre Gipfel!

"”Ein Gipfelkreuz, das hat so eine gewisse Magie: Man sieht es vielleicht schon lang, zwei, drei Stunden vorher, und das hat so eine gewisse Anziehungskraft: "Ah, das Kreuz da, da wollen wir hoch gehen!" – Wenn man oben ist, dass greif ich dieses Kreuz mit meiner Hand an, dann hat das für mich schon eine gewisse Bedeutung. Und ich habe so eine gewisse Marotte: Dann rühr ich das an, ganz kurz, eine Minute vielleicht, und danke vielleicht. Das ist ein Kreuz, dass mich wieder zurück auf die Bibel wirft.”"

Musik & Psalmlesung
Kommt herzu, lasst uns dem HERRN frohlocken und jauchzen dem Hort unsres Heils!
Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen!
Denn der HERR ist ein großer Gott und ein großer König über alle Götter.
Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde, und die Höhen der Berge sind auch sein.

(Psalm 95, 1-4)

Elisabeth Zürcher, Bergbäuerin: "”Wir steigen eigentlich selten auf einen Berg. Wir sind auf der Alp. Ich bin nicht die Person, die auf die Berge steigt, weil ich etwas Angst habe. Solang es Gras hat wo man sich halten kann, ist es kein Problem. Aber sobald der Fels kommt – das ist nicht mehr für mich.”"

Elisabeth Zürcher ist eben Bergbäuerin und nicht Bergsteigerin. Zusammen mit ihrem Mann Markus bewirtschaftet sie lieber saftige Alpwiesen als schroffe Wände zu bezwingen – und das ist auch ganz im Sinne ihrer Kühe.

Markus Zürcher, Bergbauer: "”Wenn wir im Frühling hochgehen ziehen wir ihnen ja die großen Glocken an. Und das wissen sie: Wenn die angezogen werden, dann geht es nach oben. Und dann rennen sie los, richtig ein Spurt! Und die wollen gehen, die muss man nicht jagen, die gehen von selber.”"

Markus Zürcher, Bergbauer: "”Bei uns ist jedes Tier fast ein Familienmitglied. Aber wir nutzen es auch, wir schlachten es auch, wir leben davon. Aber alles in Ehre, oder?! Solange es lebt, muss es ein gutes Leben haben. Respekt muss immer sein vor dem Tier. Ich habe immer auch Mühe, wenn man den Kühen die Hörner abbrennt, also schon als Kalb. Weil, das ist das Einzige, was sie noch haben, da muss der Mensch Respekt vor ihnen haben. Wenn eine Kuh Hörner hat, braucht sie die nicht, um den Menschen zu verletzen, aber der Mensch muss dann anders zum Tier, er muss vorsichtig sein. So muss er bewusster zum Tier gehen, als wenn sie keine hat.”"

Mich beeindruckt diese tiefe Verbundenheit zwischen Mensch und Natur, zwischen Bauer und Nutztier. Massentierhaltung? Auf der Alp undenkbar. Und auch für den Alpinisten Adolf Schmid ist der Respekt vor der Landschaft selbstverständlich.

"”Ich versuche mit meinen Bergen auszukommen, dass ich immer wieder gehen kann, dass ich sie nicht verletze. Wenn ich eben wieder auf einem Gipfel stehe, dann kann ich ganz gut mich hinsetzen und kann diese Welt in Demut verstehen. Demut ist sehr, sehr wichtig beim Bergsteigen, das ist so, jawohl. Nicht hochnäsig sein und nicht prahlerisch und so: "Ja, das ist so und so und so..." – In Stille nur, für mich oder vielleicht mit meinem Partner, in Stille dieses Geschehen erleben.”"

Markus Zürcher, Bergbauer: "”Die Schöpfung – da sag ich immer: Das ist phantastisch, wie das gemacht worden ist.”"

Markus Zürcher, Bergbauer: "”Vor allem die Konturen der Berge und die scharfen Felsen und vor allem auch die Natur, die wächst, unterhalb vom Gletscher. Die Blumen, die Bäume, die Tannen, was da fleucht und kreucht, auch Gemsen, Steinböcke, das gehört zum Berg, ja.
Aber ich sehe natürlich auch meine Kühe gerne stehen am Berg, das gibt schöne Bilder, wenn die Kühe in einer schönen Bergwiese fressen. Und mit den Kuhglocken – das ist fast wie Musik.""

Elisabeth Zürcher, Bergbäuerin: "”Zum Beispiel im Sommer, wenn es Vollmond ist, dann sieht man durchs Tal wie einen Silberfaden. Dann ist man so ergriffen von dieser Schönheit. Und das sieht man nur in den Bergen, da bin ich sicher, so etwas Schönes.”"

Adolf Schmid: "”Der Stein oder der Fels oder allgemein eigentlich die Natur oder die Wolken und das ganze Firmament – das ist vielleicht das, wo ich sehe: Ah ja, warum ist das hier oder warum dürfen wir hier leben, warum dürfen wir das genießen? Und dann kommt vielleicht die Dankbarkeit dazu: Ich bin dann dankbar, dass ich diesen Moment von 60, 70 oder 80 Jahren auf dieser Welt verbringen durfte.”"

Elisabeth Zürcher, Bergbäuerin: "”Auf den Bergen ist man ja meistens alleine, man wird nicht von X Sachen abgelenkt. Und da kommen die Gedanken schon besser zum Vorschein und man ist Gott dort näher als irgendwo wo alles Jubel-Trubel-Heiterkeit ist, dann ist man so abgelenkt und so weg. Und auf den Bergen ist man meistens alleine und da hat man die ungestörtere Leitung zu Gott.”"

Berge können Orte der Gottesbegegnung sein. Von ähnlichen Erfahrungen wie Bergbäuerin Elisabeth berichten auch alte Erzählungen aus der Bibel: Immer wieder steigen hier Menschen nach oben auf einen Berg, um Gott nahe zu sein. 2285 Meter etwa muss sich Mose empor wagen, um auf dem Sinai oder Horeb die 10 Gebote aus Gottes Hand zu empfangen. Und auch der Prophet Elia soll hier eine Epihanie, eine Gotteserscheinung erlebt haben. All diese Geschichten liest Melanie Pollmeier, die Bergpfarrerin mit Bonner Wurzeln, in ihrer neuen Heimat nun mit ganz anderen Augen.

Melanie Pollmeier, Bergpfarrerin: "”Wenn man durch die Berge läuft und diese Wächter, im wahrsten Sinne des Wortes, die da eben schon jahrtausendelang stehen, betrachtet, dann wird einem die Schöpfungskraft Gottes noch einmal in ganz anderer Weise vor Augen gestellt. Und die Leute sagen ja hier auch: Sie sind Gott in den Bergen näher als in der Kirche. Da ist es natürlich dann auch immer ein bisschen meine Aufgabe das Gegenteil zu predigen, denn ich möchte ja gerne, dass sie in den Gottesdienst kommen und in die Kirche. Also ich halte dann immer eher auch ein Plädoyer dafür, dass man doch auch den Weg in die Kirche findet, um in der Gemeinschaft mit anderen Gläubigen auch auf Gottessuche zu gehen und nicht nur in den Bergen.”"

Manchmal aber findet die Kirche auch den Weg in die Berge.

Melanie Pollmeier, Bergpfarrerin: "”An den drei August-Sonntagen feiern wir eben auf den verschiedenen Alpen anstelle in der Kirche. Also dann geh ich eben ins Ueschinental, ins Gasterntal und nachher noch auf die Alp Schlafeck, und dort feiere ich mit den Bauern die eben mit ihren Tieren jetzt gerade dann auf der Alp sich befinden. Und dann kommt natürlich auch in der Musik und in der Liturgie diese Traditionsverbundenheit mit dem Land und mit der Landschaft, also das Volkstümliche kommt ganz stark durch. In dem einen Gottesdienst singen die Jodler und in dem anderen spielt die Musikgesellschaft eben auch mal einen "rassigen Marsch", wie das hier heißt, oder eben Schwyzerörgeli-Duo, und es werden dann eben auch die Trachten getragen. Also das ist alles sehr volkstümlich dann.”"

Melanie Pollmeier, Bergpfarrerin. "”Ich hab einmal gepredigt über diesen Satz: "In der Natur ist man Gott näher als in der Kirche." Und hab dann eben so ein bisschen dass versucht zu relativieren, dass die Natur eben ja auch was Unbarmherziges hat.""

Ein plötzlicher Wetterumschwung – und die vermeintliche Bergidylle ist schnell dahin. Eine oft beängstigende, existentielle Erfahrung, mit der die Bergbauern Elisabeth und Markus Zürcher auf der Ueschinen Alp zu leben gelernt haben und die auch Alpinist Adolf Schmid aus Kandergrund kennt.

Markus Zürcher, Bergbauer: "”Man ist halt sehr nahe an der Natur, man spürt dann natürlich auch die schweren Gewitter oder Fönstürm oder so, das ist natürlich hautnah, oder!? Blitz haben wir schon ganz nah erlebt, zwei Meter neben dem Haus. Und noch zwei Ziegen dazu, die waren gerade tot.”"

Elisabeth Zürcher, Bergbäuerin: "”Es kommt ein Gewitter, wir sind alle im Bett, zwei kleine Kinder, eine Hütte, und dann kommt das Gewitter und man ist so alleine, keine Nachbarn, niemand ist da. Dann ist der Glaube schon wichtig, dass man Gott um Hilfe oder um Bewahrung anruft. Und das haben wir ja erfahren, also es hätte auch in die Hütte schlagen können, weil die Ziegen, die toten Ziegen waren direkt neben der Hütte.”"

Adolf Schmid: "”Ich hatte kürzlich ein Erlebnis, da kam ich in ein Schneebrett, in eine Lawine. Und ich hatte unheimliches Glück – und dann kamen diese Momente. Ich war noch nicht ganz draußen, mein Kollege hat geschaufelt und hat mich schnell wieder geborgen, und beim Austritt aus dieser Lawine kam zuerst das Glücksgefühl: "Boah, nichts gemacht, ich bin stark!" – Und dann kam wieder der Gedanke: Ja, da war vielleicht noch jemand anderes, der dort geschaut hat, dass der Schmid Adolf jetzt nicht viel mehr unter der Decke liegt.”"

Musik & Psalmlesung
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.
Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.
Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.
Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand,
dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.
Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.
Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.

(Psalm 121)

Die Glaubenslandschaft der Berge hat die Menschen schon immer tief beeindruckt und geprägt. Das gilt für die, die von kleinauf in den Bergen leben genauso wie für Besucher. Ich verlasse Kandersteg und die Gipfel des Berner Oberlandes mit vielen neuen Eindrücken und Gedanken. Und ich werde wiederkommen und Melanie mit ihrer Familie besuchen. Vielleicht wandere ich dann zu Elisabeth und Markus und ihren Kühen auf die Ueschinen-Alp oder wage mal eine kleine Tour mit Bergführer Adolf. Vor allem aber möchte ich weiter dem nachspüren, was auch die Bergpfarrerin nur schwer in Worte fassen kann.

Melanie Pollmeier, Bergpfarrerin: "”Die Berge sagen mir eigentlich, dass es hinter dem Sichtbaren der Welt noch etwas viel Größeres gibt, was mir unerschlossen bleibt, weil ich die Berge nicht bezwingen kann. Die Berge sind etwas, was da ist, was viel, viel größer ist als ich, was sehr viele Geheimnisse und unerwartete Ereignisse birgt, worauf ich mich einfach einlassen muss, wenn ich in die Berge gehe.”"

Musik dieser Sendung:

Eliana Burki, auf CD: Heartbeat – Funky Swiss Alphorn; 2008 Suonix.
Titel: Angel´s Kiss, Heartbeat, Matterhorn, Lueged Vo Bärg Und Tal

Jodlerklub Frutigen, auf CD: Der Berner Naturjutz; 1997 Tell Music.
Titel: Elsigbärg Jutz

Jodelclub Kiental, auf CD: Swiss Folk Music – Schweizer Volksmusik: Jodel Hits; Eigenverlag.
Titel: Griesalp Jutz


Die redaktionelle und inhaltliche Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Pfarrer Frank Michael Theuer, Senderbeauftragter für Deutschlandradio und Deutsche Welle für den Medienbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland.