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Lesart / Archiv | Beitrag vom 06.06.2015

Sachbuch "Wege ohne Heimkehr"Verdrängte Geschichte der osmanischen Armenier

Von Katharina Döbler

Eine Gruppe armenischer Flüchtlinge aus dem osmanischen Reich sitzt im Jahr 1915 in Syrien auf dem Boden. (picture-alliance / dpa / Library of congress)
Eine Gruppe armenischer Flüchtlinge aus dem Osmanischen Reich im Jahr 1915 in Syrien (picture-alliance / dpa / Library of congress)

Historische Dokumente und eine Vielzahl an literarischen Texten hat Corry Guttstadt in "Wege ohne Heimkehr" veröffentlicht, um die Kultur der osmanischen Armenier erlebbar zu machen. Armenische Autoren schildern darin unermessliches Leid, aber auch ganz normales Leben.

"Der Weg ohne Heimkehr" – so nannte der deutsche Sanitätsoffizier Armin T. Wegner das Buch mit seinen Aufzeichnungen aus dem Jahr 1916. Die deutschen Truppen zogen sich damals aus dem Osten des Osmanischen Reiches zurück – und wurden Zeugen, wie die vertriebenen Armenier auf ihren endlosen Märschen in die syrische Wüste verhungerten, verdursteten und von eigens angeheuerten Banden getötet wurden. Wegner dokumentierte die Zustände in den syrischen Konzentrationslagern, in denen die Überlebenden vegetierten und starben, zeichnete ihre Geschichten auf, fotografierte.

Zeugnisse armenischer Autoren

Ein kleiner Ausschnitt dieser Dokumente findet sich in dem von Corry Guttstadt zum 100. Jahrestag des Völkermords zusammengestellten Band – neben vielen anderen Zeugnissen vor allem armenischer Autoren. Es sind zum großen Teil literarische Texte: Auszüge aus Romanen, Autobiografien und Familiengeschichten.

Cover Corry Guttstadt (Hg.): Wege ohne Heimkehr (Assoziation A)Cover Corry Guttstadt (Hg.): Wege ohne Heimkehr (Assoziation A)Verfasst wurden sie zu verschiedenen Zeiten in allen möglichen Ländern und Sprachen, von Journalisten, Erzählern, von Überlebenden und deren Kindern oder Enkeln. Einige wenige entstanden lange vor der Katastrophe und schildern das ganz normale Leben der Armenier in ihren Dörfern oder in Konstantinopel. Wie multiethnisch und multireligiös diese Stadt vor den Säuberungen durch die türkischen Nationalisten war sieht man auch einigen der über 30 historischen Abbildungen:  Ein Ladenschild preist Möbel in vier verschiedenen Schriften an: arabisch, lateinisch, armenisch, griechisch.

Viel zu entdecken

Es gibt vieles zu entdecken in diesem Buch, das nicht nur die Verbrechen gegen die Menschlichkeit historisch dokumentiert, sondern auch Neugier wecken will auf die verdrängte und vergessene Geschichte und Kultur der osmanischen Armenier.

Die Herausgeberin hat dabei sehr viele unterschiedliche Aspekte dieses hochkomplexen Themas in Kürze angerissen. Aber für mündige Leser ist das eher eine Anregung, dem geweckten Interesse zu folgen und in den zitierten Büchern weiter zu lesen – und viele vergessene oder hierzulande bislang unbekannte Autoren zu entdecken. 

Corry Guttstadt (Hrsg.): Wege ohne Heimkehr. Die Armenier, der Erste Weltkrieg und die Folgen
Assoziation A, Berlin 2015
204 Seiten, 18,90 Euro

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