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Vor 100 JahrenDas Ende von Deutsch-Samoa
Blick auf Apia - Samoa, 2014

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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 21.12.2011

Russlands größte katholische Kirche

Vor 100 Jahren wurde In Moskau die Marien-Kathedrale eingeweiht

Von Peter Hertel

Die Kathedrale der Unbefleckten Empfängnis der Heiligen Jungfrau Maria in Moskau
Die Kathedrale der Unbefleckten Empfängnis der Heiligen Jungfrau Maria in Moskau (picture alliance / dpa / Tass Mashkov Yuri)

Um 1890 war die polnische katholische Gemeinde in Moskau stark angewachsen. Deshalb beschloss der polnische Gemeinderat, die Kirche der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria zu errichten. Seit der Weihe 1911 ist sie die größte katholische Kirche in Russland.

"Diese Kathedrale ist ein wunderschöner Bau. 1911 ist sie gebaut worden auf Befehl des Zaren, auf Befehl des Kaisers, weil es eben selbstverständlich war, dass der Zar für die Religiosität seiner Leute, seiner Bürger, verantwortlich ist."

Wunderschön ist die katholische Kathedrale der Unbefleckten Empfängnis der Heiligen Jungfrau Maria in Moskau nicht nur für Prälat Klaus Wyrwoll, einen ausgewiesenen Experten für das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und russisch-orthodoxer Kirche. Schon zur Weihe am 21. Dezember 1911 rühmte die Moskauer Zeitung "Russkoje Slowo" das Gotteshaus:

"In der schmutzigen, armseligen, von Gott und der Stadt vergessenen Malaja-Grusinskaja-Straße erhebt sich das höchst kunstvolle Massiv der neuen Kirche. Riesig in ihren Ausmaßen, mit vielen spitzen Türmen und Türmchen mit Kreuzen, ist sie tief beeindruckend. Farbige Fenster, stilvolle Türen - jedes künstlerische Detail wirkt bedeutend. Auch das Kirchen-Innere macht einen grandiosen Eindruck. 5000 Betende finden Platz."

Gebaut wurde die Kirche für die katholische polnische Gemeinde in Moskau, die um 1900 auf 30.000 Mitglieder angewachsen war. Die Kosten, die auf – umgerechnet – gut fünf Millionen Euro veranschlagt waren, wurden von der Gemeinde, von russischen Katholiken und durch ausländische Spender erbracht. Russisch-orthodoxe Christen sahen in der großartigen Basilika auch eine katholische Demonstration in Russland, dem Hort der Orthodoxie. Womöglich deshalb hatte der Moskauer Generalgouverneur der Gemeinde eine Auflage erteilt:

"Das Bauwerk ist weit vom Stadtzentrum entfernt zu errichten – weit weg von den verehrten Heiligtümern der russisch-orthodoxen Kirche."

So lag die neugotische 65 Meter lange Basilika am Stadtrand, umgeben von Feldern und Gemüsegärten, ein prachtvolles, dreischiffiges Kunstwerk aus roten Ziegeln. Die Fassade glich der Westminster Abbey in London, der Hauptturm erinnerte an den Mailänder Dom.

Doch 1929 kam das Ende. Im Auftrag Stalins verbot die kommunistische Regierung, Messen in der Kirche zu feiern. 1938 wurde das Gotteshaus gar geschlossen, geplündert, es diente als Gemüselager und wurde zu einem Wohnheim umgebaut. In den 70er-Jahren verfiel das Gebäude.
Aber dann folgte die sowjetische Wende. Schon 1990 bemühten sich Moskauer Katholiken um die Wiederherstellung der Kirche. Zunächst schuf Papst Johannes Paul II. einen eigenen Kirchensprengel, ein Bistum. Das brachte ihm Ärger mit der russisch-orthodoxen Kirche, weiß jedenfalls Klaus Wyrwoll, der im Vatikan in der Kontaktstelle zu den christlichen Kirchen tätig war und dort heute als Berater fungiert:

"Dass eben dieses Bistum vom Papst errichtet wurde, ist eine Neuheit zum ersten Mal in der tausendjährigen Geschichte Russlands, dass nicht der Zar, nicht der Staat, sondern der Papst ein katholisches Bistum errichtet. Das hat zu bestimmten Spannungen geführt, die auch heute noch, glaube ich, aufgearbeitet werden müssen."

Das russisch-orthodoxe Patriarchat sah in der römisch-katholischen Maßnahme eine massive Störung der zwischenkirchlichen Beziehungen. So konnte die Basilika erst 1999 feierlich wiedereröffnet werden. Heute ist sie die Kathedrale des neuen Erzbistums. Längst liegt sie mitten in Moskau, umringt von Hochhäusern. Gottesdienste werden in vielen Sprachen gefeiert.

Öffentliche Hauptattraktion der Bischofskathedrale ist die Orgel aus dem Basler Münster, die von den evangelisch-refomierten Christen der Stadt Basel den Moskauer Katholiken geschenkt wurde. Ein einzigartiges Instrument mit 74 Registern, vier Manualen, über 5000 Pfeifen und neu intoniert von einem Orgelbauer aus Kaufbeuren. Immer wieder ist es Mittelpunkt herausragender Konzerte.

"Dadurch kommen interessierte Menschen auch aus den orthodoxen Kirchen und auch aus denen, die überhaupt nicht zu einer Kirche gehören. So ist die Kathedrale des heutigen katholischen Bistums auch ein Ort des Dialoges in einer ganz neuen und hoffentlich sehr fruchtbaren Weise."