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Rosetti-Festtage im Ries

Abschlusskonzert auf Schloss Baldern

Saal auf Schloss Baldern
Saal auf Schloss Baldern (Rosetti-Festtage im Ries)

Auch in diesem Jahr erwartete die Gäste der seit 2000 veranstalteten Rosetti-Festtage im Ries ein abwechslungsreiches Programm mit renommierten Künstlern und viel neuer alter Musik rund um Rosetti im stimmungsvollen Ambiente historischer Räumlichkeiten. Wir bringen das Abschlusskonzert vom 10. Juni aus dem Festsaal auf Schloss Baldern.

Nach Stationen in Kassel, Göttingen, Frankfurt/Main, Altona und Dessau fungierte Louis Massonneau seit 1803 als Konzert- und Kapellmeiser des Herzogs von Mecklenburg-Schwerin in Ludwigslust. Sein relativ überschaubares Œuvre ist heute weitestgehend vergessen, unverdientermaßen, möchte man hinzufügen, überzeugen doch seine Werke durch eine ebenso eingängige wie phantasievolle Melodik und formales Können.

Der 1750 im nordböhmischen Leitmeritz geborene Antonio Rosetti, der nach 16 Jahren im Dienst des Fürsten Kraft Ernst zu Oettingen-Wallerstein (1773-1789) in seinen letzten Lebensjahren ebenfalls als Kapellmeister am Ludwigsluster Hof wirkte, avancierte im Lauf seiner Karriere zu einem der gefragtesten Komponisten seiner Zeit, dessen Werke – anders als heute – auch die Programme der großen Konzerthäuser in Paris, Wien, Berlin und London bereicherten und bei namhaften Verlagen im Druck erschienen. Von seinen ursprünglich fünf Klarinettenkonzerten sind nur zwei erhalten geblieben. Beide Konzerte entstanden im Zusammenhang mit dem mehrmonatigen Parisaufenthalt Rosettis (1781/82).

In der Orchestereinleitung des energiegeladenen Kopfsatzes kombiniert Rosetti das an das barocke Concerto erinnernde Prinzip der Motivreihung mit Elementen der Sonatensatzform. Im Folgenden erhält das Soloinstrument eingebettet in einen farbenreich instrumentierten Orchestersatz und in stetem Dialog mit ihm Gelegenheit, die ganze Bandbreite virtuosen Musizieren zu durchmessen. Der ganz auf intime Zwiesprache zwischen Solist und Orchester abgestellte langsame Satz ist eine melancholische Romance ganz nach Pariser Vorbild. Ein ebenso temperament- wie humorvolles Rondeau mit übermütiger Melodik und unüberhörbaren La chasse-Anklängen steht an dritter Stelle.

Die Symphonie concertante – ein Konzert für zwei oder mehr Soloinstrumente und Orchester – erfreute sich im ausgehenden 18. Jahrhundert beim Pariser Publikum größter Beliebtheit. Es ist daher kein Wunder, dass sich Rosetti während seines Parisaufenthalts auch dieser Gattung zuwandte. In den Solostimmen wechseln thematisch gebundene Abschnitte mit virtuosem Spielwerk, solistische Passagen mit kunstvollem Dialog und einträchtigem Musizieren. Für den zweiten Satz wählt Rosetti wie im Klarinettenkonzert die damals beliebte Form des Rondo à la chasse im beschwingten 6/8-Takt. Die solistisch geführten Oboen und Hörner im Mittelteil des Orchesterritornells reflektieren eine Jagdhorn-Idylle.

Im Januar 1788 schrieb Rosettis Dienstherr Fürst Kraft Ernst zu Oettingen-Wallerstein an seinen Wiener Agenten von Müller: "da bekanntlich Jos. Hayden der gröste Synfonist ist und ich für seine Musick ganz eingenommen bin, so wünschte ich 3 neue Synfonien von ihm zu erhalten, die aber außer mir Niemand besitzen solle." Es sollten beinahe zwei Jahre vergehen, ehe er im Oktober 1789 seinen Verpflichtungen nachkam. Fürst Kraft Ernst bedankte sich bei Haydn mit einer goldenen Tabaksdose, 50 Dukaten und einer Einladung nach Wallerstein, der Haydn im Dezember 1790 auf seinem Weg nach London auch Folge leistete.

Als guter Geschäftsmann, der er bekanntermaßen war, verwertete Haydn die drei Sinfonien entgegen Kraft Ernsts ausdrücklichem Wunsch aber stillschweigend gleich mehrfach. Die zurückgehaltenen Partiturautographen sandte er nämlich an eine wesentlich lukrativere Adresse, als es der kleine Rieser Fürstenhof war: das Concert de la Loge Olympique in Paris, wo die Sinfonien dann auch im Druck erschienen. Die 1788/89 entstandene G-Dur-Sinfonie, Hob. I:92, ist häufig im Konzertsaal zu hören - in der heutigen Aufführung in ihrer originalen Gestalt. Ihren Beinamen "Oxford" verdankt sie dem Umstand, dass Haydn sie für eine Aufführung an der dortigen Universität auswählte, die ihn 1791 zum "Doctor of Music" promovierte.
(nach Günther Grünsteudel, Universitätsbibliothek Augsburg)
www.rosetti.de



Rosetti-Festtage im Ries
Abschlusskonzert
Schloss Baldern, Festsaal
Aufzeichnung vom 10.6.12


Louis Massonneau
Sinfonie D-Dur op. 3/2

Antonio Rosetti
Klarinettenkonzert Es-Dur

Antonio Rosetti
Sinfonia concertante D-Dur

Joseph Haydn
Sinfonie G-Dur Hob. I:92 ("Oxford")


Sebastian Manz, Klarinette
Yasushi Ideue, Violine
Monika Grabowska, Violine
Bayerisches Kammerorchester
Leitung: Johannes Moesus

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