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Konzert / Archiv | Beitrag vom 18.02.2017

Robert Schumanns Faust-SzenenMephisto als Prinzip

Aufzeichnung aus Stockholm

Christian Gerhaber in einem Studio von Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio / Matthias Horn)
Christian Gerhaher singt in Stockholm die Hauptrolle des Doktor Faust in Schumanns Szenen (Hier im Studio von Deutschlandradio Kultur) (Deutschlandradio / Matthias Horn)

Ein hervorragendes Sängerensemble und ein hochmotiviertes Orchester, nicht zu vergessen zwei tolle Chöre - in Stockholm brachte Daniel Harding Robert Schumanns "Szenen aus Goethes Faust" zur Aufführung.

"Wozu Musik zu solch vollendeter Poesie?" - das fragte sich Robert Schumann und konnte dann doch nicht anders, als Goethes Faust in Musik zu setzen.

Eigentlich wollten wir an dieser Stelle Erich Wolfgang Korngolds Oper "Die Tote Stadt" in der Produktion der Wiener Staatsoper ausstrahlen. Weil aber der Solist abgesagt hat, mussten die Kollegen vom ORF Wien ihr Angebot zurückziehen.

Der Fauststoff an sich ist eine ewig währende Herausforderung für Komponisten quer durch die Jahrhunderte, bis in unsere Tage – besonders schwierig ist die Goethesche Dramatisierung in Töne zu fassen. Robert Schumann hat sich als einer der ersten an Goethes Faust versucht, nach landläufiger Meinung ist er gescheitert. Seine "Szenen aus Goethes Faust" führen bis heute ein Schattendasein im Konzertsaal. Vielleicht ist es aber auch so, dass er in seiner Auseinandersetzung mit der deutschen Tragödie so gar nicht Schiffbruch erlitten hat, sondern dass man das Werk bisher einfach nur nicht recht verstehen konnte?

Für Nikolaus Harnoncourt gehörten Schumanns Faust-Szenen zum "Größten, das es in der Musik gibt". Er hat sich immer für das Werk eingesetzt. Und auch für den britischen Dirigenten Daniel Harding, den Chef des Sinfonieorchesters des Schwedischen Rundfunks, sind die Qualitäten des Werks unbestritten. Harding zählt die Faust-Szenen sogar zu seinen Lieblingswerken. Der Abend, den wir im Rahmen der Europäischen Rundfunkunion EBU senden können, lädt zur unvoreingenommenen Begegnung ein.

Robert Schumann hat seine Faust-Szenen zunächst als Oratorium konzipiert, doch es sind dabei Einzelszenen entstanden, die man ebenso unabhängig voneinander aufführen kann. Die Anlage ist mehrteilig – der Erfolg des gerade fertiggestellten Teils beflügelte den Komponisten jeweils zur Fortsetzung. Schumann hat die durch Goethe in den Stoff eingefügte Liebesgeschichte zwischen Faust und Gretchen zum Zentrum des Werkes gemacht. Für den Komponisten war dieser Faust ein fehlbarer Mensch, der kraft Liebe und Gnade in der Lage ist, seine Sünden zu tilgen. Mephisto wird bei Schumann zum dramaturgisch notwendigen Prinzip degradiert, zum obligatorischen Maß des Bösen – auch deshalb können die Faust-Szenen jeden Menschen berühren.

"Man kann in diesem Faust-Bild schwelgen", schwärmt Christian Gerhaher, der den Faust schon in sehr vielen Aufführungen gesungen und damit dem Werk Schumanns insgesamt zu neuer Anerkennung verholfen hat. "Es geht um Liebe, es geht um sinnliche Erkenntnis, es geht um die höchste Schönheit, es geht um Politik und Macht, sogar um Landgewinn. Kurz: den ganzen Horizont menschlicher Gier und Neugier muss Faust abschreiten."

PROGRAMMÄNDERUNG!

Berwaldhallen Stockholm
Aufzeichnung vom 10. Februar 2017

Robert Schumann
Szenen aus Goethes "Faust", WoO 3 für Soli, Chor, Knabenchor und Orchester

Katja Stuber, Sopran
Christiane Karg, Sopran
Wiebke Lehmkuhl, Mezzosopran
Andrew Staples, Tenor
Christian Gerhaher, Bariton
Franz-Josef Selig, Bass
Schwedischer Rundfunkchor
Adolf Fredriks Knabenchor
Sinfonieorchester des Schwedischen Rundfunks
Leitung: Daniel Harding

Konzert

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