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Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 10.01.2016

Rituale im Sport Mit tanzen und beten zum Sieg

Von Wolf-Sören Treusch

Das Rugby-Team aus Neuseeland performt seinen "Haka", einen traditioneller Maori-Tanz, den es vor jedem Spiel aufführt (dpa / picture alliance / Riccardo De Luca)
Das Rugby-Team aus Neuseeland performt seinen "Haka", einen traditioneller Maori-Tanz, den es vor jedem Spiel aufführt (dpa / picture alliance / Riccardo De Luca)

Viel Training reicht eben nicht: So mancher Sportler tut einiges, um die Götter gnädig zu stimmen. Das neuseeländische Rugbyteam tanzt vor jedem Spiel seinen "Haka", manch andere versuchen auch schon mal, mit beten und Weihwasser zum Sieg zu kommen.

Besonders spektakulär ist der rituelle Tanz, den die neuseeländische Rugby-Nationalmannschaft vor jedem Länderspiel aufführt: der Haka. Fünfzehn Muskelbepackte Männer in schwarz trommeln auf ihre Oberschenkel und brüllen im Chor.

Seit 1884 pflegen die "All Blacks" dieses Ritual. Mit Erfolg: Gerade verteidigten sie ihren WM-Titel.

Gegenseitiges Abklatschen, vor jedem Spiel einen Kreis bilden: Gerade im Mannschaftssport werden Rituale gepflegt. Das weiß auch Niels Giffey, Basketballstar von Alba Berlin. Vier Jahre spielte er in der College-League in den USA. Vor jedem Spiel wurde gemeinsam gebetet.

"Das 'Vater Unser' aufgesagt, und, ich glaube, in meinem ersten und zweiten Jahr gab es sogar noch Weihwasser auf die Stirn. Auch wenn so ne Sachen vielleicht völliger Quatsch sind für dich, weil du Muslim bist, trotzdem mit den Jungs betest, es schweißt halt irgendwie zusammen, du hast eine Basis, die euch ausmacht, egal was es ist."

Rituale geben Sicherheit. Das ist gerade für den Einzelsportler wichtig. Zum Beispiel beim Freiwurf im Basketball.

"Ja, da hatte ich ein Ritual: Zum Beispiel zwei Mal dribbeln, ein Mal tief durchatmen, noch mal zwei Mal dribbeln, und dann werfen. Um einfach den Puls runterzukriegen, dann schon..."

Rituale sollen einen besonderen mentalen Zustand herbeiführen

Aber ansonsten hielt Ex-Nationalspieler Sven Schultze wenig von Ritualen. Er ist überzeugt: Erfolg oder Misserfolg im Sport könne man daran nicht bemessen?

"Ich glaube nicht, und das sollte man auch nicht tun. Nee."

Dennoch helfen Rituale den Sportlern, sich und ihren Körper in einen besonderen mentalen Zustand zu versetzen. Beispiel Alex King, Mannschaftsführer von Alba Berlin. Er ist immer als Erster in der Halle. Allein.

"Ja, ich gehe halt immer zwei Stunden vorher in die Halle, um zu werfen, dann werfe ich halt meine 80 Treffer, die ich habe: von der Dreipunktlinie und von der Mitteldistanz, dann gehe ich in die Kabine, dann stretche ich mich noch ein bisschen, dann tapen, und dann geht es schon zum Spiel."

Immer der gleiche Ablauf: das gibt Sicherheit. Schwierig kann es werden, wenn Alex King die Halle vorher nicht für sich allein hat. Wie bei so manchem Auswärtsspiel.

"Dann habe ich ein sehr unwohles Gefühl, dann habe ich das Gefühl, dass ich nicht so vorbereitet bin aufs Spiel, wie ich es haben möchte, und dann hoffe ich nur, dass ich ein gutes Spiel mache. Wenn nicht, dann weiß ich warum. Dann denke ich halt, dass es daran liegt."

Natürlich gibt es auch bizarre Rituale. Arsenal London begann einmal die zweite Halbzeit eines Achtelfinalspiels in der Fußball Champions League mit nur neun Spielern. Der Grund: einer wurde in der Kabine noch behandelt, und der elfte – Kolo Touré, Nationalspieler der Elfenbeinküste – pflegte das Ritual, immer als letzter das Spielfeld zu betreten. Davon wich er auch in dieser Situation nicht ab. Fußballer tun eben alles, um ihre Götter gnädig zu stimmen. Das fängt schon bei den Kleinsten an.

Interview mit dem Sportpsychologen Lothar Linz: Welchen Sinn haben feste Rituale im Sport?

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