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Fazit / Archiv | Beitrag vom 01.03.2011

"Revolverhelden sind wie eine verschwindende Spezies"

Gore Verbinski über seinen Film "Rango"

Von Jörg Taszman

Ein besonderer Animationsfilm kommt am Donnerstag in die Kinos. Gedreht hat ihn ein Spielfilmregisseur, der sich mit "Fluch der Karibik" einen Namen machte: Gore Verbinski. "Rango" heißt der neue Westernheld.

"Hey du Früchtchen. Dein Zuhause ist auch nicht gerade um die Ecke ? Wer bist du eigentlich ? − Wer bin ich ? Ich kann alles sein! − Hast du Kummer? Vermisst du Mamas Melonen? − Damit kannst du sogar Recht haben. So wie du die Spiegeleier von deinem alten Herrn! − Wo direkt kommst du her ? − Ich ? Ich stamme aus dem Westen… aus dem fernen Westen."

Der angebliche Westernheld Rango ist ein Chamäleon, das es in den wilden Westen verschlagen hat. Zunächst noch ängstlich, dann aber sehr großspurig beeindruckt Rango die Einwohner eines kleinen Kaffs mit seinen angeblichen Abenteuern. Er wird vom örtlichen Bürgermeister zum Sheriff befördert. Im Ort herrscht großer Wassermangel und dann werden die wenigen restlichen Wassertanks auch noch geklaut. Und so entsteht mit frechen Anleihen bei "Chinatown" und diversen Sergio-Leone-Spaghetti-Western ein höchst amüsantes Leinwandspektakel, das sich Gore Verbinski, der Regisseur von "Mäusejagd" und "The Mexican", ausgedacht hat:

"Sergio Leone hat mich sehr beeinflusst. Als ich seine Filme das erste Mal sah und eigentlich noch nicht alt genug war, um sie sehen zu dürfen, hatte ich das Gefühl, in eine verbotene Welt einzutauchen. Seine Figuren sind so komplex, die Musik ist so wunderbar, dass man summend aus dem Kino kommt. Leone ist dadurch definitiv in meiner DNA. Diese Filme sind ja auch postmoderne Western. In "Spiel mir das Lied vom Tod" kommt ja die Eisenbahn in den Westen, und so stirbt auch der Mythos um die Revolverhelden. Sie sind wie eine verschwindende Spezies. Wir erzählen in 'Rango' die Geschichte eines Helden, und so ist der Film auch oft ein Film im Film."

Dem Regisseur und Schöpfer von 'Rango' ist es gelungen, einen äußerst originellen Animationswestern geschaffen zu haben, der sehr viel düsterer, dreckiger und böser ist als normale Familienunterhaltung im Animationsbereich. Wie in den besten Pixar-Filmen "Wall-E" oder "Oben" vermag es "Rango", mehrere Generationen intelligent und witzig zu unterhalten. Warum aber wollte Gore Verbinski nun plötzlich einen Animationsfilm drehen?

"Ich bin ein so großer Liebhaber von dem Verfahren der Animation. Es ist ebenso ein Genre wie auch eine Arbeitstechnik, um eine Geschichte zu erzählen. Auch in 'Fluch der Karibik' gab es viele Animationssequenzen, aber umrahmt von einem klassischen Spielfilm mit Schauspielern. Hier habe ich erstmals alles animiert. Ich fand, es war die richtige Zeit dafür und es gibt jetzt einen Fotorealismus, der einem sehr viel mehr ermöglicht ... Zur Zeit gibt es eine Form von Zusammenspiel zwischen Animations- und normalem Spielfilm, viele sogenannte Crossover-Filme. So kann man einfach sehr schön eine Geschichte erzählen."

Durch die besondere Technik "Emotion Capture", wie er es leicht ironisch nennt, betrat Gore Verbinski für einen Animationsfilm auch Neuland. So drehten die amerikanischen Sprecher um Johnny Depp als Rango drei Wochen lang am Set chronologisch vor improvisierten Sets, wie auf einer Theaterbühne. Sie mussten ihre Rollen auswendig können. Das kommt der vorzüglichen Originalfassung sehr zu Gute, die im Deutschen in den Hauptrollen ein wenig zu kindisch und albern synchronisiert wurde. Das betrifft jedoch nicht die Arbeit von Michael Kessler, der in der deutschen Fassung den Bösewicht sprechen darf, eine Angst einflößende Klapperschlange:

"Ich habe eine klare Vorlage gehabt. Bill Nighy spricht die Figur im Original. Ich habe das erste Mal synchronisiert. Das war sehr aufregend. Es war eine große Herausforderung und Bill Nighy hängt die Latte sehr hoch bei der Klapperschlange. Ich habe mich bemüht, dem nachzueifern. Ich habe so manchmal meine Probleme mit Synchron. Ich gucke eigentlich lieber die Originalfassung und es war aber völlig klar, dass ich hier eine Supervorlage habe, der ich nacheifern möchte, ohne meinen eigenen Stempel da aufzudrücken. Darum ging es überhaupt nicht und es war spannend."

Die deutschen Sprecher hatten nicht das Glück, wie die amerikanischen Kollegen zusammen spielen zu dürfen, aber eigentlich ist "Rango" so unterhaltsam und originell, dass man ihn sich auch mehr als einmal anschauen kann. Warum nicht, soweit man das Glück hat, in einer Großstadt zu wohnen, mit den Kindern in die Synchronfassung gehen und dann später einmal auch die amerikanische Originalfassung genießen?

Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

"Rango"
"Fluch der Karibik 2" und "Hwal- Der Bogen"

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