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Rettet die Banane

Wegen Schädlingen sollen einige Sorten bedroht sein

Von Udo Pollmer

Alles Banane? Die Frucht wird es bald nicht mehr geben, meinen Experten
Alles Banane? Die Frucht wird es bald nicht mehr geben, meinen Experten (picture alliance / dpa / David Ebener)

Die Banane ist bedroht – das zumindest behaupten Pflanzenschützer in aller Welt. Und sie rufen nach der Gentechnik als Retter in der Not. Ohne sie gäbe es bald keine Bananen mehr, warnt der Industrieverband Agrar. Udo Pollmer hat bei den Kassandrarufen mal auf die Zwischentöne geachtet.

Der Banane droht das Aus – das beteuern zumindest die Pflanzenzüchter. Denn die Staude sei von neuen Pflanzenkrankheiten bedroht, die sich global ausbreiten und nur noch mit steigenden Mengen an Pestiziden bekämpft werden können – sofern die Mittel überhaupt noch wirken. Der Grund für die bedrohliche Situation ist die Tatsache, dass alle Bananen, die wir essen - im Jahr etwa 100 Milliarden Stück -, genetisch absolut identisch sind. Dadurch haben Schädlinge und Krankheiten leichtes Spiel.

Die genetische Einheitlichkeit hat einen simplen Grund: Bananen enthalten keine Kerne, und damit auch keine Samen. Man kann sie nicht kreuzen, um neue Sorten zu züchten. Alle Bananen, die wir essen, sind Klone. Klone einer einzigen Bananenstaude namens Cavendish. Bevor die Cavendish kultiviert wurde, aßen wir die Varietät Gros Michel. Sie beherrschte von 1870 bis zum Ende des 2. Weltkriegs den Bananenmarkt. Dann wurde sie von der Panamakrankheit überrollt. Da kam die resistente Cavendish gerade recht, auch wenn sie geschmacklich nicht an die Gros Michel heranreichte.

Doch die Situation ist für Länder, in denen die Banane wichtiger ist als für uns das tägliche Brot, ziemlich bedrohlich. In Uganda beispielsweise soll der Pro-Kopf-Konsum bei 250 Kilo Bananen im Jahr liegen. Auch bei den Kochbananen sind die Erträge eingebrochen, ebenfalls ein Grundnahrungsmittel. Während bei Kochbananen hin und wieder Samen anzutreffen sind, die eine konventionelle Züchtung widerstandsfähigerer Sorten prinzipiell möglich machen, ist dies bei unseren völlig sterilen Dessertbananen so gut wie ausgeschlossen. Der einzige Klon, der als Nachfolger bisher in Frage kommt, die "Goldfinger", schmeckt leider nach Apfel.

Natürlich gibt es viele Bananensorten, aber die mit Kernen essen die Menschen in den Industrieländern nicht, andere Sorten sind viel zu klein, wieder andere haben eine zu dünne Schale, was sie für den Transport ungeeignet macht, oder sie schmecken eigenwillig. Um die Cavendish zu retten, haben einige Forschungseinrichtungen versucht, die Banane per Mutationszüchtung mit neuen Genen auszustatten – so ganz ohne Gentechnik. Gerade Österreich hat sich hier verdient gemacht. In seinem Atomreaktor bei Wien wurden über viele Jahre neue Gene in Bananen erzeugt. Böse Zungen behaupten, damit habe sich der Alpenstaat den Ehrentitel "Bananenrepublik" redlich verdient.

Die wirtschaftlichste aber auch sicherste Methode, die Cavendish zu retten, bleibt die Gentechnik. Daran besteht in der Fachwelt kein Zweifel. Vorsorglich haben die Forscher der Cavendish Gene aus dem Reis spendiert. Die Reisgene ermöglichen der Banane die Bildung von Chitinasen. Das sind Enzyme, die die Zellwände von Pilzen auflösen, speziell die des gefürchteten Black-Sigatoka-Pilzes. Andere Cavendish-Klone enthalten mittlerweile Gene aus der Paprika. Sie wirken gegen das Bakterium Xanthomonas campestris, das ebenfalls zahllose Bananenpflanzungen vernichtet hat.

In Ländern, die von der Banane abhängig sind, sind die Menschen heilfroh, wenn sie resistente Sorten erhalten. Hunger mündet oft in Krieg. Ob das allerdings auch die deutschen Verbraucher umstimmen wird, ist fraglich. Ihre Ängste vor "fremden Genen" sitzen dafür viel zu tief. Dazu kommt das unbedachte Treiben der Lebensmittelindustrie. Ihre Marketingabteilungen werden nicht müde, uns mit einer heilen Werbewelt, mit einer paradiesischen "Natürlichkeit" zu umspinnen. Die wohl gereifte, gold-gelbe Banane im Regal oder auf Werbeprospekten täuscht dann auch oft über die Probleme hinweg, die in den Ländern existieren, in denen die Banane angebaut und geerntet wird. Mahlzeit!


Literatur-Tipps:

Industrieverband Agrar: Bedrohte Bananen - Rettung durch Gentechnik? Pressemeldung vom 24. April 2012

Ploetz RC: Panama disease: An old nemesis rears ist ugly head. Part 1. Plant Health Progress December 2005

Ploetz RC: Panama disease: An old nemesis rears ist ugly head. Part 2. APSnet (American Phytopathological Society) Feature Story, October 2005

Anonymous: Ongoing activities at the plant breeding unit, Seibersdorf. Plant Breeding & Genetics Newsletter 2004; No 13, 12-13

Canine C: Building a better banana. Smithsonian-Magazine, October 2005

Stover RH: Simmonds NW: Bananas. Longman, Essex 1986

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