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Fazit

AusstellungEin Minimalist schaut auf sich selbst
Der Künstler Imi Knoebel 2014 vor seinen Werken "Aliaaa" (l, 2002) und "Ich Nicht X" (2006) in der Ausstellung "Imi Knoebel. Werke 1966-2014" im Kunstmuseum in Wolfsburg.

Der Beuys-Schüler Imi Knoebel gehört zu den wichtigsten Vertretern der Minimal Art in Deutschland. Zum 75. Geburtstag des Künstlers zeigt das Kunstmuseum Wolfsburg eine umfassende Werkschau, inszeniert von Imi Knoebel selbst. Mehr

TheaterDas ist der Mensch!
Die "Woyzeck"-Inszenierung am Münchner Volkstheater ist ein Wagnis.

Schon unzählige Male kam Büchners Woyzeck auf die Bühne. Am Münchner Volkstheater hat der Regisseur Abdullah Kenan Karaca den Stoff völlig neu zusammengesetzt. Die kühne Inszenierung folgt der Frage: Was ist der Mensch?Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 08.03.2009

Retter der Kölner Kulturgüter

Das Mikrofilmarchiv im Barbarastollen

Von Hans-Peter Frick

Bergungsarbeitem beim Kölner Stadtarchiv
Bergungsarbeitem beim Kölner Stadtarchiv (AP)

Nach und nach werden die Ausmaße des Verlustes an Kulturgut durch den Archiveinsturz in Köln deutlich. Rund 90 Prozent der Bestände sollen unter dem Trümmerberg verschüttet worden sein. Was sich davon bergen und retten lässt, ist derzeit unklar. Einen kleinen Hoffnungsschimmer erlaubt die Tatsache, dass viele der wertvollen Dokumente wenigstens als verfilmte Kopie im Barbarastollen erhalten sind.

Mitten im verschneiten Wald am Fuß des Schauinsland-Berges zunächst eine verschlossene Gittertüre mit dem blauen UNESCO-Sonderschutzzeichen.
Dann noch 400 Meter kerzengerade in den ehemaligen Silberbergsstollen hinein. Seitlich eine rote Stahltüre mit Zahlenschloss.

Auf Regalen in dem nüchternen, drei Meter hohen Seitenstollen reihen sich 1400 Metallbehälter. Sie erinnern an moderne Bier-Kanister. Hier lagert bei zehn Grad konstanter Raumtemperatur fast das gesamte Kulturgut der Bundesrepublik Deutschland. Auf Mikrofilmen! Eine Milliarde Archivbilder sollen es mittlerweile sein.
Auch das Historische Stadtarchiv von Köln hat sich in den letzten Jahren an den regelmäßigen Verfilmungen der wichtigsten Unikate beteiligt.
"Gott sei Dank", meint Ursula Fuchs vom Bonner Bundesamt für Bevölkerungsschutz, das für die Verfilmung und Einlagerung zuständig ist.

"Wir haben im Moment 638 Filme aus Köln lagern ... ungefähr eine Million Aufnahmen."

Und dann entdeckt sie unter den handschriftlich nummerierten Fässern eines, in dem Sicherungsfilme aus dem Kölner Unglücksarchiv lagern:

"Das ist eines der Fässer, wo die Kollegen gerade die Nummern gegeben haben, ... ich kann nicht sagen welche, aber auf jeden Fall sind Kölner Filme drin.""

Geöffnet werden dürfen diese Metallfässer aber nur in speziellen Klimakammern. Dieser Zeitpunkt ist aber noch längst nicht gekommen.

"Dafür brauchen die Kollegen einfach. Wenn in Köln die Rettungsmaßnahmen abgeschlossen sind, ist die Zeit für hier. Den Filmen vorangestellt ist immer ein Aufnahme des Findebuchs, wo genau verzeichnet ist, welches Dokument befindet sich auf dem Film. Das kann man auch wieder reproduzieren."

Deshalb fehlt derzeit noch der genaue Überblick, was tatsächlich verfilmt wurde. Als sicher gilt, dass die Baupläne des Kölner Doms und die weltberühmten Urkunden der Hanse als Mikrofilm vorliegen. Vermutlich auch Kopien wichtiger Unikate aus der Kaiserzeit und der Nachlass des Komponisten Jacques Offenbach.
Unikate, die erst kürzlich ins Kölner Stadt-Archiv kamen, wie etwa der Nachlass des Nobelpreisträgers Heinrich Böll gibt es noch nicht als Mikrofilm.

Weil jetzt die Metallfässer nicht grundlos geöffnet werden dürfen, hat Ursula Fuchs einen Musterfilm mitgebracht. Die Ernennungsurkunde von Adolf Hitler, unterzeichnet von Reichspräsident Hindenburg:

"Sie sehen hier 35 Millimeter ist recht groß. 'Im Namen des Reichs' können sie lesen, die Unterschrift von Hindenburg. Für den Rest bräuchte man eine Lupe."

Geschichte auf Schwarz-Weiß-Mikrofilm! Der 1974 eingerichtete "Zentrale Bergungsort" in Oberied im Südschwarzwald ist so etwas wie das "kollektive Gedächtnis" der Bundesrepublik Deutschland. Entstanden war die Idee bereits in den 1950-Jahren, - der Zeit des Kalten Krieges und der Angst vor einem atomaren Schlag.
Zwei Jahrzehnte lagerten die Landesarchive ihre Sicherungsfilme noch dezentral, dann wurde der "Barbarastollen" im Südschwarzwald eingerichtet.
Nach der "Haager Konvention" musste so ein Schutzbunker weit weg von urbanen Zentren liegen und darf weder in Friedens- noch in Kriegszeiten überflogen werden.
Die vom Bund mit drei Millionen Euro jährlich finanzierte Einrichtung arbeitet eng mit den Landesarchiven zusammen. Sie sind sich alle einig, trotz technischer Neuerungen am Mikrofilm als Datenträger festzuhalten. Er soll – richtig gelagert – 500 Jahre halten:

"Der Mikrofilm ist das einzige Medium, was sie über einen langen Zeitraum konservieren können. Kann man immer noch mit Kerze und einer Lupe lesen. Datenträger mit DVD überleben nicht lange genug, um denen diese wichtigen Infos anzuvertrauen."