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Fazit / Archiv | Beitrag vom 22.08.2012

Remake eines Klassikers

Neu im Kino: "Total Recall"

Von Anke Leweke

Colin Farrell ("Douglas Quaid") schlüpft in Arnold Schwarzeneggers Stiefel. (Sony Pictures)
Colin Farrell ("Douglas Quaid") schlüpft in Arnold Schwarzeneggers Stiefel. (Sony Pictures)

Regisseur Paul Verhoevens Original spielt, genau wie Len Wisemans Neuauflage von "Total Recall" mit der Frage, was real ist und was Fiktion. Doch im Remake geht die Geschichte in permanenter Action unter. Es ist eine laute, endlose Verfolgungsjagd durch eine apokalyptische Zukunftswelt.

Dass Erinnerungen trügen können ist eine Binsenweisheit. Doch was passiert, wenn die Erinnerung eine rein fiktive ist? Wenn unser Gedächtnis uns eine Identität gibt, die gar nicht unsere ist? Erinnerungen, die implantiert werden können - das ist ein Szenario, mit dem das Science-Fiction-Genre immer wieder gerne spielt und seine Helden auf gefährliche Expeditionen durchs eigene Bewusstsein jagt.

In Paul Verhoevens "Total Recall" aus dem Jahr 1990 spielt Arnold Schwarzenegger einen Bauarbeiter mit Fernweh und Abenteuerlust. Eines Tages sucht er Recall, das Reisebüro der etwas anderen Art, auf und möchte sich die Erinnerung an eine Marsreise einimpfen lassen. Schwarzeneggers Figur Quaid wählt sich die Identität eines Geheimagenten, der gegen die diktatorischen Machtverhältnisse auf dem Mars antreten soll.

Das klassische Motiv des Helden, der die Welt retten soll, wird hier um eine Spannungsebene erweitert. Die implantierte Erinnerung entpuppt sich als realer als die bisherige Identität Quaids. In Verhoevens Film begegnet man einem Helden, der zwischen gelebten und fiktiven Erinnerungen unterscheiden lernen muss.

Len Wisemans Remake übernimmt diese Ausgangsituation: Colin Farrell spielt jetzt den Fließbandarbeiter, in dessen Leben nichts mehr so ist, wie es einst schien: Seine Frau ist ihm seltsam fremd, seine besten Freunde werden zu Feinden. Und er entdeckt ungeahnte Eigenschaften: Er kann Menschen entwaffnen, Gewehre aller Art bedienen und weiß, wie man Verfolger abhängt. Und er hat eine Mission zu erfüllen: Er kämpft gegen ein korruptes System, das einigen privilegierten Menschen ein Leben in Luxus verschafft, während der Rest der Menschheit ausgebeutet wird und unter unwürdigen Bedingungen leben muss.

Bei Paul Verhoeven konnte man einem Gedächtnis bei der Arbeit zuschauen, doch genau diese Gedankenspiele zwischen Realität und Fiktion, Traum und Wirklichkeit werden im Remake von der permanenten Action geradezu zerstört. Man muss sich diesen Film wie eine laute, endlose Verfolgungsjagd durch eine apokalyptische Zukunftswelt vorstellen. Hektische elektronische Musik und permanente Ballergeräusche geben den nervtötenden Sound.

Zugegeben, das Setdesign ist aufwendig, andere Science-Fiction Klassiker wie "Blade Runner" (der futuristische Look der Stadt), "Robocop" (die Roboterpolizei) oder "Minority Report" (der Mensch als Handy) werden zitiert. Doch man glaubt sich ständig in einer Kulisse, die Welt wird nicht mit einer Vision einer nahen Zukunft zum Leben gebracht.

"Total Recall" ist ein seltsam lebloser Film, der seine Ideenlosigkeit mit viel Getöse zu überdecken versucht.

USA 2012. Regie: Len Wiseman. Darsteller: Colin Farrell, Bryan Cranston, Kate Beckinsale, Bill Nighy, Jessica Biel, Ethan Hawke, John Cho, Bokeem Woodbine, Will Yun Lee, Currie Graham, Michael Therriault. Ab 12 Jahren. 118 Minuten.

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