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Studio 9 | Beitrag vom 08.09.2014

Referendum in SchottlandWhisky bleibt Whisky

Die schottischen Destillerien sehen der Abstimmung am 18. September relativ gelassen entgegen

Von Stephanie Pieper

Zur Reifung wird der Whisky in der Schottischen Whisky-Brennerei "The Glendronach" in Holzfässern gelagert, aufgenommen 1999. (dpa / Ehlers - Archivbild von 1999)
Schottische Whisky-Brennerei "GlenDronach" (dpa / Ehlers - Archivbild von 1999)

In zehn Tagen entscheiden die Schotten über die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreichs, eine Entscheidung, die sich auch auf wirtschaftliche Fragen auswirken wird. In der für Schottland so typischen Whisky-Branche sind Befürworter und Gegner gleichauf.

"Welcome to GlenDronach."

Im Tal des Flusses Glendronach Burn, am nordöstlichen Rand der schottischen Highlands, liegt die Whisky-Brennerei GlenDronach. Spezialität des Hauses ist ein Single-Malt-Whisky – der seine Sherry-Note in Farbe und Geschmack vor allem der Reifung in ehemaligen Sherry-Fässern verdankt, erklärt Sandra auf einer Tour.

1826 wurde die Brennerei gegründet, heute verkauft sie etwa drei Millionen Flaschen Whisky pro Jahr – in Schottland und im Rest Großbritanniens, vor allem aber auf dem europäischen Kontinent und in Asien. Brennerei-Manager Alan McConnochie wird die Entscheidung am 18. September schwerfallen

Im Herzen ist er für die Unabhängigkeit - aber im Kopf ist er nicht so sicher, ob dies eine gute Idee ist. Für Alan ist mit-entscheidend, welche Währung ein unabhängiges Schottland hätte:

"Zahlen wir weiter mit dem Pfund Sterling? Und wenn nicht, womit dann – mit dem Euro? Das ist ein großes Thema für alle Unternehmen, die vom Export leben – so wie wir."

Schottlands Erster Minister Alex Salmond behauptet: Wir behalten einfach das Pfund in einer Währungsgemeinschaft; die Regierung in London hält dagegen: Nein, das Pfund kriegt ihr nicht. Offen ist auch, ob – und zu welchen Bedingungen – ein unabhängiges Schottland Mitglied der EU wäre. Für David Williamson, Direktor der Scotch Whisky Association in Edinburgh, ist dies ausschlaggebend:

"Der europäische Markt ist unser wichtigster Markt, mit Exporten im Wert von einer Milliarde Pfund pro Jahr. Wir wollen weiter Teil dieses Marktes sein, seine Spielregeln beeinflussen und an Handelsgesprächen teilnehmen."

Wie so viele der rund 60 Brennereien in Schottland verortet sich die GlenDronach Distillery offiziell weder im Lager der Befürworter noch im Lager der Gegner einer Unabhängigkeit. Nur wenige Whisky-Hersteller positionieren sich: Diageo etwa – Mutterkonzern von Johnnie Walker – ist klar dagegen; William Grant & Sons hat sogar Geld gespendet für die pro-britische Kampagne "Better Together".

Die Wirtschaft mag Sicherheit, keine Unsicherheit, sagt Williamson. Doch ganz gleich, wie die Abstimmung ausgeht – eines bleibt wie es ist: Schottischer Whisky wird auch künftig in Schottland gebrannt.

Auch die Distillery in GlenDronach bleibt dort, wo sie seit beinahe 200 Jahren steht. In einer Halle neben dem Hochregallager befüllen Trevor und Gerry gerade die alten Sherry-Holzfässer über eine Pumpe mit neuem Whisky und schlagen schließlich mit dem Hammer einen Pfropfen aus Holz hinein. Gerry hat sich noch nicht entschieden, wie er abstimmen wird. Sein Kollege Trevor will den Schritt in die Unabhängigkeit wagen – und wird deshalb sein Kreuz bei "Ja" machen:

Man muss Stellung beziehen und dann mal sehen, was passiert, sagt der Arbeiter aus der GlenDronach Distillery – und rollt das nächste Whisky-Fass nach draußen.

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