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Rechteckig, praktisch, raketensicher

Besuch beim Containerhersteller

Von Peter Marx

Als Reparatur-Unternehmen für Schiffscontainer fing Drehtainer an.
Als Reparatur-Unternehmen für Schiffscontainer fing Drehtainer an. (Jens Wolf/dpa)

Bei Drehtainer dreht sich alles um eine Zahl: 20 Fuß. So groß sind die Container der mittelständischen Firma im ehemaligen innerdeutschen Grenzgebiet. Die 30 Mitarbeiter liefern Schutzcontainer für Militäreinsätze im Ausland, Sicherheitscontainer für die Nuklear-Industrie und Spezial-Container an Flugzeughersteller.

Jens Christian Schlüter vergisst für einen Moment, dass er nicht mehr Offizier der Bundeswehr ist. Die Begeisterung des Marketingchefs für das neueste Produkt seiner Firma ist kaum zu zügeln. Immer wieder startet er den Roadblocker, eine wuchtige Straßensperre.

"Wir haben hier einen halbhohen Container, der auch im 20-Fuß-Maß (etwa sechs Meter, Anm. d. R.) gebaut ist und in diesem Container drin ist eine Sperre, die bei Lagereingängen verbaut wird, integriert. Das heißt, ich grabe ein großes Loch, was den Maßen des 20-Fuß-Containers entspricht, versenke den Container dort auf Bodenniveau in diesem Loch drin und kann dann meine Lagereinfahrten damit schützen."

Und noch mal. Die meterhohe Sperre aus Stahlplatten kommt, versehen mit rot-weißen Streifen und mit zwei roten Leuchten, aus dem Container hoch und fährt dann wieder ein.

In der anderen Ecke der fußballfeldgroßen Halle steht ein grün gestrichener Container mit kleinen Fenstern auf dem Kopf. Mit Absicht. So wird aus aufrecht übereinander gestapelten normalen Containern ein Wach - oder Beobachtungsturm. Und, je nach dem was der Auftraggeber sich wünscht, ist er bestückt mit Maschinengewehren, Scheinwerfern und Funkmasten.

Trotzdem legt Geschäftsführer Reinhard Glombek im runden Konferenzraum Wert darauf, das Drehtainer kein wehrtechnisches Unternehmen ist, sondern bestenfalls eine Ideenschmiede mit einem militärischen Standbein.

"Also ein Container ist eigentlich eine universelle Verpackung und wir befinden uns, wenn wir den normalen Containermarkt betrachten, in einem riesigen Wettbewerb und wir haben herausgefunden, dass wir in dem Bereich etwas anbieten, was nachgefragt wird und was so kein anderer macht."

Und wer hat`s erfunden? Drehtainer? Glombek im grauen Anzug lächelt, spricht lediglich "von einer Nische", die Drehtainer entdeckte.

"Wir haben aus diesem logistischen Konzept der Container der Bundeswehr mitgeholfen dieses Konzept für verlegbare Lager einzusetzen und in Form von Containern alle die Funktionen unterzubringen, die man in einem Auslandseinsatz benötigen würde. Also d.h. Unterkunft, Büros, Kantine, Krankenhaus. Alles das, was benötigt wird, das können wir in Form von Containern abbilden, damit einfach transportieren und vor Ort so zusammenfügen, dass daraus die entsprechenden zu nutzenden Gebäude entstehen."

Marketingchef Jens Christian Schlüter auf dem Weg in die nächste Produktionshalle. Wieder in einer Ecke der Halle stehen grüne Container mit dutzenden von Löchern in den Wänden und einem großen Riss in der Außenhaut. Eine Rakete hängt an einer Schnur und zeigt mit der Spitze auf die zerstörte Außenhaut. Schlüter, schlank, groß, vergisst wieder, dass er nicht mehr Flecktarn-Uniform trägt:

"Und um das zu zeigen, dass es nicht nur mathematisch standhält, sondern das es auch in Versuchen standhält, haben wir diverse Schussversuche mit teilweise auch Raketen durchgeführt , um die Standhaftigkeit unserer Wände zu beweisen. Das war eine 122 Millimeter-Rakete, die hat nur den äußeren Wandaufbau durchschlagen, das Blech aufgerissen und wenn sie auf die Innenseite der Wand schauen, sehen sie, dass es dort eine große Beule gibt."

Auf einem Bundeswehr-Übungsgelände wurden die Testcontainer mit Raketen und Granaten beschossen, um festzustellen, ob die 20 bis 25 Zentimeter starken Stahlwände des Containers als Schutz ausreichen. Alles andere macht die Firma im Keller der Werkshallen selbst.

"Wir haben einen Beschusskanal. Das ist ein 50 Meter langer Kanal, der sich im Untergeschoss unserer Halle befindet. Dort gibt es einen Bereich, in dem dann die Waffe abgefeuert wird und es gibt einen Bereich in dem das zu beschießende Exponat aufgestellt wird."

Rund 6000 Container wurden bislang produziert, je nach Ausstattung zu Preisen von 25.000 bis 500.000 Euro. Drehtainer beschäftigt heute 60 Mitarbeiter: eine Hälfte in den Produktionshallen, die andere Hälfte in den Ingenieurbüros. Im Konferenzraum erzählt Glombek die Geschichte des Unternehmens, das Anfang der 70er-Jahre zwei seefahrende Ingenieure, die keine Lust mehr hatten, zur See zu fahren, gründen.

"Die haben die Elbe rauf und runter geguckt und haben die ersten Container kommen sehen. Und dann haben sie gesagt, im Container liegt die Zukunft und haben 1974 ein Container-Reparatur-Unternehmen gegründet."

Noch einmal geht's um die Militärkundschaft, die für rund 70 Prozent des Umsatzes sorgt. Tendenz fallend. Die Bundeswehr hat derzeit genügend Container. Doch der Export an ausländische Armeen gleicht das fast aus:

"Also zu unseren Abnehmern zählt die Schweiz als ein ganz interessanter Kunde. Dazu gehören Holland, Australien und Kanada. Das sind also die wesentlichen Kunden für die wir entsprechend sichere Lösungen geliefert haben."

Zwischen 20 und 50 Millionen Euro Umsatz jährlich macht das "Ingenieurbüro mit angeschlossener Kleinserien-Fertigung", so die Beschreibung von Glombek. Nach der Militärsparte sorgt der Nuklear-Bereich für ordentliche Umsätze. Hier liefert die mittelständische Firma Container für die Lager und den Transport von radioaktiven Abfällen aus Kernkraftwerken. Und Castor-Behälter? Reinhard Glombek springt auf… Das Thema ist ihm zu heiß.

"Wir bauen keine Behälter für Brennstoffe. Wir bauen lediglich Behälter für aktivierte Materialien, also für Materialien, die irgendwo in der Nähe von Brennstoffen gelagert wurden."

Castor-Behälter! Was für eine Frage? Sie sind schwerer und größer als 20-Fuß-Container. Und darum dreht sich nun alles bei der Firma Drehtainer.



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