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Fazit / Archiv | Beitrag vom 08.02.2013

Rave, Rausch, Paranoia

Premiere von "Lose Your Head" im Berlinale-Panorama

Von Gerd Brendel

Viktor (Marko Mandic, r) und Luis (Fernando Tielve) in einer Filmszene (www.loseyourhead.com / Meiko Jahnke)
Viktor (Marko Mandic, r) und Luis (Fernando Tielve) in einer Filmszene (www.loseyourhead.com / Meiko Jahnke)

Berlin ist das Lieblingsziel internationaler Partytouristen auf der Suche nach dem großen Rausch. Einer von ihnen ist der Spanier Luis in "Lose Your Head". Der Berlinale-Beitrag zeigt eine düstere Seite der Hauptstadt, hat das Zeug zum Kultfilm und bietet durchaus praktischen Nutzwert.

Berlin, Flughafen Schönefeld am Wochenende. Gerade ist Luis mit dem Billigflieger aus Madrid angekommen.

Ob sie sich nicht wenigstens mal die Mauer anschauen sollten, fragen sich seine japanischen Bettnachbarn in der Jugendherberge wenig später. Luis allerdings hat andere Pläne.

Er ist, wie Tausende andere Partytouristen, in die Stadt gekommen, um auszugehen.

"”It is a complete absence of fear. Like there is no border between you and the others.”"

Die Angst ist weg, als ob es keine Grenze zwischen dir und den anderen gäbe, so beschreibt Luis 30 Filmminuten später seine erste Berliner Partynacht. Da ist der junge Spanier schon unterwegs auf einer emotionalen Achterbahn und kurz davor seinen Kopf zu verlieren – "Lose Your Head".

Zufällig begegnet er einer jungen Frau, die ihren verschwundenen Bruder sucht. Luis sieht ihm verblüffend ähnlich und dann verliebt er sich auch noch in einen merkwürdigen Osteuropäer.

Patrick Schuckmann: "Der auch irgendwie in das Verschwinden von dem Griechen involviert ist. Und irgendwann ist Luis nicht mehr in der Lage zu unterscheiden was ist Realität was ist Paranoia."

"Do you trust me?”"

Auf die Idee zum Drehbuch brachte Patrick Schuckmann eine reale Geschichte, die vor ein paar Jahren in Berlin passierte:

""Es war damals dieser reale Fall von diesem Portugiesen, der verschwunden ist, nach einer Nacht im Berghain. Und ich trat eines Morgens auf die Straße vor mein Haus und sah da zwei Leute, die so ein Vermisstenplakat für den aufgehängt haben.

Und dann hab ich mitgekriegt, dass extrem viel Leute darüber geredet haben. Was dem wohl passiert ist? Hat er zu viel Drogen genommen? Ist er mit den Falschen nach Hause gegangen? Ist der entführt worden?"

In "Lose Your Head" haben die beiden Filmemacher Patrick Schuckmann und Stefan Westerwelle auch eigene Erfahrungen im Berliner Nachtleben verfilmt. Ihre Schauspieler kommen wie die realen Partytouristen aus ganz Europa: Luis wird von dem jungen Spanier Fernando Tielve gespielt. Sein geheimnisvoller Liebhaber von dem Slowenen Marko Mandic, beide bekannte Schauspieler in ihren Heimatländern.

Die einzige Kreuzbergerin im Team ist Sezede Terzyan. Konsequenterweise wird im ganzen Film kaum deutsch gesprochen. Das macht den Film schon jetzt zur leicht verständlichen visuellen Pflichtlektüre für alle potenziellen Berlintouristen zwischen 20 und 35 mit wertvollen Tipps. Erstens:

"Dont be a group!"

Nie als Gruppe vor dem Türsteher zum angesagten Klub auftreten, und zweitens:

"Man sollte, bevor man die Dorgen einwirft , wissen was es ist, und was es mit einem macht."

Denn sonst könnte es einem gehen wie Luis :

"”You are gonna lose your head.”"

Service:
"Lose Your Head" von Stefan Westerwelle und Patrick Schuckmann läuft auf der Berlinale im Panorama-Programm.