Seit 15:30 Uhr Tonart
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 15:30 Uhr Tonart
 
 

Interview / Archiv | Beitrag vom 10.01.2015

Publizist Micha BrumlikDer Terror als Chance für den Euro-Islam

Moderation: Sonja Gerth

Der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik (picture alliance / dpa / Horst Galuschka)
Publizist und Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik (picture alliance / dpa / Horst Galuschka)

Der Publizist Micha Brumlik sieht in den Anschlägen von Paris auch eine Chance: In Reaktion auf den islamistischen Terror könnte unter Umständen ein aufgeklärter Euro-Islam erstarken. Eine entscheidenden Rolle sollten hier die Universitäten spielen.

Nach Einschätzung des Publizisten Micha Brumlik sind die Reaktionen auf die Anschläge in Paris bisher relativ besonnen. "Noch nicht einmal ein Teil der AfD ist ja bereit, also das nun wirklich offen islamfeindlich auszudeuten." Auch in Frankreich unterscheide die rechtsnationale Marine Le Pen zwischen Islam und Islamismus, so Brumlik im Deutschlandradio Kultur.

Dabei sieht der Erziehungswissenschaftler für die weitere Entwicklung durchaus eine Chance: "Es wird dazu führen, dass das, was seit Jahren als Euro-Islam gewünscht und eingefordert, wird, nun unter dem Druck der Verhältnisse womöglich Wirklichkeit wird", so Brumlik.

Dieser liberale, aufgeklärte Islam müsse beinhalten, dass Muslime zwischen dem grundsätzlich philosophisch-theologischen Gehalt des Korans und handlungsweisenden Maßgaben für die jeweilige Zeit unterscheiden. Das sei auch schon im islamischen Mittelalter so gewesen.

Euro-Islam an desorientierte Jugendliche herantragen

Das zu verwirklichen sei nun Aufgabe der Muslime selbst, von Imamen, Gelehrten, Professoren an deutschen Universitäten und in den Moscheen. "Und dann wäre es tatsächlich wünschenswert, dass das auch stärker einer zum Teil desorientierten muslimischen Jugend mitgeteilt wird." Hier würden schon heute die Universitäten, an denen islamische Theologie oder islamische Religionspädagogik gelehrt wird, eine positive Rolle spielen.

 

Weiterführende Information

Die islamische Pädagogin Lamya Kaddor - "Wir brauchen keine Islamhasser"
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 10.01.2015)

Ethnologe über Pegida - Warum die Anti-Islam-Bewegung Zulauf findet
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 22.12.2014)

Islam in Deutschland - Die doch nicht ganz so Guten?
(Deutschlandradio Kultur, Religionen, 07.12.2014)

Junge Islam Konferenz - "Muslimisch und nicht-muslimisch sind keine Konfliktlinien"
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 22.11.2014)

Interview

FriedensmissionenNicht nur zahlen, auch hingehen
Ein Mann mit einem Stock bewaffnet, steht vor einem brennenden Fahrzeug in Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo. (PASCAL MULEGWA / ANADOLU AGENCY /afp)

Deutschland sollte sich stärker an UN-Friedensmissionen beteiligen, meint Daniel Maier, Mitarbeiter der UN-Mission Monusco in der Demokratischen Republik Kongo. Nötig sei unter anderem mehr Personal. Maier sieht noch mehr Kapazitäten.Mehr

Shimon Peres"Wir glaubten, er sei unsterblich"
Shimon Peres starb im Alter von 93 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls. (dpa  /Picture alliance EPA  Abir Sultan)

Shimon Peres wollte Frieden zwischen Israelis und Palästinensern. Doch wie steht es heute um dieses Ziel? "Es mangelt am politischen Willen", meint Anita Haviv-Horiner, die in Israel für den deutsch-israelischen Austausch arbeitet. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur