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Interview | Beitrag vom 25.01.2016

Proteste gegen FlüchtlingeRusslanddeutsche durch russische Medien stark beeinflusst?

Sergey Lagodinsky im Gespräch mit Nicole Dittmer und Christian Rabhansl

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Hunderte Russlanddeutschen demonstrieren in Villingen-Schwenningen gegen Gewalt und für mehr Sicherheit in Deutschland.  (dpa / Marc Eich)
Hunderte Russlanddeutschen demonstrieren in Villingen-Schwenningen gegen Gewalt und für mehr Sicherheit in Deutschland. (dpa / Marc Eich)

Dass Russlanddeutsche wegen der angeblichen Vergewaltigung einer 13-Jährigen durch Flüchtlinge auf die Straße gehen, sei kein Zufall, sagt Rechtsanwalt Sergey Lagodinsky im Deutschlandradio Kultur. Schuld daran sei auch der starke Einfluss russischer Medien auf diese Gruppe.

Hunderte Menschen, vor allem Russlanddeutsche, haben am Wochenende in mehreren Städten gegen Gewalt von Flüchtlingen demonstriert. Allein in Baden-Württemberg zählte die Polizei rund 3000 Menschen, in Berlin waren es etwa 700. Anlass war die angebliche Vergewaltigung eines russlanddeutschen Mädchens in Berlin. Diese Vergewaltigung soll es laut Polizei aber gar nicht gegeben haben. Das russische Staatsfernsehen hatte darüber berichtet und einen Zusammenhang zu in Deutschland lebenden Flüchtlingen hergestellt. Außerdem wurde behauptet, deutsche Polizei und Medien würden den Fall gezielt vertuschen.

Lagodinsky: "Unglückliche Mischung aus Umständen"

"Das ist eine unglückliche Mischung aus Umständen", erklärt der Rechtsanwalt Sergey Lagodinsky, selbst Russlanddeutscher, die Einstellung der Demonstranten. Zum Einen liege es an ihrer Mentalität. Viele hätten in der Sowjetunion die Erfahrung gemacht, dass sie staatlichen Stellen nicht vertrauen könnten. Also würden sie dem Dementi der Polizei keinen Glauben schenken. Außerdem seien sie mit einem Nationalstolz aufgewachsen: "Für sie ist das Deutsch-Nationale etwas normales." Hier in Deutschland würden sie aber oft als Deutsche zweiter Klasse behandelt.

Bei vielen der Demonstranten sei die Toleranz gegenüber Flüchtlingen gering, obwohl sie selbst einmal Flüchtlinge waren. "Manche meinen es besser zu wissen, wie es ist als Migrant hier zu sein" - so entstehe bei einigen auch eine "Wissensarroganz" gegenüber Einheimischen, die sich für Flüchtlinge engagierten.

Der Publizist Sergey Lagodinsky (privat)Sergey Lagodinsky ist selbst Russlanddeutscher. (privat)

Außerdem nutzten sie immer noch vor allem russische Medien. Das liege nicht an mangelnden Deutschkenntnissen, sondern daran, dass sie sich generell im russischen Milieu aufhielten und die russischen Medienangebote sehr verlockend seien. "Sie haben kein Bedürfnis, die deutschen Medien zu konsumieren", sagt Lagodinsky. 

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