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Fazit / Archiv | Beitrag vom 07.11.2012

Prix Goncourt für Jérôme Ferrari

Der aus Korsika stammende Philosophie-Lehrer erhält den wichtigsten französischen Literaturpreis

Jérôme Ferrari - Träger des Prix Goncourt 2012 (picture alliance / dpa - Francois Lafite)
Jérôme Ferrari - Träger des Prix Goncourt 2012 (picture alliance / dpa - Francois Lafite)

Jérôme Ferrari stand in diesem Jahr auf fast allen Shortlists der großen französischen Literaturpreise. Nun erhält er für seinen sechsten Roman "Le sermon sur la chute de Rome" den wichtigsten Preis, den das literarische Frankreich zu vergeben hat. Barbara Wahlster stellt den 44-Jährigen vor.

Frei übersetzt bedeutet der Titel von Ferraris Buch in etwa "Die Predigt auf den Niedergang Roms" - und stellt somit die Verbindung zum Heiligen Augustin dar, der im Jahr 410 gesagt hatte: "Die Welt ist wie ein Mensch: Sie wird geboren, sie wächst und sie stirbt."

Im Zentrum der Handlung steht ein junger Korse, der sein Studium aufgibt, um gemeinsam mit einem Jugendfreund eine Bar in einem korsischen Dorf zu übernehmen. Die beiden wollen aus der Kneipe "die beste aller möglichen Welten" machen, jedoch werden sie ziemlich schnell von Enttäuschungen und Streitereien eingeholt. Ferrari habe durch seine Sprache und durch seinen Stil überzeugt, befand die Jury in ihrem Urteil.

Ferrari hat Philosophie studiert und ist derzeit als Lehrer in Abu Dhabi beschäftigt. Der jetzt ausgezeichnete Roman, rund 200 Seiten stark, sei sein sechster, ein siebter sei bereits fertiggestellt, berichtete Barbara Wahlster, Literaturkritikerin von Deutschlandradio Kultur. 1968 geboren, gehöre Ferrari zu jenen französischen Autoren, die in den letzten Jahren entdeckt hätten,

"was dieses große 20. Jahrhundert eigentlich an Traumata in sich birgt, an Schuld in sich birgt, an Nicht-Ausgesprochenem in sich birgt. Wir kennen das ja zum Teil ein bisschen, die deutsche Seite der Aufarbeitung oder des Versuchs zu verstehen, was da war. In Frankreich ist es wirklich diese jüngere Schriftsteller-Generation, die sich jetzt in den letzten Jahren damit befasst hat."

Ferrari, so Wahlster, interessiere sich für die "Verflüchtigung von Sinn" und für die "Brüchigkeit der Welt ohne Bewusstsein davon". Immer wieder würden die Kriege thematisiert, die Frankreich im 20. Jahrhundert geführt habe, vom Zweiten Weltkrieg, über den Indochina-Krieg bis hin zum Algerien-Krieg. Im Interview habe ihr Ferrari gesagt:

"Fast könnte man sagen, ich bin besessen vom Verhältnis der Menschen zum Krieg. Es taucht in vielen meiner Romane auf, auch aus familiären Gründen. Meine Großeltern sind um die Jahrhundertwende geboren und haben das gesamte 20. Jahrhundert erlebt, einige davon beständig im Krieg, weil sie in der Kolonialarmee waren."


Das vollständige Gespräch mit Barbara Wahlster können Sie mindestens bis zum 06.05.2013 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.

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