Seit 02:00 Uhr Nachrichten
 
Sonntag, 29. Mai 2016MESZ02:04 Uhr

Fazit / Archiv | Beitrag vom 03.04.2012

Politik auf Postern

Die Ausstellung "All of us or none" mit Postern und Plakaten aus der Bay Area 1968

Von Arndt Peltner

Frank Cieciorka, Untitled, Circa 1966. Fractional and promised gift of The Rossman Family. (Collection of the Oakland Museum of California, All Of Us Or None Archive)
Frank Cieciorka, Untitled, Circa 1966. Fractional and promised gift of The Rossman Family. (Collection of the Oakland Museum of California, All Of Us Or None Archive)

Michael Rossman war ein Aktivist, Sammler und Verfechter der freien Meinungsäußerung. Er hat rund 24.000 politische Plakate gesammelt, die kürzlich vom Oakland Museum of California erworben wurden und jetzt in einer Ausstellung gezeigt werden.

1968 in Kalifornien: Das legendäre Fillmore West wird eröffnet, in Mexiko City zeigen die aus der San Francisco Bay Area stammenden afroamerikanischen US-Sprinter nach ihrem Sieg den Black Power Gruß, in Oakland findet ein vielbeachteter Prozess gegen die Black Panthers statt, und gleich gegenüber vom Gerichtssaal wird das Oakland Museum of California gebaut:

Jetzt zeigt das Museum eine Ausstellung über das Jahr 1968. Ein Teil davon ist "All of us or none”, eine Sammlung von Postern und Plakaten aus der Bay Area. Der Titel erinnert an das Bertolt Brecht-Lied "Keiner oder alle”. Kurator ist Lincoln Cushing:

"Was wir hier haben, ist eine kleine Auswahl eines riesigen Archivs von Plakaten zu Themen aus Politik und sozialer Gerechtigkeit, die kürzlich in den Besitz des Oakland Museums kamen. Die Auswahl zeigt, welch außergewöhnliche Rolle die San Francisco Bay Area in diesem Bereich der politischen Poster spielte, die Mitte der 60er begann und bis heute anhält."

Die Sammlung stammt von Michael Rossman. Er hatte rund 25.000 Plakate und Poster, zumeist aus der San Francisco Bay Area zusammengetragen. Das Museum erhielt das Archiv nach Rossmans Tod.

"Rossman war ein sehr besonnener Mann, ein führender Kopf der Free Speech Bewegung in Berkeley von 1964. Er war Wissenschaftler und fing mit dem Sammeln an, weil er spürte, dass diese Poster eine gute Möglichkeit sind, um über Geschichte zu reden. Er hat die Sammlung nicht katalogisiert, aber in Themenbereiche aufgeteilt. Hier Poster zur Frauenbewegung, da zu Kuba, dort zu Schwulen- und Lesbenfragen. Es war sein System, und er sammelte von 1977 bis zu seinem Tod 2008. Rossman ist ein gutes Beispiel für jemanden, der ohne große finanzielle Mittel eine bedeutende kulturelle und historische Sammlung zusammengetragen hat."

In dieser Ausstellung wird deutlich, welche Rolle politisch und auch künstlerisch die San Francisco Bay Area seit Mitte der 60er-Jahre spielt:

" Das liegt daran, dass man hier alternativ sein und Themen sozialer Gerechtigkeit unterstützen kann. Man findet hier eine starke Arbeitergeschichte, aber auch die Boheme, die Beat Poets. Kalifornien und besonders Berkeley und die Bay Area waren schon immer anders. Das ist die Basis, und was das Ganze Mitte der 60er-Jahre in Gang brachte, war die Explosion der Gegenkultur, die Rockmusik, die frühe politische Bewegung. All das spielte zusammen und ergänzte sich."

Cushing hofft, dass mit dieser Ausstellung auch die Bedeutung von Postern und Plakaten erkennbar wird:

"Man hat sich damit kaum wissenschaftlich befasst. Nur wenige in den USA beachten dieses Medium. Für die Kunstszene ist es zu politisch. Für die Politszene zu künstlerisch."

Es gibt nur wenige Plakate aus der Zeit vor 1965. Die 20 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren in den USA von der Hetzjagd McCarthys bestimmt, der hinter allem und jedem die kommunistische Unterwanderung vermutete. Auch wenn der Einfluss McCarthys auf die amerikanische Kunst und Kultur schon Ende der 50er abnahm, dauerte es doch etliche Jahre, bis sich der künstlerische Freiraum im politischen Plakat wieder entwickeln konnte:

"Diese abschreckende Wirkung auf die künstlerische Auseinandersetzung galt auch für die Bürgerrechtsbewegung, die 'Free Speech' Bewegung, wie man sie an der UC Berkeley fand. Diese Bewegungen, obwohl sie gewaltig und voller kreativer Komponenten waren, hatten keine Plakate. Das änderte sich mit den ersten Rock Postern Mitte der 60er-Jahre in San Franicsco. Auf einmal erkannten die politisch Engagierten, dass es durchaus gut ankam, daheim Poster an den Wänden zu haben."

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsArchitektur als sozialer Kitt
Blick in den Deutschen Pavillon auf der Architekturbiennale Venedig 2006 (picture-alliance/ dpa / epa Keystone Kefalas)

Eine soziale Biennale, die der Architektur ihre Menschlichkeit zurückgibt - so schätzen "FAZ" und "Welt" die diesjährige Architekturbiennale ein: Neue Wohnformen sollen Flüchtlinge und Migranten nicht nur beherbergen, sondern auch integrieren. Mehr

weitere Beiträge

Fazit

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

fghjghj