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Fazit / Archiv | Beitrag vom 10.09.2012

Poesie oder Propaganda?

Ein Gedichtband versammelt Verse von Angehörigen der afghanischen Taliban-Milizen

Felix Kühn im Gespräch mit Frank Meyer

Zeigen, dass die Taliban mehr sind als Krieger, wollten die Autoren des Gedichtbandes. (AP)
Zeigen, dass die Taliban mehr sind als Krieger, wollten die Autoren des Gedichtbandes. (AP)

In London ist im Mai ein Buch mit Gedichten von Taliban-Kämpfern erschienen, ein Buch das zu einer Kontroverse geführt. Es wird Kriegspropaganda verbreitet, das war einer der Vorwürfe gegen die Herausgeber. Doch das sei so nicht gemeint, stellt Mitherausgeber Felix Kühn klar.

"Ein Gewehr und einen Dolch in der Hand, so ziehe ich in die Schlacht, ich bin ein afghanischer Mujahedin ... "

So heißt es in einem Taliban-Gedicht, veröffentlicht in einem Buch, das in diesem Jahr in London erschienen ist. Das Gedicht eines Taliban-Kämpfers - er sagt da:

"Vielleicht werde ich hundert Mal für meine Heimat sterben
Ich habe meine Religion, ich habe meinen Glauben, und das Recht des heiligen Koran,
Jeder, der mich falsch anschaut, wird für immer verloren sein.
Ich bin ein afghanischer Mudschaheddin.


Afghanistan-Wissenschaftler Felix Kühn hat dieses Gedicht zusammen mit etwa 200 anderen in dem Buch "Poetry of the Taliban" veröffentlicht, er hat in lange Zeit in Kandahar im Süden Afghanistans gelebt.

Doch der Gedichtband sei weit mehr als eine Sammlung von Kriegsgedichten, sagt Kühn. Es werden verschiedene Themenbereiche angeschnitten, es gehe darum, die Gesamtheit darzustellen. "Man hört von über 200 verschiedenen Stimmen", sagt Kühn. Thematisch sei da oft Überraschendes dabei.

Würde man die Teile über die Taliban heraus lassen, die eben auch das vorherrschende Bild bestimmten, so würde man Geschichtsverzerrung betreiben, rechtfertigt Kühn die hasserfüllten Gedichte, die zum Krieg aufrufen.

"Und wir wollen zeigen, dass es eben sowohl diese gewaltvollen Taliban gibt, aber auch Reflexionen über die Situation", sagt Kühn. In den Gedichten gehe es um die Auseinandersetzung mit der Gewalt vor Ort, ums Familienleben, um die Mutter, die zurückgelassen wird und eben darüber, was in Afghanistan vorgeht.

Ihm gehe es darum, das aufzubrechen und nichts zu beschönigen oder wegzulassen, Breitband zu zeigen, "verschiedene Stimmen und verschiedene Themen", sagt Kühn.

Das vollständige Gespräch mit Felix Kühn können Sie bis zum 10. Februar 2012 als MP3-Audio in unserem Audio-On-Demand-Player nachhören.

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