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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 19.03.2009

Piraten, Schätze und Natur

Ina Knobloch: "Das Geheimnis der Schatzinsel. Robert Louis Stevenson und die Kokosinsel – einem Mythos auf der Spur", Marebuchverlag 2009, 222 Seiten

Bei ihren Reisen ist die Autorin mit Kokosinsel-Spezialisten zusammengekommen. (AP Archiv)
Bei ihren Reisen ist die Autorin mit Kokosinsel-Spezialisten zusammengekommen. (AP Archiv)

Die Kokosinsel im Pazifik gilt als die Schatzinsel aller Schatzinseln. Sie diente als Vorlage für Robert Louis Stevensons gleichnamigen Roman. Die Journalistin Ina Knobloch hat ein unterhaltsames Sachbuch über die Insel, die Geschichte der Piraten und versteckte Schätze geschrieben. Es entwickelt sich am Ende zur dramatischen Schnitzeljagd.

"Es gibt Schatzjäger und Schatzfinder, ich gehöre zu Letzteren." Das sagt Ina Knobloch, Autorin des Sachbuchs "Das Geheimnis der Schatzinsel. Robert Louis Stevenson und die Kokosinsel – einem Mythos auf der Spur" über sich selbst. Ina Knobloch, promovierte Botanikerin, arbeitet als freie Autorin und als Filmproduzentin für ARD, ZDF und ARTE.

Jene 25 Quadratkilometer große Kokosinsel liegt im Pazifik, 500 Kilometer von der Küste Costa Ricas entfernt, sie gehört seit 1997 zum Weltnaturerbe der UNESCO, - eine unbesiedelte Insel mit imposanten, bis zu 1000 Meter hohen Vulkankegeln und die Einzige im Ostpazifik mit tropischem Regenwald. Tourismus ist nur für Taucher möglich.

Dreimal hat Ina Knobloch die Insel besucht, zum ersten Mal 1988 als Botanikerin im Rahmen eines Forschungsprojektes, und noch zwei Mal in den letzten Jahren jeweils für ein ARD- und ein ZDF/ARTE-Fernsehfeature über die Kokosinsel, eins über die Piratenschätze, eins über die Unterwasserwelt.

Die Kokosinsel ist die Schatzinsel aller Schatzinseln, einmal populär als Vorlage für Robert Louis Stevensons Roman "Die Schatzinsel", und historisch betrachtet das beliebteste Versteck aller Piraten im Ostpazifik zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert. Historiker gehen davon aus, dass tatsächlich diverse Schätze auf der Insel versteckt wurden und dass sich heute noch Gold und Juwelen im Gegenwert von 20 Milliarden Euro auf der Insel befinden könnten.

Zwei Elemente prägen dieses Buch: erstens der historische Teil, also die wundervoll grotesken Geschichten der Piraten vom 17. bis ins 19. Jahrhundert wie auch die nicht weniger skurrilen Geschichten der Schatzsucher, und zweitens die Recherchereisen der Autorin zur Kokosinsel und wie auch jene auf den Spuren der Schatzsucher nach Kalifornien, Florida, Neufundland und, - auf den Spuren des Schriftstellers Robert Louis Stevenson -, nach Schottland und nach Davos in die Schweiz.

Bei ihren Reisen ist die Autorin mit Kokosinsel-Spezialisten zusammengekommen oder hat deren Archive einsehen dürfen. Das Buch entwickelt sich zur dramatischen Schnitzeljagd, am Ende, mit Theaterdonner und Showdown, enthüllt die Autorin, aufgrund ihrer detektivischen Fähigkeiten als Erste den Ort des 20 Milliarden Euro-Schatzes entschlüsselt zu haben: Niemand habe bisher an die im Süden gelegene "Bucht der Hoffnung" gedacht. Das aber tut u.a. zum Beispiel das 2000 erschienene Sachbuch von Nicolas Serrano: "Piratenschätzen auf der Spur – Indizien, Fakten und Legenden" (S.89, 95).

Bibliographische Verweise übrigens fehlen in "Das Geheimnis der Schatzinsel" fast gänzlich. Eine andere Spur, - die 2005 der Schriftsteller Alex Capus in seinem Robert Louis Stevenson-Roman "Reise im Licht der Sterne" zur Diskussion stellte, nach der es eine zweite Kokosinsel gibt, nur 270 Kilometer entfernt von Stevensons letztem Wohnsitz Samoa, - lässt Ina Knobloch unberücksichtigt.

Die Recherche scheint doch hier und da mit heißer Nadel gestrickt worden zu sein: "Warum Kidd der einzige Pirat blieb, dem ein ordentlicher Prozess vor dem Unterhaus gemacht wurde, ist nicht überliefert." Doch, das ist es: New Yorker Geschäftsleute hatten 1695 an der Londoner Börse eine Piraten-Aktiengesellschaft gegründet, zu der der wohlangesehene Kapitän William Kidd gehörte. Als das Piraten-Unternehmen pleite ging, wurde William Kidd als verantwortlicher Firmenmanager wegen Veruntreuung vor Gericht gestellt und hingerichtet.

Und was nie sein darf in einem Sachbuch, das sich mit der Seefahrt beschäftigt: die Mehrzahl von "Seemann" ist nicht "Seemänner" sondern "Seeleute", - weniger ein Fehler der Autorin als des Lektorats.

Ina Knobloch selbst, eine Reisende, anscheinend immer zwischen zwei Koffern, hat einen filmisch-szenischen Sinn fürs Wissenschaftliche rund ums Piratenthema. "Das Geheimnis der Schatzinsel" unterhält, und das ist wohl in erster Linie auch das Anliegen des Buches, das manchmal sogar etwas Romanhaftes annimmt und dem Leser weniger erklärt, als ihn fesselt wie verwirrt und ihn zwischendurch auch mal ein bisschen in Trance versetzt, wenn da ein Interview mit einem Zeitzeugen beschrieben wird, das 1907 stattfindet, und plötzlich hält der Reporter ein Tonbandgerät in der Hand.

"Das Geheimnis der Schatzinsel" - ein Buch, skurril aber nicht uncharmant. Ina Knoblochs vorletztes Buch hieß "Rosenduft und Blütenzauber: Ein Streifzug durch die Welt der Rosen". "Das Geheimnis der Schatzinsel" ist eine Art Collage, eine Montage oder, - wenn man so will -, eine Art Supermarkt zum Thema Kokosinsel: Piraten, Schätze, Natur, Tauchen usw.

Rezensiert von Lutz Bunk

Ina Knobloch: "Das Geheimnis der Schatzinsel. Robert Louis Stevenson und die Kokosinsel – einem Mythos auf der Spur".
marebuchverlag 2009, 222 Seiten, 19.90 €.

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