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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 04.04.2013

Pionier mit Kohle

Als erstes Dampfschiff überquerte die "Sirius" 1838 den Atlantik

Von Mathias Schulenburg

Auf den Spuren der "Sirius": Das Dampfschiff "Queen Elizabeth" beim Verlassen des Hafens von Southampton in Richtung New York am 1.12.1948.
Auf den Spuren der "Sirius": Das Dampfschiff "Queen Elizabeth" beim Verlassen des Hafens von Southampton in Richtung New York am 1.12.1948.

Als im 19. Jahrhundert das Maschinenwesen Fahrt aufnahm, gab es viele Ersttaten zu bestaunen. Die Überquerung des Atlantiks durch die nur mit Dampf betriebene "Sirius" schlug hohe Wellen, denn das Schiff wurde im Endspurt in Teilen selbst verheizt.

Es war ein Mordsspektakel, und die Mannschaft der "Sirius" stand kurz vor der Meuterei. Was ihrem Schiff angetan wurde, war aber auch unerhört: Es wurde – kurz vor dem Ziel New York – willentlich verheizt, jedenfalls alles, was entbehrlich schien und brennen konnte. Ersatzwanten, Mobiliar, ein Mast verschwanden im Feuerloch der Dampfmaschine. Der Vorfall inspirierte später Jules Verne zu einer Szene für den Roman "In 80 Tagen um die Welt".

Um das Ziel, New York zu erreichen, wäre die Zerstörungsorgie nicht nötig gewesen, denn die am 4. April 1838 in Cork, Irland, ausgelaufene "Sirius" hatte auch Segel. Die aber mochte der Skipper nicht setzen, denn dann wäre die Überfahrt allein mit Dampf nicht gelungen und damit keine Pioniertat gewesen. Denn eine Atlantiküberquerung mit Dampf und Segel war 1819 schon der amerikanischen "City of Savannah" geglückt. Dabei hatte die "Savannah" allerdings so ausgiebig von ihren Segeln Gebrauch gemacht, dass jene wichtige Frage nicht zu beantworten war: Konnte ein Dampfer die Atlantiküberquerung allein mit Kohle überhaupt schaffen?

John H. Lienhard, Professor emeritus für Maschinenbau und dessen Geschichte an der Universität Houston, USA, pflegt dort eine gediegene Webseite mit Hintergrundwissen:

"Hier kommt ein selbsternannter englischer Experte für fast alles ins Spiel, Reverend Dionysius Lardner. 1835 hatte Lardner für die Reichweite von Dampfschiffen eine Obergrenze errechnet: Danach konnte kein Schiff soviel Kohle bunkern, dass es mehr als 2500 Meilen – knapp 4600 Kilometer – hätte zurücklegen können. Ein amerikanischer Anwalt namens Junius Smith aber war Zeuge gewesen, als die ,Savannah' in Liverpool einlief und hielt Lardners Rechnung für falsch."

Um ein günstiges Verhältnis zwischen Kohlemenge und Kohleverbrauch herzustellen, musste man einen Dampfer tatsächlich nur größer als ein gewöhnliches Segelschiff bauen.

Das aber hatte noch niemand in der Praxis bewiesen – mit der Pioniertat gab es Ruhm zu erwerben. Und dann war da noch das Blaue Band, ein wohl von englischen Journalisten ausgelobter Ehrenpreis für den ersten und schnellsten Dampfer auf der Route England - Amerika. Das reizte auch einen der besten Ingenieure der Zeit, den Engländer Isambard Kingdom Brunel.

John H. Lienhard: "Der begann 1837 für eine Atlantiküberquerung mit Dampf, die ,Great Western' zu bauen. Der Amerikaner Junius Smith, der selber Ambitionen für eine Erstüberquerung mit Dampf entwickelt hatte, sah seine Chancen schwinden, erwarb in aller Eile einen Küstenpostdampfer, versah ihn mit einer hochseetauglichen Besegelung und taufte ihn in ,Sirius' um."

Die "Sirius" stach in See, der Wettbewerber folgte ihr drei Tage später. Als sie, nur noch von ihrem Mobiliar unter Dampf gehalten, am 22.4. in New York eintraf, war die "Great Western" schon auf acht Stunden herangekommen, also schneller gefahren. Da aber die "Sirius" als erste eingetroffen war, bekam sie das Blaue Band von der Presse zugesprochen und nahm in der Seefahrtsgeschichte den Platz als erster Passagierdampfer ein, der den Nordatlantik überquert hatte, und als erster Blaubandgewinner überhaupt. Die Zahl der beförderten Passagiere bei der Erstüberquerung schwankt in der Literatur zwischen Null und 43.

Die "Sirius" brachte es nicht mehr zu einem regulären Passagierverkehr auf der Atlantikroute, dafür war sie zu klein und musste sich mit bescheideneren Pflichten begnügen. Am Ende erlitt sie in der irischen Ballycotton Bay endgültig Schiffbruch. Die Ehre der Ersttat aber blieb an ihr haften. Noch heute werden teure Erinnerungsstücke gehandelt, wie jene aus einem Pumpenschwengel der "Sirius" geschnittene und geprägte Medaille:

"Im Juni 1847 sank die ,Sirius', lag 51 Jahre am Grund und wurde dann geborgen. Das Metall erwarb die Firma Masons, die Ihnen dieses Souvenir präsentiert."

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