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Der Schriftsteller und Philosoph Jean Paul Sartre wehrte er sich zeitlebens gegen den Status einer "Institution". Er wollte allein auf seine eigenen Mittel vertrauen und misstraute Ehrungen - zumal durch eine kleine Elite im Nobelpreiskomitee.Mehr

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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 09.09.2012

Pionier der Elektrizitätsforschung

Vor 275 Jahren wurde der italienische Arzt und Naturforscher Luigi Galvani geboren

Von Anke Wilde

Die Erfindung der Batterie geht auf die Beobachtungen von Luigi Galvani zurück.
Die Erfindung der Batterie geht auf die Beobachtungen von Luigi Galvani zurück. (Stock.XCHNG - Wanderlei Talib)

Es war eine Zufallsentdeckung, die Luigi Galvani berühmt machte. Er beobachtete, dass tote Frösche, die in der Nähe einer Elektrisiermaschine lagen, zu zucken begannen, wenn er sie mit seinem Skalpell berührte.

Schon längere Zeit hatte der Arzt und Anatomieprofessor Luigi Galvani Frösche untersucht, als er durch Zufall im November 1780 auf ein seltsames Phänomen stieß:

"Ich sezierte einen Frosch und präparierte ihn und legte ihn auf einen Tisch, auf dem eine Elektrisiermaschine stand. Wie nun der eine von den Leuten, die mir zur Hand gingen, mit der Spitze des Skalpellmessers die inneren Schenkelnerven des Frosches zufällig ganz leicht berührte, schienen sich alle Muskeln an den Gelenken wiederholt derart zusammenzuziehen, als wären sie von heftigen Krämpfen befallen."

Ein zweiter Gehilfe hatte im selben Augenblick an der Elektrisiermaschine gedreht und durch die Reibung einen Funken erzeugt. Galvani vermutete, dass die Muskelbewegungen durch die Elektrizität ausgelöst wurden. Über mehrere Jahre stellte Galvani dazu systematisch Experimente an – mit der Elektrisiermaschine wie mit Gewitterblitzen, mit lebendigen wie mit toten Tieren, mit Fröschen, Hühnern und Schafen. Akribisch notierte er sämtliche Beobachtungen.

"Die präparierten Tiere, mit denen die Elektrizitätsversuche angestellt worden sind, verderben weit schneller und werden eher riechend, als solche, welche der Wirkung der Elektrizität nicht ausgesetzt waren."

Luigi Galvani wurde am 9. September 1737 als Nachfahre einer alten Patrizierfamilie im italienischen Bologna geboren. Sein Vater war Goldschmied. Bevor der junge Galvani zur Medizin kam, studierte er Theologie. Ab 1762 hielt er an der Universität von Bologna Vorlesungen über Anatomie, im gleichen Jahr heiratete er Lucia Galeazzi, die Tochter seines Professors. 1775 wurde Galvani selbst zum Professor berufen. Später übernahm er von seinem Schwiegervater das Lehramt für Anatomie und Gynäkologie am Istituto di Bologna.

Zu dieser Zeit steckte die Elektrizitätsforschung noch in den Kinderschuhen. Der von dem Amerikaner Benjamin Franklin entwickelte Blitzableiter war schon in Europa bekannt. Auf Jahrmärkten und in der höheren Gesellschaft erfreuten sich Vorführungen der elektrischen Kräfte großer Beliebtheit. Man vermutete, die Elektrizität sei ein Fluidum, ein seltsamer Stoff, der anderen Stoffen entweichen oder zugeführt werden kann.
Bei späteren Experimenten provozierte Galvani auch ohne Elektrisiermaschine oder Gewitterblitze die Muskelbewegungen, und zwar immer dann, wenn er an die Nerven und an die Muskeln verschiedene Metalle angelegt hatte. Galvani hielt die Elektrizität deshalb für eine Art Lebenskraft der Tiere. Ihr Sitz seien die Muskeln, ihre eigentliche Quelle aber sei die,

"welche die Physiologen für die Tierseelen annehmen, nämlich das Gehirn. Wir glauben also, dass das elektrische Fluidum durch die Kraft des Gehirns bereitet und wahrscheinlich aus dem Blute entwickelt wird und in die Nerven geht und innen durch sie fließt. Wenn das der Fall ist, wird vielleicht die geheimnisvolle und bisher lange vergeblich erforschte Natur der Tierseele ihrem Dunkel entzogen werden. So wird deren Elektrizität in Zukunft nach unseren Versuchen, wie ich meine, sicher niemand mehr in Zweifel ziehen."

Galvanis Experimente faszinierten auch seinen Landsmann Alessandro Volta, der die Versuche nachstellte. Dass die Elektrizität tierischen Ursprungs sein sollte, bezweifelte er jedoch. Volta vermutete die Ursache im Gebrauch zweier unterschiedlicher Metalle.

"Dieses Fluidum fließt in Folge einer eigenen Wirkung eben dieser Metalle, sobald sie verschieden sind. Auf diese Weise habe ich ein neues Gesetz entdeckt, ein Gesetz der gemeinen Elektrizität. Dieser letzteren muss man die Mehrzahl der Erscheinungen zuschreiben, die nach Galvanis Versuchen einer eigenen tierischen Elektrizität anzugehören schien."

Auch wenn Galvanis Schlussfolgerungen sich als falsch herausstellten, so hatten seine Experimente doch überaus wichtige Hinweise geliefert. Auf ihrer Basis baute Alessandro Volta um 1800 die nach ihm benannte Voltasche Säule, eine frühe Form der elektrischen Batterie. Dennoch hielten sich Galvanis Mutmaßungen zur tierischen Elektrizität noch weit bis ins 19. Jahrhundert hinein.

Der Forscher selbst verlor im April 1798 alle seine Ämter. Nachdem Napoleon 1797 im Norden Italiens die Cisalpinische Republik errichtet hatte, sollte er einen Treueeid auf den neuen Staat schwören, den er allerdings verweigerte. Ein Kollege setzte sich für ihn ein. Noch bevor Luigi Galvani seine Ämter wieder antreten konnte, starb er am 4. Dezember 1798.