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Religionen / Archiv | Beitrag vom 16.06.2012

Pilgern als einmaliges Erlebnis

"Dein Weg" kommt in die Kinos

Von Bernd Sobolla

Hollywoodstar Martin Sheen machte sich auf den Jakobsweg. Unter der Regie seines Sohnes Emilio Estévez schlüpfte der bekennende Katholik in die Rolle eines Vaters, der seinen Sohn verliert und schulterte seinen Filmrucksack, um den Jakobsweg zu gehen. Der Film trägt den schlichten Titel "Dein Weg" und kommt am 21. Juni in die Kinos.

"Dein Weg"
"Du solltest mitkommen! / Was? / Du solltest mitkommen! / Ja, unbedingt. / Also kehre um und packe deinen Koffer! Nimm deinen Pass, vergiss die Golfschläger. Komm, eine Vater-Sohn-Reise, das macht Spaß. / Wann kommst du zurück? / Keine Ahnung."

Es wäre die Chance gewesen, wieder einmal etwas gemeinsam zu erleben. Aber der etwa 60-jährige Tom, ein erfolgreicher amerikanischer Augenarzt, hat sie nicht genutzt. Dabei hätte ihn sein Sohn Daniel gern mit auf den Jakobsweg genommen. So aber kommt alles anders. Gleich am ersten Tag in den Pyrenäen gerät Daniel in ein Gewitter und verunglück. Tom fliegt nach Europa, um ihn zu identifizieren. Doch als er Daniels Sachen sieht, hat er eine Eingebung.

"Dein Weg":
"Mr. Avary, verzeihen Sie bitte. Aber sie sind nicht vorbereitet auf diesen Weg. Sie haben keine Ausrüstung. / Hier ist der Rucksack von meinem Sohn und seine Sachen ebenfalls. / Aber sie haben für den Weg nicht trainiert. Und bei allem Respekt, sie sind über 60 Jahre alt. / Also brauche ich etwas länger als die meisten."

So macht sich Tom auf den Weg, den "Camino". Seine Beweggründe bleiben unklar: Vielleicht will er den Weg vollenden, den sein Sohn begann, will erfahren, was ihn an der Pilgerschaft faszinierte. Vielleicht will er aber auch fernab vom Alltag über ihre gemeinsame Zeit nachdenken.

Auf jeden Fall ist "Der Weg" ein großes Familienprojekt. Denn Emilio Estévez, der den Daniel spielt und zugleich Regisseur des Films ist, ist auch im echten Leben der Sohn von Martin Sheen, alias Tom. Die Idee zu dem Film entstand 2003, als Martin Sheen mit seinem Enkel einen Teil des Jakobsweges ging. Angetan von der Stippvisite und der Tatsache, dass sein Enkel in Burgos die Frau seines Lebens fand, überzeugte er seinen Sohn Emilio, einen Film über den Pilgerweg zu drehen. Allerdings ging es Emilio Estévez dabei eher um eine allgemeine Sinnsuche.

Emilio Estevez: "”Ich denke, der Film ist besonders für junge Leute wichtig. Denn ständig suggerieren uns die Medien, dass wir schlanker, schöner oder reicher sein müssten. Aber nichts davon macht uns glücklich.""

Auf dem Jakobsweg verteilt Tom die Asche seines Sohnes, und er lernt andere Pilger kennen, die nicht gerade tiefgläubig wirken, zum Beispiel die kettenrauchende Sarah.

"Der Weg":
"Also sind sie auf Pilgerfahrt, um ihr Leben zu ändern!? / So was Ähnliches. / Halt, sagen Sie es mir nicht! Sie haben eine schreckliche Scheidung hinter sich, und sie hat alles genommen. Oder sie möchten ein paar junge Dinger kennenlernen, wie in ihren glanzvollen Studienzeiten. Ah, jetzt weiß ich es: Sie tun Buße dafür, dass sie die Pensionäre ihrer Firma bei einem Börsenskandal verarscht haben. / Sie klingen sehr wütend."

Bald schließen sich den beiden der übergewichtige Holländer Jost an sowie Jack, ein irischer Reisereporter, der unter einer Schreibblockade leidet. Das schräge Quartett legt dabei ein Tempo vor, das man nur durchtrainierten Sportlern zutrauen würde. Es kämpft sich über die holprigen Straßen des Camino und durch das etwas konstruiert wirkende Drehbuch. Aber der betörende Soundtrack aus Liedern von The Shins, James Taylor und Coldplay gleicht diese Schwächen aus und die Landschaftsaufnahmen faszinieren zusätzlich.

Geschickt hat Emilio Estévez den Film inhaltlich aufgebaut: So lässt er den Schriftsteller Jack die historische Entwicklung des Jakobsweges erzählen.

"Der Weg":
"Ich meine, wie befolgt man den Codex Calixtinus überhaupt? / Den was? / Codex Calixtinus - Liber Sancti Jacobi. / Anhänger des Jakobswegs sehen ihn als den ersten Reiseführer. / Das ist richtig. Er ist die Quelle. Und er wird in Schriften von Papst Calixtinus dem II. im 12. Jahrhundert zugeschrieben. Es ist ein Wunderwerk unterteilt in fünf Teile."

Wobei Jack auch die allgemeinen Beweggründe der Pilger erläutert.

"Die meisten Pilger, die ich befragt habe, sagen sie gehen nach Santiago aus religiösen, kulturellen oder historischen Gründen."

Die Beweggründe der Protagonisten, sich auf diesen Weg zu begeben, deutet Regisseur Estévez dagegen nur an, was unaufdringlich und überzeugend wirkt: Joost steckt voller Ängste, die er überwinden will; Sarah hat in der Ehe Gewaltexzesse erlebt, und Jack hat die Verbindung zu seinem Innern verloren. Und Tom wird für die drei allmählich zu einer Art Vaterfigur, die er für seinen Sohn nie sein konnte.

"Der Weg":
"Weniger als fünf Prozent sind hier, weil sie ein Wunder erwarten. Wunder sind heutzutage aber selten, Jack."

Und doch, so beschreibt es Emilio Estévez, wurde die Filmproduktion von kleinen Wundern begleitet: Die Zusammenarbeit mit dem spanischen Filmteam verlief perfekt, obgleich diese kaum englisch sprach, als erste Spielfilmproduktion durften sie in der Kathedrale von Santiago de Campostela drehen. Und dann gab es noch die Warnung, nicht in der Regenzeit loszuziehen.

Emilio Estévez: "”Uns sind auf dem Camino echte Wunder passiert. Man sagte, dass uns in dieser Zeit der Regen wegschwemmen würde. Dass wir für unseren 40-Tage-Drehplan 60 Tage brauchen würden. Es wäre unmöglich, ihn umzusetzen. Und dann regnete es genau zweimal, und zwar an Tagen, an denen wir Innenaufnahmen machten. Am Ende der Reise hatte ich aufgehört, das Wort Zufall zu benutzen.""

Wer vom Film die Geschichte einer rein religiösen Sinnsuche erwartet, wird vielleicht etwas enttäuscht sein. Aber so wie nur wenige Leute auf dem Jakobsweg eine spirituelle Offenbarung erwarten, so werden auch die religiösen Momente des Films zurückhaltend inszeniert. Weder beim Gebet noch in der Kathedrale von Santiago de Campostela schlagen die Emotionen hoch. Und auch nicht auf dem Weg, wenn Tom ab und zu seinen Sohn inmitten anderer Pilger zu sehen glaubt. Aber für Martin Sheen zeigt der Film etwas viel Entscheidenderes, das letztendlich auch als religiöse Botschaft gedeutet werden kann.

Martin Sheen: "”Oftmals können wir einen Verlust, den wir erleben, nur heilen, indem wir anderen helfen und in dem wir den Verlust mit ihnen teilen – in einer Gemeinschaft. Denn egal wie schlecht es dir geht, es gibt immer andere, denen es schlechter geht. Und das vermittelt der Film unterschwellig.""