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Mahlzeit / Archiv | Beitrag vom 01.07.2012

Pfefferminzbonbons mit Zucker wirken besser

Erfrischendes aus der Forschung

Von Udo Pollmer

Nicht nur das Öl in der Pfefferminze ist wirksam.
Nicht nur das Öl in der Pfefferminze ist wirksam. (AP Archiv)

Das berühmte Monell-Zentum für Geschmacksforschung in Philadelphia hat eine verblüffende Beobachtung gemacht: Pfefferminzbonbons helfen bei Husten nicht nur wegen ihres Mentholgehalts, sondern in erster Linie wegen des enthaltenen Zuckers.

Eine aktuelle Entdeckung des Monell-Zentrums für Chemische Sinne in Philadelphia hat die Fachwelt ziemlich überrascht. Die Mitarbeiter des Zentrums haben nämlich herausgefunden, dass Pfefferminzbonbons bei Husten helfen. An sich wussten wir das schon lange. Das liegt nun mal an der kühlenden Wirkung des Menthols, dem wichtigsten Aromastoff im Pfefferminzöl. Die betäubende Kälte lindert den Hustenreiz. Doch dieser Effekt kommt laut Monell erst an zweiter Stelle: Der Zucker war gegen den Hustenreiz noch wirksamer als das Menthol.

Das hilft, eine bisher schwer erklärliche Beobachtung zu begreifen: "Die Abnahme der Empfindlichkeit gegenüber dem Hustenreiz durch Zucker oder Menthol", schreiben die Forscher, "könnte helfen, zu verstehen, warum Hustensäfte ohne medizinischen Wirkstoff meist fast genauso wirksam sind, wie Hustensäfte mit einem Arzneimittel". Will sagen: Die eigentlichen Wirkstoffe des Hustensaftes sind Zucker und Pfefferminz - und das, was Arzt und Apotheker noch als Medizin hineinrühren, können wir in Anbetracht des Zitats aus Expertenmund schlicht als Placebos bezeichnen.

Und warum hat man das bisher nicht gemerkt? Weil es niemand untersucht hat - denn Zucker, das weiß jedes Kind, ist ja "ungesund". Die Sache mit dem medizinischen Wirkstoff entbehrt nicht einer gewissen Tragik. Denn früher wurden die Hustensäfte für Kinder mit einem Wirkstoff namens Codein versetzt. Bis man aufgrund von Hustensaft-Rezepten, die von Jugendlichen gefälscht worden waren, herausfand, dass man mit den Hustensäften Opiumsüchtige herangezogen hatte. Denn manche Menschen verstoffwechseln das Codein zu Morphin, der eigentlichen Droge des Opiums.

Der damalige Codeinskandal von 1985 in Deutschland ist schon vergessen. Die ähnlich wirkenden Nachfolgemedikamente des Codeins - namentlich das Dextromethorphan - haben dazu geführt, dass in den USA der Hustensaft von Kindern und Jugendlichen inzwischen als Droge missbraucht wird. Weit über zwei Millionen Halbwüchsige sollen Hustensaft als Halluzinogen benuten. Die Wirksamkeit von Dextromethorphan bei Husten ist höchst zweifelhaft. Simpler Honig ist der Droge im klinischen Test deutlich überlegen. Gegen heiße Milch mit Honig dürfte kaum noch eine Arznei anstinken können.

Aber viele Verbraucher achten beim Kauf von Hustensäften und Hustenbonbons darauf, dass die Produkte "zuckerfrei" sind. Selbst wenn Millionen von jungen Menschen mit Hustensäften den Abflug aus der Realität proben, beschäftigt sich die Gesellschaft mit dem Kampf gegen die "Droge Zucker", vor der die Kinder geschützt werden müssten. Ich frage mich manchmal, was unsere Gesundheitsexperten in ihrer Jugend wohl für komisches Zeug geraucht haben.

Apropos Rauchen: Früher wurden Zigaretten mit Menthol sogar vom Arzt verordnet. Asthmatiker haben auf ärztliches Drängen durch Quarzen den Hustenreiz bekämpft. Die Menthol-Glimmstengel waren wegen dieses Effektes natürlich auch bei Gesunden beliebt. Denn sie halfen, das reflexartige Husten beim Inhalieren von Tabakrauch zu vermindern. Insofern war das Menthol überspitzt formuliert eine Einstiegsdroge für das Nikotin.

Dabei bietet Menthol beziehungsweise Pfefferminze nicht nur bei Husten eine Erleichterung. Es ist gerade in der heißen Jahreszeit eine wunderbare Erfrischung. Die Wirkung erfolgt über die Aktivierung von Kälterezeptoren - ohne dass sich die Temperatur im Mund ändert. Die Rezeptoren signalisieren dem Gehirn dann einfach nur das angenehme Gefühl von Frische. Mahlzeit!

Literatur:
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Roth HJ: Ein Aromat - eine Kette - ein Stickstoff. Deutsche Apotheker Zeitung 1985; 125: 214-217
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Mutschler J et al: Dextromethorphan: Entzugs- und Abhängigkeitssyndrom. Deutsches Ärzteblatt 2010; 107: 537-538
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Blaschek W et al (Hrsg.): Hagers Handbuch der Drogen und Arzneistoffe. CD-ROM; Springer, Heidelberg 2005
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Paul IM et al: Effect of honey, dextromethorphan, and no treatment on nocturnal cough and sleep quality for coughing children and their parents. Archives of Pediatrics and Adolescent Medicine 2007; 161: 1140-1146