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Buchkritik | Beitrag vom 02.11.2016

Peter Ward/Joe Kirschvink: "Eine neue Geschichte des Lebens"Evolution völlig neu geschrieben

Von Johannes Kaiser

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Satellitenaufnahme der Erdkugel (picture-alliance / dpa - DB Nasa)
Satellitenaufnahme der Erdkugel (picture-alliance / dpa - DB Nasa)

Darwins Evolutionstheorie verliert mit diesem Buch an Bedeutung: In "Eine neue Geschichte des Lebens" erklären Peter Ward und Joe Kirschvink, warum vor allem Katastrophen die Evolution bestimmt haben sollen - und berichten von zwei Meter langen Tausendfüßlern.

Von der Amöbe bis zum Menschen – oft wird die Geschichte der Evolution als stetiges Voranschreiten von einfachen zu höher entwickelten Lebensformen dargestellt. Nach Ansicht von Peter Ward und Joe Kirschvink, erster Paläontologe und Professor für Biologie, der andere Professor für Geobiologie, ist das ein Irrtum: entscheidend waren Katastrophen, in deren Folge es zunächst zum Massensterben und anschließenden einer Entwicklung neuer Arten kam. Darwin Evolutionstheorie verliert damit an Bedeutung. Allein das macht dieses Buch schon interessant.

Insgesamt zehnmal kam es im Verlauf der Erdgeschichte zu solch einem Massensterben, so die Autoren, und zwar immer dann, wenn es zu einem extrem hohen Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre kam und einer damit verbundenen dramatischen Klimaerwärmung. Was die Autoren als eine deutliche Warnung für den derzeitigen Weltzustand werten.

Zehn Massenaussterben soll es gegeben haben

Ausführlich und wissenschaftlich anspruchsvoll stellen Peter Ward und Joe Kirschvink im Verlauf ihres Buches verschiedenen Theorien der Weiterentwicklung des Lebens vor. Dabei dringen sie tief in die Biochemie, die Genetik und die Botanik vor. Stellen verschiedene Hypothese vor, um sie nicht selten anschließend langatmig zu widerlegen. Zumal immer genauere Datierungen der Fossilien und Analysen der Gesteinsschichten beweisen, dass es nicht nur fünfmal, wie Forscher bislang annehmen, sondern zehnmal zu einem solchen Massenaussterben kam. Ganze Artengruppen verschwanden in dessen Folge auf Nimmerwiedersehen.

Wichtigstes Ergebnis für die Evolution: die wenigen Überlebenden hatten plötzlich viel Raum, sich auszubreiten und sich weiterzuentwickeln. Die Konkurrenten waren gestorben. Durch Mutation und Auslese bildeten sich neue Arten.

Dabei kam es bisweilen zu kuriosen Entwicklungen. Da Tiere Sauerstoff zum Atmen brauchen, bestimmt auch der Sauerstoffgehalt der Luft, wie groß sie werden können. Als der vor rund 320 Millionen Jahren auf über 30 Prozent anstieg, konnten Tiere mit sehr einfachen Atmungsorganen riesig werden: Eintagsfliegen hatten eine Flügelspannbreite von 48 Zentimetern, Tausendfüßer und Skorpione wurden bis zu zwei Meter groß.

Je geringer der Sauerstoffgehalt, desto kleiner die Insekten, desto größer der evolutionäre Druck, bessere Atemorgane wie die Lunge auszubilden.

Spuren jener Gene, die alle Katastrophen überlebt haben

Es sind immer wieder beeindruckende und faszinierende Erkenntnisse, die Peter Ward und Joe Kirschvink über die Geschichte der Evolution ausbreiten. Dabei zeigen sie vor allem eines: Zahllose Zweige des Lebens sind ausgestorben. Es gibt keine gradlinige Weiterentwicklung.

In unserer Erbmasse, unserer DNA finden sich die Spuren jener Gene, die all diese Katastrophen überlebt haben. Ohne das wiederholte Massenaussterben hätte die Evolution möglicherweise einen ganz anderen Weg beschritten.

Peter Ward/Joe Kirschvink: "Eine neue Geschichte des Lebens – Wie Katastrophen den Lauf der Evolution bestimmt haben"
Übersetzt von Sebastian Vogel
DVA, München 2016
544 Seiten, 29,99 Euro

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