Seit 13:05 Uhr Sein und Streit
 
Sonntag, 29. Mai 2016MESZ13:31 Uhr

Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 22.11.2015

Persönliches PlädoyerGegen Olympia in Hamburg

Von Klaus Blume

Beitrag hören
Die Flagge weht schon in Hamburg (picture-alliance/ dpa / Ulrich Perrey)
Die Flagge weht schon in Hamburg, ob die Olympischen Spiele dort stattfinden ist ungewiss. (picture-alliance/ dpa / Ulrich Perrey)

Der Sportjournalist Klaus Blume wohnt in Hamburg. Trotzdem argumentiert er gegen die für 2024 geplanten Olympischen Spiele vor seiner Haustür. Er wird gegen die Bewerbung der Hansestadt stimmen - auch weil sich bislang alles nur um Geld dreht.

Jahrelang habe ich davon geträumt: Olympische Spiele direkt vor meiner Haustür! Mit dem Fahrrad zur Arbeit, auf die Pressetribüne. Doch bevor es dazu kommen kann, müssten meine hamburgischen Mitbürger mit mir am nächsten Sonntag erst einmal für die Olympiabewerbung stimmen. Aber will das die Mehrheit wirklich? Die meisten der Über-60-jährigen sind laut FORSA dafür, aber fast alle der unter 29-Jährigen strikt dagegen. Darunter interessanterweise auch Fußball-Zweitligist FC St. Pauli. Der Verein empfiehlt seinen Mitgliedern und Anhängern unter seiner ganz besonderen Sicht die Spiele abzulehnen.

Die Gegner, so wie ich, meinen, Hamburg braucht die Spiele als Publikum-Magnet nicht. Denn die Stadt ist doch längst ein weltweiter Anziehungspunkt für Kunst- und Kulturfreunde geworden: Als Europas Musical-Hauptstadt Nummer eins; durch die Elbphilharmonie und fünf weitere Konzerthallen auch für die klassische Musik. Auch Galerien und Museen sind meist überfüllt. Und wo wenn nicht sonst in Deutschland spielen allabendlich 34 Theater auf?

Sportbetrug, Tristesse und Big-Business

Gewiss, auf dem geplanten Olympiagelände zwischen der versumpften Elbinsel Grasbrock und der feinen Hafencity sollen nach den Spielen hunderte von bezahlbaren Wohnungen entstehen. Doch Ähnliches haben auch jene erhofft, die vor den Spielen 2012 in London ins Umland gezogen sind. Heute drücken sie Kredite und hohe Mieten.

Von den zwölf Olympischen Spielen, die ich besucht habe, ist mir nur Barcelona 1992 positiv im Gedächtnis geblieben. Dort haben sich der Geist Olympias und die Stadt zu einer unvergesslichen Magie verwoben. Ansonsten aber überwiegen bis heute Sportbetrug, Tristesse und Big-Business.

Auch in der Hansestadt wird ausschließlich über das große Geld diskutiert und kaum über die positiven Auswirkungen, die ein sportliches Großereignis wie die Olympischen Spiele auf Hamburg haben könnten. Doch das ist nicht mehr meine Welt.

Zu den Vor- und Nachteilen Olympischer Spiele haben wir mit dem ehemaligen Hockey-Weltmeister Moritz Fürste gesprochen, der Olympia 2024 in Hamburg befürwortet und mit Jens Gauger, einem passionierten Marathonläufer und Mitglied der Initiative "Stop Olympia Hamburg". Hören Sie hier die beiden Teile des Gesprächs:

Mehr zum Thema

Hamburgs Olympia-Bewerbung - Ein knappes Rennen
(Deutschlandfunk, Hintergrund, 20.11.2015)

Olympia-Bewerbung - Hamburg liegt knapp vor Berlin
(Deutschlandradio Kultur, Aktuell, 10.03.2015)

Nachspiel

Kraft trainieren im AlterMuskeln für ein längeres Leben
Ein älterer Mann beim ausgiebigen Training der Arme an einem speziellen Trainingsgerät.  (pichture alliance / Klaus Rose)

Die Zeiten, in denen älteren Menschen ausschließlich zu lockerer Ausdauerbelastung geraten wurde, sind vorbei. Stattdessen rückt die Bedeutung vom regelmäßigem Training auch in höherem Alter in den Fokus - wer dem Pflegeheim entrinnen möchte, sollte sich ins Fitnessstudio begeben. Mehr

Fußball-BundesligaPoker um die TV-Rechte
Fußball ist im Fernsehen allgegenwärtig (imago Sportfoto)

Die Bundesliga will die Rechte an der Übertragung der Spiele teurer verkaufen als bisher. Und auf mehr Sender verteilen. Der bisherige Monopolist bei den Live-Rechten Sky bekommt also Konkurrenz. Womöglich steigt RTL oder der Axel Springer Verlag ein.Mehr

Zehn Jahre DOSB Wenig Grund zur Freude
(picture alliance / dpa / Arne Dedert)

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat am Freitag den 10. Jahrestag der Gründung gefeiert. Neben einem Konzept für den Spitzensport fehle auch eines für den Breitensport, kommentiert Wolf-Sören Treusch. Eine Erfolgsgeschichte sei das sicher nicht.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

fghjghj