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Studio 9 | Beitrag vom 15.12.2014

Pegida-Demonstrationen"Es gibt einen Extremismus der Mitte"

Interview mit Oliver Decker, Psychologe und Soziologe an der Universität Leipzig

Teilnehmer der Aktion "Abendspaziergang" in Düsseldorf - einem Ableger der Gruppe "Pegida" aus Dresden. (picture alliance/dpa/Caroline Seidel)
Teilnehmer der Aktion "Abendspaziergang" in Düsseldorf - einem Ableger der Gruppe "Pegida" aus Dresden. (picture alliance/dpa/Caroline Seidel)

Die Anhänger der Pegida-Bewegung grenzen sich von rechtsradikalen Strömungen ab, sie seien die gesellschaftliche "Mitte". Durch ihre Islamfeindlichkeit offenbare sich Pegida allerdings als eine undemokratische und rechtsextreme Gruppe, sagt Oliver Decker, Mitautor der "Mitte-Studie".

Pegida steht für "Patriotische Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes". Die Anhänger dieser Bewegung treten bürgerlicher auf als Hooligans, auf ihren Demonstrationen rufen sie: "Wir sind das Volk". Pegida selbst sieht sich als Gruppe der "Mitte" der Gesellschaft.

"Tatsächlich ist es so, dass von der Mitte ausgehend ein eigener Extremismus bestehen kann, der sich gegen die Demokratie richtet", sagt Oliver Decker. Dieser Umstand könne Menschen mobilisieren, die für sich selber in Anspruch nehmen würden, nicht rechtsextrem zu sein.  

Die Pegida-Gruppe würde ein demokratisches Grundrecht in Anspruch nehmen, damit aber das, was eine Demokratie ausmache, beschneiden wollen, meint Decker. "Dass es so etwas gibt, wie eine Bedrohung europäischer Kultur und eine Bedrohung aus dem Nahen Osten (...) - dieses Gefühl ist sehr stark durch eine ethnische Homogenität geprägt", sagte Decker. Die Gruppe werde als homogen wahrgenommen als Schicksalsgemeinschaft, die sich gegen eine fremde Gemeinschaft schützen müsse. "Das ist selber auch antidemokratisch und rechtsextrem", sagt Decker.

Dabei hatten Decker und sein Team in Leipzig in ihrer aktuellen "Mitte-Studie" belegen können, dass die Ausländerfeindlichkeit einen Tiefstand erreicht habe. Entwarnung würden die Forscher allerdings nicht geben. Denn anstelle der Ausländerfeindlichkeit sei die Islamophobie getreten - als "Einstiegsdroge" in den rechten Extremismus.

Alle zwei Jahre erforschen Oliver Decker und sein Team in Leipzig die "Mitte" der Gesellschaft. Nach den aktuellen Ergebnissen ist jeder fünfte Deutsche ausländerfeindlich eingestellt, auch wenn die Zustimmung zu rechtsextremen Aussagen im Vergleich zu den Vorstudien gesunken ist. Die zweithöchsten Zustimmungswerte erreichen mit 13,6 Prozent chauvinistische Aussagen, fünf Prozent der Deutschen sind eindeutig antisemitisch. Chauvinismus und Ausländerfeindlichkeit sind in Ostdeutschland noch immer häufiger zu beobachten als in Westdeutschland. 

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