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"Parada"

Eine skurrile Komödie über Homophobie von Srdjan Dragojevic

Von Anke Leweke

Der homophobe Limun, Kriegsveteran und Leiter eines Sicherheitsdienstes, soll auf Druck seiner Verlobten Pearl die "Gay Pride Parade" in Belgrad beschützen. Dazu trommelt er eine Truppe aus Söldnern aus dem ehemaligen Jugoslawien an. Das Ergebnis ist eine tragisch-komische Groteske.

Dieser Film und seine Handlung sind eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, genauso wie sein Erfolg. Der serbische Regisseur Srdjan Dragojevic erzählt die unglaubliche Geschichte des Schwulenaktivisten Mirko, der in Belgrad trotz Bedrohung durch rechte Schläger und gegen den Widerstand der staatlichen Autoritäten eine Queer Pride Parade abhalten möchte.

Rückendeckung bekommen er und sein Freund Radmilo auf völlig unerwartete Weise. Limun, ein Macho vor dem Herrn und Kriegsveteran, wird von seiner Freundin Pearl gezwungen, für die Sicherheit des schwulen Aufzugs zu sorgen. Dafür soll Mirko im Gegenzug die Hochzeit der beiden organisieren.

Kein Stoff für eine Komödie -könnte man denken. Kein Stoff für einen Film voller absurd-komischer Wendungen. Plötzlich erwischt man sich dabei wie man über allzu gängige Klischees schmunzelt. Natürlich spreizt der rundliche Radmilo beim Kaffeetrinken den kleinen Finger, natürlich hat sein Freund Mirko ein Faible für extravagante Inneneinrichtungen.

Da lässt der Innenarchikekt aus den Doris Day Filmen der Fünfzigerjahre mit seinem Hang zu lila Interieurs grüssen. Doch führt Dragojevic dieses schwule Pärchen nicht vor, vielmehr beobachtet er die beiden mit einer großen Zärtlichkeit.

Er beherrscht so perfekt das Spiel mit den Stereotypen, dass seine Figuren stets noch ein Eigenleben entwickeln können. Auch bei den anderen Personen in diesem Film, dessen komödiantisches Prinzip ohnehin die Grenzüberschreitung ist, schreckt Dragojevic nicht vor stereotyper Charakterisierung zurück.

Der bullige und patriotische Limun ist ein Bilderbuchschläger mit weichem Kern. Old School Machismo trifft auf schwulen Einrichtungswahn, Homophobie auf eine exaltierte Geschlechterinszenierung und eine abgedrehte Filmhandlung auf eine angeschlagene Region. Um weitere Mannen für seine Mission Impossible zu organisieren, wird Limun über den Balkan reisen.

Zusammen mit Radmilo macht er sich auf den Weg, um dubiose und schräge Weggefährten aus Kriegszeiten einzusammeln, die mit ihm für die Sicherheit der Gay Pride Parade garantieren sollen. Ein Serbe, eine Kosovo-Albaner, ein bosnischer Muslim und ein Schwuler - eine wahrhaft utopisches Himmelfahrtskommando sitzt hier zusammengepfercht in einem pinkfarbenden Mini. Doch wie es sich für eine richtige Komödie gehört, schwebt die Tragik der Wirklichkeit über den Pirouetten der absurden Handlung.

Serbien / Kroatien / Mazedonien / Slowenien 2011; Regie: Srdjan Dragojevic; Darsteller: Nikola Kojo, Miloš Samolov, Hristina Popovic, Goran Jevtic, Goran Navojec, Dejan Acimovic, Toni Mihajlovski, Nataša Markovic; Länge: 115 Minuten

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