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Fazit / Archiv | Beitrag vom 09.02.2012

Panik in Versailles

Benoît Jacquot über seinen Berlinale-Eröffnungsfilm "Les adieux à la Reine"

"Les adieux à la reine" von Benoît Jacquot - Eröffnungsfilm der Berlinale 2012 (picture alliance / dpa - Berlinale Press Office)
"Les adieux à la reine" von Benoît Jacquot - Eröffnungsfilm der Berlinale 2012 (picture alliance / dpa - Berlinale Press Office)

Gleich zum Berlinale-Auftakt gab es eine Weltpremiere - einen prachtvollen Kostümfilm aus der Zeit der Französischen Revolution, der die letzten Stunden von Königin Marie Antoinette beschreibt. Gedreht wurde an Originalschauplätzen in Versailles, in den Hauptrollen sind Diane Kruger und Léa Seydoux zu sehen.

Der Eröffnungsfilm der 62. Berlinale "Les adieux à la Reine" ("Leb wohl, meine Königin") spielt 1789, kurz nach der Erstürmung der Bastille. In Versailles ist der gesamte Hofstaat versammelt, allen voran die französische Königin Marie Antoinette, Gemahlin von Ludwig XVI., gespielt von Diane Kruger, die wenig später auf der Guillotine sterben wird.

Benoît Jacquot beleuchtet die dramatischen Ereignisse dieser Tage, einschließlich der Unsicherheit und der Bedrängnis, in der sich der königliche Hof zunehmend befindet, aber nicht aus der Sicht von Marie Antoinette, sondern aus der Perspektive der jungen Kammerzofe Sidonie (Léa Seydoux), ihrer Vorleserin:

"Die Hauptrolle ist natürlich die Vorleserin. Von ihr verfolgen wir von Anfang bis Ende, was sie sieht, aber natürlich auch, was sie nicht sieht."

Gedreht wurde fast ausschließlich an Originalschauplätzen in Versailles, wobei das Schloss "wie ein dritter Charakter" erscheine. Wie Jacquot im Berlinale-Studio des Deutschlandradios sagte, habe er sich nicht vorstellen können, den Film an einem anderen Schauplatz zu drehen.

Er habe den Zusammenbruch einer Epoche und auch die gesellschaftlichen Gegensätze zeigen wollen, die am königlichen Hof aufeinanderprallten: auf der einen Seite die ärmlichen Zimmer der Dienstboten, auf der anderen Seite die prachtvollen Säle der königlichen Familie, die wohl die reichsten ihrer Zeit gewesen sind. Als die Französische Revolution ausbricht, sei diese glanzvolle Welt mit einem Mal dem Untergang geweiht gewesen:

"Es ist wie ein Schiffsbruch, es ist wie eine Katastrophe. Es bricht plötzlich eine Panik aus, und eine Welt bricht unglaublich schnell zusammen, und das ist auch grausam, weil nichts mehr so ist, wie es war."

Auf die Frage, ob dieser Zusammenbruch auch etwas mit aktuellen Umbrüchen zu tun haben könne, sagte Jacquot:

"Da ist bestimmt eine Nähe zu anderen Katastrophen, auch im allgemeineren Sinn, auch Katastrophen unserer heutigen Welt, die auch heute noch geschehen."

Die Entscheidung für die beiden Hauptdarstellerinnen habe er ganz bewusst getroffen. So habe er für die Rolle der Sidonie mit Léa Seydoux eine noch unbekannte Schauspielerin gefunden, "die noch kein wirkliches Image hat, die man als Zuschauer noch nicht mit einem Image assoziiert", die zugleich aber ein junges Mädchen mit großer Zukunft ist. Um sich von Diane Kruger zu überzeugen, habe er sich nur einmal mit ihr treffen müssen:

"Bei diesem Treffen hat sie mich dann vollkommen überzeugt, auch mit dieser Kraft. Und dann war mir klar: Es kann nur sie sein und keine andere. Und für sie war es fast eine Frage wie Leben oder Tod, diese Rolle zu spielen."


Die Berlinale auf dradio.de:

Eine Welt voller Umbrüche im Kino - Die 62. Berlinale beginnt
Unser Programm zur 62. Berlinale - Alle Infos zum Filmfestival
Unser Programm zur Berlinale-Eröffnung am 9. Februar

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