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Tonart | Beitrag vom 24.02.2015

Ottavia Maria Maceratini "Ich wollte auf allem spielen, was spielbar war"

Von Philipp Quiring

Pianistin Ottavia Maria Maceratini (© Maximilian Rossner)
Die Pianistin Ottavia Maria Maceratini (© Maximilian Rossner)

Ottavia Maria Maceratini ist Mitte 20 und hat bereits einiges vorzuweisen: den schwarzen Gürtel in einer Kampfkunst und die Gründung eines Unternehmens. Und Pianistin ist sie auch.

Musik: Heinz Tiessen - Notturno tempestoso

Klein, drahtig, mit strahlenden Augen und einem Lächeln steht die Pianistin Ottavia Maria Maceratini in ihrem 14-Quadratmeter-Zimmer. Hier in München ist seit acht Jahren ihre neue Heimat. Die musikalischen Anfänge der 26-jährigen liegen jedoch hinter den Alpen, in Italien.

"Ich habe angefangen mit Klavierspielen, weil ich in Gregorianik verliebt war. Meine Eltern sangen in einem Laienchor und da ich keine Babysitter hatte, wurde ich auch mitgenommen und dann einfach ich habe angefangen laut in der Kirche gregorianische Lieder zu singen. Meine Oma musste mich dann verstecken oder mir die Hand vor den Mund halten. Ich kannte damals kein Schamgefühl. Dann wollte ich einfach auf allem spielen, was spielbar, auch was unspielbar war. Ob es eine Gitarre war oder ein kleines Klavier oder Töpfe."

Maceratini entscheidet sich letztendlich dann doch lieber für das Klavier und ihre Liebe gilt neben der Gregorianik mittlerweile auch einem Mann: Robert Schumann.

Musik: Schumann Sinfonische Etüden

Clara Schumann, geborene Wieck, mit ihrem Mann, dem Komponisten Robert Schumann auf einer zeitgenössischen Darstellung am Klavier sitzend. (picture alliance / dpa / Ullstein)Clara Schumann, geborene Wieck, mit ihrem Mann, dem Komponisten Robert Schumann, auf einer zeitgenössischen Darstellung (picture alliance / dpa / Ullstein)

"Weil ich eine sehr starke Verbindung zu ihm spüre irgendwie. Ich kann das auch nicht wirklich begründen. Das ist irgendwie genauso, als wenn man fragt: Warum bist du verliebt? Ich weiß es nicht. Ich mag einfach die Musik Robert Schumanns und es spricht mich besonders an. Die Sinfonischen Etüden sind ein Werk, zu dem ich eine große Zuneigung habe. Zuerst aus einem ganz einfachen Grund. Es war wie das Leitmotiv aus unserer Klavierklasse, wo ich studiert habe."

Meditation und hartem Training

Beinahe jedes Jahr spielte ein Student aus der Klasse von Elisso Wirssaladze die Sinfonischen Etüden. Eine Tradition, die Ottavia Maria Maceratini fortführte. Sie gründete als Studentin ihr eigenes Label Aldila und hielt Schumanns Etüden auf CD fest.

Die Sinfonischen Etüden haben für Maceratini einen symbolischen Wert. Aus dem schmerzvollen Anfangsthema in Cis-Moll entwickelt sich von Variation zu Variation eine enorme Kraft.

Musik: Schumann - Sinfonische Etüden

Ottavia Maria Maceratini ist eine junge Power-Frau mit Unternehmergeist und viel kreativem Potential. Ihre persönliche Kraft und Lebensenergie für ihre Projekte zieht sie allerdings nicht nur aus dem Klavierspiel, sondern auch aus Meditation und hartem Training. Maceratini zweite Leidenschaft ist die Kampfkunst "Bujinkan", in der sie mittlerweile mit dem Schwarzgurt den Meistergrad erreicht hat.

"Bunjinkan ist ein Oberbegriff für neun verschiedene Schulen, die im alten Japan unterrichtet wurden und sechs davon sind Samurai-Schulen und drei davon Ninja-Schulen sozusagen. Ich finde diese zwei Künste sind auf einer Ebene sehr ähnlich, wie alle Künste laut meiner Sicht. Dass die Prinzipien überall die gleichen sind. Es gibt eine innere Verfassung. Es geht um die Entdeckung, dass das, was wir tun, nicht in dem Körper anfängt, wie zum Beispiel, - ich erinnere mich als kleines Kind, wenn ich Pianisten angeschaut habe, dann war ich total fasziniert von den Fingern und den Bewegungen. Aber dann - das ist immer mehr, dass die Finger sind nur das letzte Glied von etwas, von einem Prozess, was ganz woanders anfängt. Und es fängt sogar in einem Ort an, was sogar unsichtbar ist - in unserem Inneren."

Musik: Ravel - Des Oiseaux tristes

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