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Kulturnachrichten

Mittwoch, 2. März 2016

Oscar-Gewinner beklagt Judenhass in Ungarn

Warnung vor Renaissance des Antisemitismus in ganz Europa

Der ungarische Regisseur und Oscar-Preisträger Laszlo Nemes beklagt das Verschweigen von Antisemitismus in seiner Heimat. "Ich habe diesen Antisemitismus schon als Kind in Ungarn gespürt. Aber das wird bei uns unter den Teppich gekehrt", sagte Nemes der Wochenzeitung "der Freitag". Rechtsnationale Töne seien in Ungarn auch so laut geworden, da eine Elite, "die ich für keine Elite halte", das Land von oben herab lenke. Zugleich warnte der 39-Jährige vor einer Renaissance des Antisemitismus in ganz Europa. Judenfeindlichkeit sei keine ungarische Erfindung, sie sei europaweit omnipräsent. "Ich glaube, dass ein orthodoxer Jude weder in Paris noch in London oder Budapest oder Berlin so leicht mit einer Kippa durch die Stadt laufen könnte", sagte Nemes. Der Regisseur wurde jüngst für sein Werk "Sauls Sohn" über die NS-Menschenvernichtungsfabrik mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet. Aus seiner Sicht muss immer und immer wieder an den Holocaust erinnert werden. "Wenn die Menschen dieses Phänomen nur als Statistik betrachten, werden sie den Holocaust vergessen. Er würde zu einer Abstraktion. Aber es ist etwas Lebendiges, und es kommt gerade nicht mit Stiefeln auf dem Pflaster daher, sondern mit einem Flüstern", sagte der Regisseur.

Trauer um Prinz von Hohenzollern

Über 20 Jahre wirkte er in Münchens Museumslandschaft

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen trauern um ihren früheren Generaldirektor Johann Georg Prinz von Hohenzollern. Dieser starb im Alter von 83 Jahren, wie die Sammlungen in München mitteilten. Mit ihm verliere Bayern einen "außerordentlich leidenschaftlichen, vielseitigen und profilierten Kunsthistoriker". Von 1985 bis 1991 hatte er als Generaldirektor das Bayerische Nationalmuseum geleitet und anschließend von 1991 bis 1998 als Generaldirektor der Staatsgemäldesammlungen. Danach stand er bis 2006 der Münchner Hypokunsthalle vor.

"FAZ" startet Magazin für jüngere Leser

"Frankfurter Allgemeine Woche" soll jeden Freitag erscheinen

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" will mit einem neuen Wochenmagazin jüngere Leser ansprechen. Die "Frankfurter Allgemeine Woche" starte im Frühjahr für 3,50 Euro, teilte der Verlag mit. Das Magazin soll jeden Freitag erscheinen und zwischen 68 und 76 Seiten dick sein. Zielgruppe sind nach Verlagsangaben Leser ab 29 Jahren. Für das neue Projekt sei intern eine neue Redaktion aufgebaut worden, die von Nikolas Busse, bisher "FAZ"-Politikredakteur, geleitet wird. Das Magazin soll digital und gedruckt erhältlich sein, die Druckauflage zum Start bei 200 000 Exemplaren liegen. Die ersten beiden Ausgaben will der Verlag einem Teil der "FAZ" und der gesamten Auflage der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" beilegen.

Jüdisches Filmfestival fürchtet um seine Existenz

Förderung gestrichen

Das Jüdische Filmfestival Berlin & Brandenburg fürchtet um seine Existenz. Der Hauptstadtkulturfonds habe überraschend seine Förderung von jährlich 100 000 Euro gestrichen, erklärte Festivalleiterin Nicola Galliner. Drei Monate vor der geplanten Eröffnung am 4. Juni sei die Veranstaltung deshalb unmittelbar bedroht. Galliner forderte eine Umkehr der Entscheidung. Sie sei unbegreiflich und "politisch ein geradezu gefährliches Signal". Das Festival ist eigenen Angaben zufolge das größte und traditionsreichste jüdische Filmfest in Deutschland.

Streit um Festivalchef bei Brechtfest

Bleibt Joachim Lang?

Das Brechtfestival in der Geburtsstadt des Dramatikers wird von einem Streit um den zukünftigen Chef des Festes überlagert. Der Vertrag des SWR-Fernsehautors Joachim Lang, der seit 2010 das Festival zu Ehren des in Augsburg geborenen Schriftstellers und Theatermanns Bertolt Brecht leitet, läuft mit dem Ende des derzeit stattfindenden Festivals aus. Obwohl die Beteiligten vereinbart haben, erst nach dem Abschluss am Sonntag (6. März) über die Zukunft zu reden, ist die Diskussion während des Kulturfestes voll entfacht. Die Grünen, die Teil der Augsburger Rathauskoalition sind, forderten, dass Lang keinen neuen Vertrag mehr bekommt und "das Brechtfestival als eines der wichtigsten kulturellen Ereignisse der Stadt ab nächstem Jahr neu aufgestellt wird". Lang attackierte im Gegenzug seine Kritiker. Die Erklärung der Grünen sei ein "ungeheuerlicher Vorgang" mit dem Ziel, "das Festival zu beschädigen". Es tue ihm um die Künstler leid, die das Brechtfestival in dieser Woche gestalteten, sagte Lang.

Templeton-Preis für britischen Rabbi

Jonathan Henry Sacks erhält Preisgeld von 1,1 Millionen Pfund

Der frühere britische Großrabbiner Jonathan Henry Sacks (67) erhält den hoch dotierten Templeton-Preis. Sacks habe in seiner Zeit als Großrabbi (1991 bis 2013) entscheidenden Anteil an der Neubelebung der jüdischen Gemeinde in Großbritannien gehabt. Im Mittelpunkt seiner Botschaft stehe der Respekt vor allen Glaubensrichtungen und Religionen sowie die Einsicht, dass nur dadurch "die weltweite Zunahme von Gewalt und Terrorismus" verhindert werden kann, teilte die Stiftung in London mit. Der Preis ist mit 1,1 Millionen Pfund (1,41 Millionen Euro) dotiert. Ausdrücklich verweist die Stiftung auf Sacks' Eintreten für Frieden zwischen den Religionen. In seinen Büchern habe er betont, dass die Menschen zu oft im Namen Gottes Krieg geführt und sich umgebracht hätten. Der Templeton-Preis geht seit 1972 an Denker, die nach Ansicht der Stiftung herausragende Beiträge zur Suche nach dem Sinn des menschlichen Seins und zum Verständnis von Spiritualität beigetragen haben.

Iranischer Musiker nimmt Pöbelei im Konzertsaal gelassen

Mahan Esfahani will wieder in Köln spielen

Trotz heftiger Reaktionen des Publikums will der iranische Musiker Mahan Esfahani bald nach Köln zurückkommen. "Klar", sagte der in Großbritannien lebende Cembalist dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Im April bin ich für Aufnahmen beim Deutschlandfunk in der Stadt." Und im März nächsten Jahres werde er in der Philharmonie jenes Stück noch einmal spielen, das er dort nun habe abbrechen müssen. Das bestätigte auch die Philharmonie. Esfahani hatte mit dem Stück von Steve Reich aus den 60er Jahren aufgehört, nachdem viele der 1800 Zuhörer mittendrin geklatscht oder auch gelacht und dazwischengerufen hatten. "Wovor haben Sie Angst?", fragte er das Publikum auf Englisch. Darauf erntete er Zurufe wie: "Sprich Deutsch!" In den sozialen Netzwerken wurde der Vorfall intensiv diskutiert. Dabei ging es vor allem um die Frage, ob die Pöbelei im Konzertsaal Ausdruck einer neuen Fremdenfeindlichkeit sei. Esfahani selbst brachte die aufgebrachten Reaktionen in einer Stellungnahme für die Klassik-Website Slipped Disc nicht mit Rassismus in Verbindung. Nachvollziehen kann er den Ärger allerdings nicht: Die Komposition von Reich sei nun wirklich keine Avantgarde, sagte er.

ARD-Sender gewinnen Hörer dazu

Durchschnittshörer hört 189 Minuten Radio am Tag

Auf dem deutschen Radiomarkt haben die öffentlich-rechtlichen Sender ihre führende Stellung gefestigt. Rund 37,74 Millionen Menschen schalten täglich die ARD-Wellen ein. Das ist ein Zugewinn von 0,7 Prozent. Die private Konkurrenz (31,2 Millionen Hörer) büßt dagegen ein halbes Prozent ein. Dies geht aus der in Frankfurt vorgelegten neuen Media-Analyse (MA) hervor. Ein Zusammenschluss der Medien- und Werbewirtschaft ermittelt zweimal jährlich die Reichweiten auf dem Hörfunkmarkt. Bundesweit wurden knapp 80 000 Bürger nach ihren Lieblingssendern telefonisch befragt, mehr als zehn Prozent auch über Mobilanschlüsse. Darunter waren auch Kinder und Jugendliche von zehn bis 13 Jahren sowie deutschsprachige Ausländer. Deutschlandradio Kultur wird weiter werktäglich von 469 000 Hörern eingeschaltet. Insgesamt bleibt der Zuspruch fürs Medium Radio auf sehr hohem Niveau. Die Hörerschaft aller Sender hat sogar um 0,4 Prozent leicht zugenommen. Fast vier von fünf Bürgern (77,7 Prozent) nutzen täglich von Montag bis Freitag das Radio. Jeder davon hört im Schnitt 189 Minuten zu.

Theaterregisseurin Hümpel bekommt Konrad-Wolf-Preis

Preis wird am 13. September übergeben

Die Jury lobt die skurrilen Bilder: Die Theaterregisseurin Nicola Hümpel bekommt in diesem Jahr den mit 5000 Euro dotierten Konrad-Wolf-Preis. Das teilte die Berliner Akademie der Künste mit. Hümpel habe 1998 in Berlin das Ensemble Nico and the Navigator mitgegründet. Die Gruppe beschäftigte sich seit ihren Anfängen "mit den Absurditäten und Abgründen menschlicher Verhaltensrituale", erklärte die Jury. "Sie schaffen skurrile Bilder, in denen die Körper der Navigatoren in einer eigenen Bewegungssprache zur Erzählung werden", heißt es in der Mitteilung. Es fänden sich Schauspieler, Tänzer, Sänger, Musiker, Architekten und Bildende Künstler zusammen. Die Stücke der Company seien weltweit bisher in mehr als 50 Städten zu sehen gewesen. Hümpel (geboren 1967 in Lübeck) soll den Preis am 13. September in Berlin entgegen nehmen.

Skulptur von Isa Genzken vor Central Park aufgestellt

"Zwei Orchideen" erst zum zweiten Mal öffentlich ausgestellt

Die Skulptur "Zwei Orchideen" der deutschen Künstlerin Isa Genzken ziert für die kommenden sechs Monate den Eingang des New Yorker Central Parks. Die zwei acht und zehn Meter hohen Orchideen aus Stahl wurden am Südosteingang des Parkes in Manhattan aufgestellt. Organisiert hat die Ausstellungsaktion der Public Art Fund, der sich in New York für Kunst im öffentlichen Raum einsetzt. Die Skulptur war vorher erst ein Mal, bei der diesjährigen Biennale in Venedig, öffentlich ausgestellt. Die 1948 im schleswig-holsteinischen Bad Oldesloe geborene Künstlerin Genzken ist vielen New Yorkern bereits bekannt: 2014 hatte sie eine große Retrospektive im Museum of Modern Art (MoMA), zudem ist eine Rosen-Skulptur von ihr seit Jahren an verschiedenen Orten in der Millionenmetropole zu sehen.

Bundeskartellamt eröffnet Verfahren gegen Facebook

Verdacht, dass Facebook seine marktbeherrschende Stellung missbrauche

Nach dem jahrelangen Druck deutscher Datenschützer steht Facebook nun auch im Visier des Bundeskartellamts. Die Wettbewerbsbehörde gehe in einem Verfahren dem Verdacht nach, dass Facebook bei den Vertragsbestimmungen zur Verwendung von Nutzerdaten seine mögliche marktbeherrschende Stellung missbrauche, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Eine Facebook-Sprecherin erklärte in einer ersten Reaktion: "Wir sind überzeugt, dass wir das Recht befolgen und werden aktiv mit dem Bundeskartellamt zusammenarbeiten, um dessen Fragen zu beantworten." Facebook erhebe von seinen Nutzern in großem Umfang persönliche Daten und ermögliche durch die Bildung von Nutzerprofilen Werbekunden ein zielgenaues Werben, teilte das Bundeskartellamt mit. Es müsse geprüft werden, "ob die Verbraucher über die Art und den Umfang der Datenerhebung hinreichend aufgeklärt werden". Es gebe erhebliche Zweifel an der Zulässigkeit der Vorgehensweise des Unternehmens, betonte die Behörde.

Gurlitt-Cousine legt Beschwerde gegen Gutachten ein

War Cornelius Gurlitt testierfähig?

Im Rechtsstreit um das Testament des Kunstsammlers Cornelius Gurlitt ist noch immer kein Ende in Sicht. Seine Cousine hat vor dem Oberlandesgericht (OLG) München drei Gegengutachten vorgelegt, die beweisen sollen, dass Gurlitt nicht Herr seiner Sinne war, als er sein Testament verfasste. Das teilten ihre Anwälte in München mit. Das OLG bestätigte den Eingang der Stellungnahme. Ein Sachverständiger war zuvor in einem 146 Seiten langen medizinischen Gutachten dagegen zu dem Schluss gekommen, Cornelius Gurlitt sei testierfähig gewesen und habe seine Kunstschätze im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte an das Kunstmuseum Bern vererbt. Die Cousine Uta Werner erhebt selbst Anspruch auf das millionenschwere Erbe und die Kunstsammlung, deren Fund die Kunstwelt 2013 in Atem hielt.

Autorin fand Literaturpreis-Mitteilung im Spam-Ordner

Windham-Campbell-Preis mit 150 000 US-Dollar dotiert

Die australische Schriftstellerin Helen Garner hat einen hoch dotierten Literaturpreis gewonnen, die Mitteilung darüber aber fast verpasst. Die 73-jährige Autorin übersah die E-Mail der Preisstifter zunächst, weil sie in ihrem Spam-Ordner gelandet war, wie sie der Zeitung "Sydney Morning Herald" sagte. Dann ging sie davon aus, dass es sich um eine Scherz- oder Werbemail handelte. Ein Anruf bei ihrem Verleger überzeugte sie dann. "Ich bin fast aus den Latschen gekippt", sagte Garner der Zeitung. Die Schriftstellerin hat in den vergangenen 20 Jahren Bücher über besonders aufsehenerregende Justizfälle geschrieben. Sie bekam den Preis in der Kategorie "Sachliteratur". Auf deutsch sind etwa ihre Romane "Das Zimmer" und "Das Haus an der Bunker Street" erschienen.

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