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Konzert / Archiv | Beitrag vom 15.01.2016

Orchestre Philharmonique de Radio FranceOrchestrale Rauferei

Aufzeichnung aus Paris

der Dirigent Jakub Hrůša (Zbynek Maderyc/DSO)
Jakub Hrůša leitete in Paris ein Konzert mit Musik von Roussel und Martinů (Zbynek Maderyc/DSO)

Eine intensive Lehrer-Schüler-Beziehung spiegelt dieses Programm der Pariser Radiophilharmoniker: Es gab Musik von Albert Roussel und Bohuslav Martinů, von ihm u.a. die orchestrale Rauferei "La Bagarre". Ein kompetenter Gastdirigent leitete den Abend - der junge Tscheche Jakub Hrůša.

Paris habe ihn aufgeklärt und ihm gezeigt, dass er ein tschechischer Musiker sei. Das schrieb der tschechische Komponist Bohuslav Martinů im Rückblick über seine Pariser Lehr- und Arbeitsjahre. Die dauerten von 1923 bis zu seiner Flucht vor der deutschen Besetzung 1940. Ohne es vorher zu ahnen, fand er in Albert Roussel, dem nordfranzösischen Kollegen, einen geeigneten Meister, der ihn mit sanftem Druck und subtiler Anleitung auf den richtigen Weg als Komponist führte. Roussel habe seine Gedanken in die richtige Reihenfolge gesetzt, ohne dass er davon selbst etwas bemerkt habe, beschrieb Martinů später die Arbeitsweise des 21 Jahre älteren Kollegen.

Das Konzert des Orchestre Philharmonique de Radio France im Auditorium des Radiohauses am 8. Januar würdigte in musikalischer Form diese Lehrer-Schüler-Beziehung. Zwei Werke Albert Roussels, die seine bekanntesten sein dürften, rahmten zwei Stücke Martinůs ein. Diese beiden wiederum stammen aus jenen Pariser Jahren des tschechischen Komponisten, in denen er mithilfe seines Mentors bereits seinen eigenen Stil gefunden hatte - nach einigen schmerzlichen Emanzipationserfahrungen freilich. Welcher junge Musiker konnte in jener Zeit schon einen Bogen machen um den Impressionismus, die Moderne à la Strawinsky und die besonderen Formen des Jazz?

Das rasante Orchesterallegro "La Bagarre" (Rauferei) zeichnet mit musikalischen Mitteln das Zusammentreffen von vielen Menschen nach, die reichlich aufgeregt sind, weil es irgendetwas Sensationelles zu erleben gibt. Die Beziehung zum Auflauf Schaulustiger beim "Lindberghflug" kam bei diesem Werk erst nachträglich zustande. Das Doppelkonzert wiederum komponierte Martinů unter dem Eindruck des Münchner Abkommens, das sein Heimatland Nazi-Deutschland ausgeliefert hat. Die neobarock anmutenden Vielstimmigkeit in diesem Stück half dem Komponisten, trotz seiner großen Ängste eine Art von Kampfeswillen und Optimismus zu artikulieren.

Albert Roussels dritte Sinfonie ist ein kompaktes und brillantes Stück, das die große Originalität dieses Komponisten beweist wie auch sein allgemein bekanntestes Werk, die Ballettmusik zu "Bacchus und Ariane". Daraus gibt es die umfängliche zweite Suite.

Der Dirigent Jakub Hrůša stammt aus Brünn und hat unter Anleitung seines Förderers Jiří Bělohlávek eine erstaunlich schnelle und steile Karriere hingelegt. Dem Orchestre Philharmonique de Radio France ist er seit vielen Jahren als regelmäßiger Gastdirigent verbunden. Vor kurzem wurde der knapp 35 Jahre alte Musiker zum neuen Chefdirigenten der Bamberger Symphoniker berufen. In der laufenden Saison gibt er außerdem seine Debüts beim Concertgebouworchester Amsterdam und an der Wiener Staatsoper. Letzteres ist in unserer Sendung Oper/Konzert am 16.1.16 zu erleben.

Wir setzen mit diesem Pariser Konzert eine quasi rein tschechische Woche im Konzert im Deutschlandradio Kultur fort, nach einem Konzert aus dem Prager Rudolfinum mit dem Radiosinfonieorchester von "Cesky Rozhlas" am vergangenen Dienstag und der Janáček-Oper "Die Sache Makropulos" aus Wien am Folgetag endet dieser Programmschwerpunkt am Sonntag mit einem Konzert der Tschechischen Philharmonie unter Leitung von Jiří Bělohlávek mit einem reinen Dvořák-Programm.

Drei Tage nach seinem Tod ehrte das Orchestre Philharmonique de Radio France den Komponisten und Dirigenten Pierre Boulez mit einem kleinen Auftaktstück zu diesem Konzertprogramm - der Soloklarinettist des Orchesters, Nicolas Baldeyrou, spielte "Domaines" von Boulez. Über viele Jahrzehnte hatten das Orchester und er eng zusammengearbeitet.  

 

Maison de la Radio, Paris

Aufzeichnung vom 8. Januar 2016

 

Pierre Boulez

"Domaines" für Klarinette solo

 

Bohuslav Martinů

Doppelkonzert für zwei Streichorchester, Klavier und Pauken H. 271

 

Albert Roussel

"Bacchus et Ariane"-Suite für Orchester Nr. 2

 

Bohuslav Martinů

"La Bagarre" - Allegro für Orchester H. 155

 

Albert Roussel

Sinfonie Nr. 3 g-Moll op. 42

 

Nicolas Baldeyrou, Klarinette

Orchestre Philharmonique de Radio France

Leitung: Jakub Hrůša

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