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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 03.10.2012

"On the Road - Unterwegs"

Kerouacs Beatnik-Roman als biederer Bildteppich

Von Patrick Wellinski

Szene aus "On the Road" (picture alliance / dpa / Cannes film festival)
Szene aus "On the Road" (picture alliance / dpa / Cannes film festival)

Wo ist der Drang nach Freiheit? Jack Kerouacs Roman "On the Road" beschwor einst die Sehnsüchte einer jungen Generation - doch die Verfilmung von Walter Salles kommt nun erschreckend uninspiriert daher.

Jack Kerouacs Roman "On the Road" ist zweifelsohne ein Meilenstein in der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Der Roman spiegelte die Sehnsucht einer jungen Generation nach Freiheit, schilderte das Streben nach neuen, noch unverbrauchten Horizonten. Die Geschichte des wilden Dean Moriarty (im Film gespielt von Garett Hedlund) und dem stillen, introvertierten Jungautoren Sal Paradise (Sam Riley) gilt heute immer noch als sehnsüchtiges Zeugnis der Beat-Generation, deren Lebensrhythmus von Jazz, Poesie und Drogen gekennzeichnet war.

Walter Salles ist der beste Reiseredakteur unter den heutigen Kinoregisseuren. In Filmen wie "Central Station" oder "Die Reisen des jungen Che" hat er bereits vielfach unter Beweis gestellt, welche poetische aber auch politische Kraft im Genre des Road-Movies noch schlummern kann. Deshalb durfte man gespannt sein, wie ihm die Verfilmung des richtungsweisenden Beatnik-Romans gelingen würde. Doch dann zogen sich die Dreharbeiten in die Länge und der Verleih hat die Premiere öfter verschoben. Das waren alles bereits recht düster Vorzeichen dafür, dass hier irgendetwas nicht stimmt.

Auf der Leinwand erweist sich das Endprodukt nun als schrecklich biederer Bilderteppich. Zwar sind die öden amerikanischen Landschaften, die Salles mit einem flirrenden Jazzsoundtrack unterlegt, kraftvoll und elegant. Doch letzten Endes bleiben sie lediglich nette Postkartenmotive einer erschreckend uninspirierten Verfilmung. Und das bei einem Roman, dessen ureigener Antrieb die Inspiration ist.

Schöne, nackte Jungdarsteller mit Proust-Büchern auf dem Schoß abzufotografieren, zeugt von einem erstaunlich platten Verständnis der Lektüre. Wo ist der Drang nach Freiheit? Wo steckt die Radikalität der atemlosen Prosa Kerouacs? Alles nicht da. Daher bleibt einem nur die vage Hoffnung, dass mehr junge Leute zum Kerouac Buch greifen als ins Kino strömen.

USA / Frankreich / Großbritannien 2012; Darsteller: Sam Riley, Garrett Hedlund, Kristen Stewart, Kirsten Dunst, Viggo Mortensen; Regie: Walter Salles; ab 12 Jahren; 137 Minuten

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