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Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 02.08.2015

Olympia-Übertragungsrechte Sport goes online

Von Günter Herkel

Die Olympischen Ringe am Eingang des Berliner Olympiastadions. (dpa / Daniel Kalker)
Dass die Olympischen Spiele wie selbstverständlich bei ARD und ZDF übertragen werden, das war einmal. (dpa / Daniel Kalker)

Ende Juni sicherte sich das US-Medienunternehmen Discovery ab 2018 die Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele. Der Sport-TV-Markt ist seitdem mächtig in Bewegung gekommen.

Der Ansatz von sportdeutschland.tv war von Beginn an, vom frei empfangbaren Fernsehen vernachlässigten Sportarten und Sportevents im Internet eine Plattform zu geben. DOSB-Media-Geschäftsführer Oliver Beyer zieht eine Zwischenbilanz:

"Ich glaube, wir können sehr zufrieden sein mit dem, was wir bisher erreicht haben, und wie sportdeutschland.tv von den Zuschauern und den Sportfans angenommen wurde.  Wir haben deutlich über 1,5 Millionen Zuschauer erreicht, hatten viele Hundert Livestreams, die wir über die Plattform gezeigt haben, in über 70 Sportarten."

Darunter Großereignisse wie die Volleyball-WM der Männer 2014, die Spiele der Tischtennis- und der Volleyball-Bundesliga, aber auch kleinere Events und Trendsportarten wie etwa Wakeboarden  und Inline-Speedskating.

"Insofern haben wir genau das, was wir umsetzen wollten, nämlich eine Vielfalt im Sport zu zeigen und mit dieser Vielfalt auch Menschen und Sportfans zu begeistern, aus unserer Sicht in diesem Zeitraum schon sehr gut erreicht."

Rechteerwerb, Technik, redaktionelle Betreuung von 70 Sportarten und –Verbänden – das alles war am Ende wohl eine Nummer zu groß für die kleine DOSB-Tochter. Das gilt vor allem für die angestrebte Vermarktung des Online-Kanals. Mit der ProSiebenSat.1-Gruppe fand man einen potenten Partner, der gerade auf diesem Gebiet sehr kompetent ist.

"…was uns auch ein Stück weit stolz macht, aber eben auch ne Herausforderung ist und n Auftrag, dieses Angebot so weiterzuentwickeln, dass Sportfans in Deutschland eben noch mehr Sport entdecken und erleben können."

Zwar liegen die Zeiten, da Sat.1 mit seiner Marke "ran" die Bundesliga-Berichterstattung aufmischte, schon einige Jahre zurück. Aber nach wie vor vermarktet die Gruppe ein breites Sportangebot  vom Handball, Wintersport über Tennis bis hin zu Actionsports. Ein Sportangebot, dessen Vielfalt noch um einiges gesteigert werden könnte. Zumindest, wenn es nach Oliver Beyer geht.

"Das Schöne ist bei uns, dass wir im Internet wirklich unbegrenzte Sendezeit haben. Ich kann nun mal theoretisch Hundert Livestreams parallel laufen lassen, ich bin nicht auf 24 Stunden Sendezeit beschränkt wie das klassische Fernsehen und muss mir genau aussuchen, wie ich dort die maximalen Quoten beispielsweise erziele."

Konkurrenz nicht ernst genommen

Die öffentlich-rechtlichen Anstalten sahen sportdeutschland.tv von Anfang an nicht als Konkurrenten.  Es hatte vielmehr den Anschein, also betrachteten ARD und ZDF  den Newcomer als Alibi. Als Alibi für die – auch aus Quotengründen – mangelnde Präsenz vieler olympischer Sportarten in den eigenen Programmen. ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky:

"sportdeutschland.tv, das ist, glaube ich, eine sinnvolle Ergänzung, dass nämlich die Verbände die jetzigen Möglichkeiten, nämlich günstiger produzieren zu können, günstiger verbreiten zu können über das Internet, dass die genutzt werden, die wir nämlich gar nicht nutzen können."

Zu diesem Zeitpunkt ahnte Balkausky noch nicht, dass die Free-TV-Rechte der ARD für Olympia auf der Kippe standen.

"Es gibt kein Interesse, das Massenmedium Fernsehen aufzugeben oder durch das Internet zu ersetzen, sondern ich glaube, das ist die Möglichkeit für Verbände, ergänzende Dinge zu tun, ihre Archive zu nutzen, all die Dinge zu tun, die wir in der Form gar nicht machen können."

Schon wegen der rechtlichen Beschränkungen, denen die Online-Angebote von  ARD und ZDF unterliegen. Nach dem Verlust der Olympia-Rechte droht den Öffentlich-Rechtlichen jetzt weiteres Ungemach. Mit der Übernahme von sportdeutschland.tv durch die ProSiebenSat.1 Gruppe könnten ARD und ZDF jetzt auch im linearen Free TV verstärkt unter Druck geraten. Denn die neuen Eigner kündigen bereits an, bei attraktiven Sport-Highlights auch beim Rechtepoker mitzumischen. Oliver Beyer, auch unter dem neuen Besitzer Geschäftsführer von sportdeutschland.tv:

"ProSiebenSat.1 ist sowohl im digitalen Bereich als auch im klassischen linearen TV sehr gut aufgestellt. Und dort werden wir sehen, ob wir beispielsweise mit den Inhalten, die wir über sportdeutschland.tv aggredieren und zeigen können, ob wir mit diesen Inhalten eben auch den Zuschauer im Fernsehen Angebote machen können.  Wir haben da Ideen, die sind nur noch nicht so weit spruchreif, dass ich da jetzt schon drüber reden könnte."

Mehr zum Thema:

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(Deutschlandradio Kultur, Kommentar, 30.06.2015)

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