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Interview / Archiv | Beitrag vom 03.12.2010

"Ohne gesetzliche Regelung werden wir da leider nicht weiterkommen"

Geschäftsführerin des Verbands deutscher Unternehmerinnen zu Frauenquote in Aufsichtsgremien

Carlotta Köster-Brons im Gespräch mit Jan-Christoph Kitzler

Das Kräfteverhältnis zwischen Männern und Frauen ist in Aufsichtsräten nicht ausgeglichen (Stock.XCHNG / Constantin Kammerer)
Das Kräfteverhältnis zwischen Männern und Frauen ist in Aufsichtsräten nicht ausgeglichen (Stock.XCHNG / Constantin Kammerer)

Carlotta Köster-Brons begrüßt die Forderung der Grünen nach einer Frauenquote von 40 Prozent in Aufsichtsräten. Ohne eine gesetzliche Quotenregelung könnten die bestehenden Defizite nicht behoben werden.

Jan-Christoph Kitzler: Frauen sind unterrepräsentiert in Spitzenpositionen der Wirtschaft, nur drei Prozent aller Vorstände in den 200 größten deutschen Unternehmen sind weiblich, das hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung nachgezählt, und in den Aufsichtsräten, da sieht es nicht viel besser aus: Immerhin ist dort jedes zehnte Mitglied eine Frau, aber die meisten von ihnen sind Vertreter der Arbeitnehmerseite, kommen nicht aus dem Management, sondern aus den Gewerkschaften. Die Grünen wollen jetzt Abhilfe schaffen mit einer Frauenquote von 40 Prozent in den Aufsichtsräten, mit einem entsprechenden Gesetzentwurf befasst sich jetzt der Bundestag. Ein sehr großes Interesse an mehr Frauen in den Aufsichtsgremien hat auch der Verband deutscher Unternehmerinnen. Ich bin verbunden mit der Geschäftsführerin, mit Carlotta Köster-Brons. Guten Morgen!

Carlotta Köster-Brons: Guten Morgen, Herr Kitzler!

Kitzler: Was halten Sie denn von der Frauenquote, wie die Grünen sie vorschlagen?

Köster-Brons: Wir begrüßen sie sehr, weil wir fordern sie auch seit zwei Jahren, und wir denken, ohne Quote und ohne gesetzliche Regelung werden wir da leider nicht weiterkommen.

Kitzler: Aber das klingt natürlich dann immer schnell nach Quotenfrau, was ja so ein bisschen abwertend klingt, oder?

Köster-Brons: Ja, aber da können Frauen mittlerweile mit umgehen. Es gibt ein paar Frauen, die stellen sich ja auch offen hin und sagen, sie möchten keine Quotenfrau sein, aber viele, besonders die gut Qualifizierten, sagen, wir haben es eben bis jetzt nicht geschafft, obwohl wir topqualifiziert sind, und dann sind wir auch gerne für eine gewisse Zeit mal eine Übergangs-Quotenfrau. Und wenn man selbstbewusst ist, kann man damit glaube ich ganz gut umgehen.

Kitzler: Sie als Verband versuchen ja, noch einen zusätzlichen Weg einzuschlagen und schulen jetzt weibliche Führungskräfte für Posten in den Aufsichtsräten, zum ersten Mal in der kommenden Woche. Was müssen die Frauen denn lernen?

Köster-Brons: Da wird man sich noch mal rund um das Thema Aufsichtsrat befassen: Was sind die Aufgaben, wo sind die Verantwortlichkeiten, was gibt es für Rechte und Pflichten, Haftungsfragen – all das, was einen bei einer Aufsichtsratstätigkeit über den Weg laufen kann. Und am dritten Tag – und da legen wir auch besonders Wert drauf – machen wir noch mal ein Coaching zum Thema Selbstdarstellung, zum Thema Medientraining, ein bisschen Selbstbewusstsein trainieren, und dann denke ich mir sind die Frauen gut vorbereitet für zukünftige Tätigkeiten.

Kitzler: Einer der ganz mächtigen Aufsichtsräte in Deutschland, der frühere Vorstandsvorsitzende von Bayer, Manfred Schneider, hat gesagt, es gibt zu wenig weibliche Kandidaten für die Aufsichtsräte, und die, die es gibt, die haben nicht genug Erfahrung. Versuchen Sie da auch so ein bisschen Abhilfe zu schaffen?

Köster-Brons: Also wir denken, es gibt diese Frauen, weil wir können ja nun sagen, unser Bewerbungsverfahren läuft seit einem Vierteljahr, wir haben hervorragende Bewerbungen, wir werden hervorragende Frauen coachen und wir freuen uns darauf, demnächst der Öffentlichkeit zu zeigen, dass das, wie gesagt, eins dieser alten Vorurteile sind, mit denen man aufräumen muss. Ja, und wir sind auf einem guten Weg.

Kitzler: Die allermeisten Aufsichtsräte haben ja Erfahrung im hohen Management, und spiegelt nicht der geringe Frauenanteil nicht die Situation dort wieder, wo Frauen ja auch unterrepräsentiert sind, und müsste man nicht dort den Hebel ansetzen?

Köster-Brons: Ja, ich meine, wir haben natürlich im Bereich Frauen in Führungspositionen und auch in Vorständen immer noch Defizite. Die Frage ist aber, ob die Politik, die seit Jahren gefahren wird, dass ich von dem Vorstand dann sehr schnell in den Aufsichtsrat irgendwann wechsle, ob das überhaupt was ist, was Unternehmen immer so gut tut, und ob das was ist, was wir in diesem Land überhaupt wollen. Das stelle ich mal ganz groß infrage. Und unsere Frauen, ja, die haben vielleicht eine andere Vita, aber die haben definitiv Führungserfahrung, und ja, bringen aber vielleicht mal eine andere Perspektive mit in den Aufsichtsrat, und ich denke, das tut dem einen oder anderen Unternehmen auch ganz gut.

Kitzler: Was machen Frauen denn anders im Aufsichtsrat, wie kontrollieren sie anders und wie wirkt sich das dann aufs Unternehmen aus?

Köster-Brons: Also wir denken generell, dass eine Diversity-Strategie, also viele verschiedene Blickwinkel für ein Unternehmen immer vorteilhaft sind. Wir sagen auch nicht, nur reine Frauenaufsichtsräte wären jetzt des Rätsels Lösung, aber wenn Sie allein angucken: Wie viele Kaufentscheidungen werden in Deutschland von Frauen getroffen? Warum werden diese Frauen, die nachher maßgeblich beeinflussen, was zum Beispiel für ein Auto in der Familie gekauft wird, nicht auch viel stärker eingebunden in die Frage, wie eine Konzernausrichtung ist, wie eine Strategie für zukünftige Technik ist? Ich glaube, da haben Frauen enorm viel Potenzial, was man bis dato nicht genutzt hat und einfach auch mal einen anderen Blickwinkel. Also ich höre mir zum Thema immer mal gerne verschiedene Meinungen an, um mir dann ein Urteil zu bilden, und ich glaube, das kommt im Moment noch ein bisschen zu kurz.

Kitzler: Sie haben eben so ein bisschen angedeutet: Unternehmen müssen auch ihre Auswahlkriterien, nach denen sie ihre Aufsichtsräte auswählen, verändern. Wie denn konkret, wie müssen sie den Blick erweitern?

Köster-Brons: Ich denke, Unternehmen müssen einfach offener werden, Unternehmen müssen sehen, dass nicht nur eine männliche geprägte Unternehmens- und Denkkultur für ein Unternehmen zum Erfolg führt, sondern eben auch Frauen, auch andere Kulturen, also letztendlich all das, was der Diversity-Ansatz abdeckt in der Personalpolitik, all das gilt für uns auch für einen Aufsichtsrat.

Kitzler: Es wird ja immer diskutiert, Frauen, es muss etwas dafür getan werden, dass Frauen Familie und Karriere besser unter einen Hut bringen. Müsste man in der Frage nicht vor allem bei den Männern ansetzen, damit die sich mehr um die Kinder kümmern und mehr Freiraum für die Frauen lassen?

Köster-Brons: Ja, ich denke, das ist eine Frage, die natürlich ganz unabhängig von den Aufsichtsräten ist, weil wenn man bis dahin gekommen ist oder auf dem Weg in eine Führungsposition, da ist die Frage der Kinderbetreuung meistens geregelt. Aber Sie haben natürlich recht, dass das eine Frage ist, die wir in Deutschland immer sehr einseitig auf dem Rücken der Frauen diskutieren, und Kinder haben letztendlich Eltern und nicht nur Mütter, und da ist es einfach wichtig, dass Väter mehr in die Verantwortung genommen werden, sich mehr trauen, aber auch von ihren Unternehmen sozusagen das Signal kriegen, es ist in Ordnung, sich auch als männliche Führungskraft mal nachmittags um drei zu verabschieden, um zu einer Schulveranstaltung zu gehen. Ich glaube, da haben wir noch eine ganze Menge Kulturarbeit zu leisten.

Kitzler: So sieht es Carlotta Köster-Brons, die Geschäftsführerin des Verbandes deutscher Unternehmerinnen. Vielen Dank dafür!

Köster-Brons: Danke, Herr Kitzler!

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