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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 17.07.2011

Nur teilweise erhellend

Thomas Worm/Claudia Karstedt: "Lügendes Licht. Die dunklen Seiten der Energiesparlampe", Hirzel Verlag

Eine herkömmliche Glühbirne (links), eine Energiesparleuchte (rechts) (AP)
Eine herkömmliche Glühbirne (links), eine Energiesparleuchte (rechts) (AP)

Die Autoren geißeln den seitens der EU verordneten Abschied von der Glühbirne und die "Zwangseinführung" der Energiesparlampe. Nicht immer zu Unrecht. Doch oft stößt der Leser auf Halbwahrheiten, Polemik und Alarmismus.

Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten. Das gilt leider auch für das Buch "Lügendes Licht". So zielgerichtet und akribisch die beiden Autoren, beides Journalisten, die trüben Ecken der Energiesparlampe ausleuchten und dabei vieles aufdecken, was ihre Befürworter lieber im Dunkeln ließen, so diffus, weitschweifig und ungenau ist ihre Analyse. Dennoch ist es ein nützliches Buch, weil es detailliert und präzise über die technisch-physika-lischen Grundlagen des Lichts informiert.

Zugleich ist es ein polemisches Buch, versteht sich als Abrechnung mit der von Brüssel 2009 verabschiedeten Verordnung, die den etappenweisen Abschied von der alten Glühbirne und die gleichzeitige Einführung der Kompaktleuchtstofflampe bedeutet. Begründet wird diese Entscheidung mit dem Effizienzgewinn. Die Energiesparlampe, so heißt es, spare gegenüber der Glühbirne bis zu 80 Prozent Strom und leiste damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Die Autoren, die die Verordnung wiederholt als "Zwangseinführung" geißeln, bezweifeln die Rechnung und verweisen auf den "Rebound"-Effekt. Je mehr Energie an einer Stelle eingespart wird, desto hemmungsloser wird sie an anderer Stelle verschwendet. Nach dieser Logik sind alle energiesparenden Geräte sinnlos, weil wir jeden Energiegewinn gleich wieder hemmungslos verpassen. Energieexperten gehen allerdings davon aus, dass nur rund 30 Prozent des eingesparten Stroms durch neue Geräte aufgebraucht werden. Bleiben also 70 Prozent des ursprünglichen Spareffekts übrig. Das ist immer noch ziemlich üppig.

Immer wieder stößt man in dem Buch auf solche Halbwahrheiten. Gefahren werden überbetont und aufgebauscht, wenig glaubwürdige Informationsquellen zitiert. Eine Meldung aus dem englischen Boulevardblatt Daily Mail, vergleichsweise der BILD-Zeitung, als wissenschaftlichen Beweis anzuführen, ist lächerlich. Man hätte sich eine nüchternere und sachlichere Auseinandersetzung gewünscht, denn die Vorwürfe haben durchaus Hand und Fuß.

Energiesparlampen, im Prinzip nichts anderes als miniaturisierte Leuchtstoffröhren, verbreiten ein kälteres Licht als Glühbirnen. Sie strahlen vor allem im blauen Lichtbereich, der besonders scharfe Konturen schafft und daher in Büros und Industrie bevorzugt wird. Es gibt Hinweise darauf, dass eine Dauerbestrahlung mit kaltem Licht den Hormonhaushalt stört. Die Autoren bringen sie sogar mit vermehrten Brustkrebserkrankungen in Verbindung.

Bewiesen ist bislang nichts. Richtig ist: Es fehlt an Forschung über die Auswirkungen einer anderen Zusammensetzung der Spektralfarben auf die Gesundheit. Richtig ist: Die EU hat sich nicht darum gekümmert. Ein schweres Versäumnis, wie die Autoren zu Recht bemängeln. Sie bemängeln auch zu Recht eine völlig unzureichende Öko-Bilanz.

Es ist diese ständige Mischung aus Information und Alarmismus, die das Buch zu einer bisweilen schwer verträglichen Lektüre machen. Der Vorwurf einer voreiligen Entscheidung ist berechtigt, und die EU hätte auch gut daran getan, sorgfältiger zu prüfen, zumal die Energiesparlampe nur ein Übergangsprodukt ist, denn als nächste technische Lichtlösung stehen die LED-Lampen ins Haus. Wenigstens da sollte die EU vorher ihre Hausaufgaben erledigen.

Besprochen von Johannes Kaiser

Thomas Worm/Claudia Karstedt: Lügendes Licht. Die dunklen Seiten der Energiesparlampe
Hirzel Verlag, Stuttgart 2011
254 Seiten, 19,80 Euro

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