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Lesart | Beitrag vom 08.01.2016

NS-ZeitKippen und Kaffee für die gute Laune

Nicole Petrick-Felber im Gespräch mit Frank Meyer

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Blick in die Berliner Krolloper während Adolf Hitlers Rede in der Reichstagssitzung am 6. Oktober 1939.  (picture-alliance / dpa / UPI)
Um die Volksmoral zu stärken, halfen die Nazis gern mit Zigaretten und Kaffee nach. (picture-alliance / dpa / UPI)

Offiziell waren Tabak und Koffein in Dritten Reich verpönt - schließlich sollte der 'Volkskörper' schön gesund bleiben. Während des Krieges machten sich die Nazis die Rauschmittel jedoch gern zu nutze. Nicole Petrick-Felber hat nun ein Buch darüber geschrieben.

Vor Kraft strotzender Körper, streng disziplinierter Geist - so sah das menschliche Idealbild der Nationalsozialisten aus. Nikotin und Koffein hatten in dieser Ideologie keinen Platz. Offiziell. Denn während des Zweiten Weltkrieg wurden sie plötzlich überaus wichtig für die Nazis. Nicole-Petrick Ferber hat in "Kriegswichtiger Genuss - Tabak und Kaffee im Dritten Reich" untersucht, wie das Dritte Reich die Rauschmittel gezielt einsetzte, um Volk und Truppen zu beschwichtigen. 

Vor allem Propagandaminister Goebbels habe die Bedeutung der Genussmittel für die Bedeutung früh erkannt, so Petrick-Felber im Deutschlandradio Kultur. "Er ist es letztendlich, der auf Mangelerscheinungen reagiert und Produktionsmengen erhöht, indem er Sonderzuteilungen erlässt."

Die Sicherung von Zustimmung sei dabei allerdings nicht das einzige Kalkül gewesen. "Es geht den Nazis nicht darum, Kaffee und Tabak zuzuteilen, um des Genusses willen, damit die Leute allein zufrieden sind, sondern es geht darum, dass die Soldaten durchhalten und es geht auch um die Arbeitskraft der Rüstungsarbeiter. Summa summarum: Es geht ums Durchhalten, um das Durchhalten im Krieg."

Mit Kaffee habe es sich anders verhalten als mit Zigaretten, erzählt die Autorin. Während Tabak weiterhin erhältlich gewesen sei, sei der Import von Kaffee nach 1939 völlig zum Erliegen gekommen. Bohnenkaffee sei somit für niemanden mehr konsumierbar gewesen, "außer über Sonderzuteilungen". Diese seien immer nur an Weihnachten oder nach Bombenangriffen erfolgt.

Im Volksmund habe sich dafür die Bezeichnung 'Zitterkaffee' durchgesetzt, zur Beruhigung nach dem Stress der Angriffe: Petrick-Felber: "Die Bevölkerung erkennt durchaus da den Zusammenhang: 'Wir bekommen das, damit wir durchhalten'."  

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