Seit 01:05 Uhr Tonart
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 01:05 Uhr Tonart
 
 

Lesart / Archiv | Beitrag vom 08.01.2016

NS-ZeitKippen und Kaffee für die gute Laune

Nicole Petrick-Felber im Gespräch mit Frank Meyer

Blick in die Berliner Krolloper während Adolf Hitlers Rede in der Reichstagssitzung am 6. Oktober 1939.  (picture-alliance / dpa / UPI)
Um die Volksmoral zu stärken, halfen die Nazis gern mit Zigaretten und Kaffee nach. (picture-alliance / dpa / UPI)

Offiziell waren Tabak und Koffein in Dritten Reich verpönt - schließlich sollte der 'Volkskörper' schön gesund bleiben. Während des Krieges machten sich die Nazis die Rauschmittel jedoch gern zu nutze. Nicole Petrick-Felber hat nun ein Buch darüber geschrieben.

Vor Kraft strotzender Körper, streng disziplinierter Geist - so sah das menschliche Idealbild der Nationalsozialisten aus. Nikotin und Koffein hatten in dieser Ideologie keinen Platz. Offiziell. Denn während des Zweiten Weltkrieg wurden sie plötzlich überaus wichtig für die Nazis. Nicole-Petrick Ferber hat in "Kriegswichtiger Genuss - Tabak und Kaffee im Dritten Reich" untersucht, wie das Dritte Reich die Rauschmittel gezielt einsetzte, um Volk und Truppen zu beschwichtigen. 

Vor allem Propagandaminister Goebbels habe die Bedeutung der Genussmittel für die Bedeutung früh erkannt, so Petrick-Felber im Deutschlandradio Kultur. "Er ist es letztendlich, der auf Mangelerscheinungen reagiert und Produktionsmengen erhöht, indem er Sonderzuteilungen erlässt."

Die Sicherung von Zustimmung sei dabei allerdings nicht das einzige Kalkül gewesen. "Es geht den Nazis nicht darum, Kaffee und Tabak zuzuteilen, um des Genusses willen, damit die Leute allein zufrieden sind, sondern es geht darum, dass die Soldaten durchhalten und es geht auch um die Arbeitskraft der Rüstungsarbeiter. Summa summarum: Es geht ums Durchhalten, um das Durchhalten im Krieg."

Mit Kaffee habe es sich anders verhalten als mit Zigaretten, erzählt die Autorin. Während Tabak weiterhin erhältlich gewesen sei, sei der Import von Kaffee nach 1939 völlig zum Erliegen gekommen. Bohnenkaffee sei somit für niemanden mehr konsumierbar gewesen, "außer über Sonderzuteilungen". Diese seien immer nur an Weihnachten oder nach Bombenangriffen erfolgt.

Im Volksmund habe sich dafür die Bezeichnung 'Zitterkaffee' durchgesetzt, zur Beruhigung nach dem Stress der Angriffe: Petrick-Felber: "Die Bevölkerung erkennt durchaus da den Zusammenhang: 'Wir bekommen das, damit wir durchhalten'."  

Mehr zum Thema

Drogen im Dritten Reich - War Hitler ein Junkie?
(Deutschlandfunk, Andruck - Das Magazin für Politische Literatur, 02.11.2015)

Sachbuch "Der totale Rausch" - Adolf Hitler und die Drogen
(Deutschlandradio Kultur, Kompressor, 10.09.2015)

Lesart

Guy Delisle: "Geisel"Zeit, die nicht vergeht
Der kanadische Comiczeichner Guy Delisle. (Olivier Roller / Fedephoto)

Ganze 111 Tage war der Franzose Christophe André in Tschetschenien entführt. Dann gelang dem Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen" die Flucht. Nach einem Treffen mit André stand für den kanadischen Comic-Künstler Guy Delisle fest: Diese Geschichte musste er zeichnen. Mehr

Simon Garfield: "Zeitfieber"In den Fängen der Zeit-Krake
Szene aus dem Stummfilm "Ausgerechnet Wolkenkratzer"  (imago/United Archives)

Zeit ist knapp, und sie wird knapper, je genauer man sie messen kann. Der britische Journalist Simon Garfield beschreibt in seinem Buch "Zeitfieber", wie Kalender und Uhren, Fahrpläne, Fließbänder und Effizienz-Regeln uns seit 250 Jahren immer mehr den Takt vorgeben.Mehr

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur