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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 16.12.2014

NS-Euthanasie im Saarland "Ich wäre so gern heimgekommen"

Von Mirko Tomic

Beschriftete Steine erinnern auf dem Friedhof der Gedenkstätte Hadamar in Hessen an die hier bestatteten Opfer der NS-Euthanasie-Morde. Während der NS-Zeit wurden in der "Landesheilanstalt Hadamar" 15.000 Menschen ermordet und verbrannt. (picture alliance / dpa / Boris Roessler)
Gedenkstätte Hadamar in Hessen. Während der NS-Zeit wurden in der "Landesheilanstalt Hadamar" 15.000 Menschen ermordet und verbrannt. (picture alliance / dpa / Boris Roessler)

Nach Schätzung von Experten fielen dem sogenannten "Euthanasie-Programm" in Nazi-Deutschland rund 200.000 Menschen zum Opfer. Auch im Saarland wurden mehrere Tausend Kranke und Menschen mit Behinderungen von ihren Familien getrennt und schließlich getötet. Gespräche mit Historikern und den letzten Zeitzeugen.

"Der Ortsgruppenleiter kam zu meinem Vater und sagte ihm, dass dem Sohn Josef in der Nervenheilanstalt geholfen werden kann."

"Meine Mutter hat sich gewehrt aber dann hat ihr die Fürsorge hier aus Saarlouis mit der Polizei gedroht, die das Kind dann abholen kommt."

"Die waren einfach weg."

"Das wussten ja alle, was mit denen geschah, jeder hat es gewusst, aber keiner hat was gesagt."

Vier Stimmen von Menschen, die die Nazi-Euthanasie miterlebt haben, entweder im eigenen Leben oder deren Folgen in der Familie.

Wir besuchen das Landesarchiv des Saarlandes, wo große Teile der Patientenakten der 1939 geräumten Heil- und Pflegeanstalt Merzig lagern. Ein glücklicher Zufall, dass es die Akten noch gibt. Die Unterlagen der zweiten saarländischen Anstalt in Homburg sind bis heute verschollen oder bereits vernichtet.

Diese Dokumente belegen die Existenz der ersten Opfer von organisiertem nationalsozialistischem Massenmord. Hierzulande möglich durch den Anschluss an Hitlerdeutschland. Diese Menschen mussten sterben weil sie im Sinne der Nazis als "leere Menschenhülsen, Ballastexistenzen und unnütze Esser" es nicht wert waren weiterzuleben.

Seit Anfang 2014 gibt es ein Denkmal zur Erinnerung an die Opfer der Nazi-Euthanasie in der Bundeshauptstadt. Direkt an der Berliner Philharmonie kann man nicht nur über das Schicksal der ermordeten Menschen lesen, sondern auch zuhören:

"Euthanasie war keine Idee der Nationalsozialisten... "

Gesundheitssystem organisiert nach Nazi-Ideologie

Dort treffen wir den heute in Berlin lebenden saarländischen Historiker Christoph Braß. Er hat seine Doktorarbeit an dem von Berlin aus organisierten Massenmord geschrieben.

"Die saarländischen Patienten waren überproportional von den Maßnahmen betroffen. Nicht einmal ein Viertel kehrte zurück, in anderen Bundesländern waren es mehr als die Hälfte."

Gleich nach dem Anschluss des Saargebiets 1935 wurde das Gesundheitswesen systematisch nach der Ideologie der Nazis umorganisiert.

Die Sachbuchautorin Dr. Gisela Tascher ordnet die Lage im Saarland ein:

"Der 'gesunde arische Volkskörper' stand über allem... und die Ärzte haben mitgemacht? Ja!"

Schon im ersten Ärzteblatt nach Hitlers Machtübernahme huldigten deutsche Mediziner dem Führerstaat. Noch nie waren Ärzte so mächtig wie im Dritten Reich. Und Hitler persönlich beauftragte sie, den in seinem Sinn kranken und schwachen Volksgenossen doch besser den "Gnadentod" zu gewähren. Der Auftrag wurde umgesetzt.

"Es war eine riesige Datenerhebung wo alle möglichen Dienststellen dran beteiligt waren."

Über 70 Prozent der Ärzte im Saarland und der angrenzenden Pfalz waren NSDAP-Mitglied. Einige auch noch bei der SS. Diese furchtbaren Mediziner arbeiteten auch in den beiden saarländischen Heil- und Pflegeanstalten Homburg und Merzig. Die ehemaligen Gebäude in Homburg dienen heute dem Universitätsklinikum. Nirgendwo auf dem Gelände findet sich ein Hinweis an die Opfer, an die an ihnen verübten Verbrechen oder an die Verbrecher, die sich Ärzte nannten. Ganz anders in Merzig.

Mit Kriegsbeginn wurden 1939 grenznahe Gebiete des Saarlandes zur militärischen roten Zone erklärt und die beiden Anstalten wurden geräumt. Zuerst die in Merzig mit ungefähr 900 Patienten.

Die ehemalige Krankenschwester Maria Lauer, geboren 1918, hat diese Räumung ihrer Anstalt als 21-Jährige miterlebt.

"Wir sind dann mit allen Patienten, mit Sack und Pack in den Zug gestiegen, die ganze Anstalt war da dabei."

Aus Patienten der Heil- und Pflegeanstalten wurden Opfer

Die Evakuierungen brachten die saarländischen Patienten samt dem Begleitpersonal zunächst nach Hessen. Heil- und Pflegeanstalten für psychisch Kranke gab es damals über das gesamte Reichsgebiet verteilt. Die meisten dieser Häuser waren zur selben Zeit im Rahmen einer Mitte des neunzehnten Jahrhunderts einsetzenden Reformpsychiatrie gegründet worden. Diese Konzentration arbeitete jetzt den Mördern zu. Aus Insassen wurden Opfer.

Die Saarländer wurden überwiegend auf die Einrichtungen rund um die Anstalt Hadamar verteilt.

Aus einer später im Krieg zerstörten Villa in Berlin an der Tiergartenstraße 4 heraus arbeitete die mörderische Bürokratie unter dem Deckmantel offizieller staatlicher Stellen an der Vernichtung der eigenen Landsleute. Der Deckname dieses ersten organisierten Massenmords des Regimes lautete nach der Adresse in der Tiergartenstraße schlicht Aktion T4.

Dr. Christoph Braß: "Vom Reichsinnenministerium erhielten die Anstalten die Aufforderung… die Meldebögen auszufüllen."

Über 70.000 Menschen wurden von 1940 an in nur 18 Monaten vergast.

Ein Teil dieser Ermordeten stammten aus dem Saarland. Aus Homburg und Merzig. Aber nur in Merzig wird an sie erinnert.

Ein Denkmal vor dem alten Haupteingang der Anstalt weist auf ihr Schicksal hin. Wir treffen Prof. Wolfgang Werner. Er zeichnet als ehemaliger Klinikchef dafür verantwortlich. Er hatte die Patientenakten im Panzerschrank gefunden und angefangen sie zu lesen.

Wolfgang Werner: "Ich bin 1978 durch diese Tür gegangen und habe jeden Tag dazu gelernt, dass sie eben nicht erlöst werden wollten, das hat mich verfolgt."

Das, was mit den Menschen der Merziger Anstalt im Namen von Medizin und Politik gemacht wurde, sollte nicht verdrängt werden. Deshalb wurde ein kleines Psychiatriemuseum in Merzig eingerichtet. Und dort wird regelmäßig interessierten Besuchern die Vergangenheit der Anstalt in allen Einzelheiten erläutert. Auch wie das Regime die Morde vorbereitet hat.

Der Psychologe Ralf Schmitt führt die Gruppe durch die Ausstellung:

Auch in aufwändig produzierten Propagandafilmen wurde agitiert, wie in dem Spielfilm "Ich klage an"

"Der Mann propagiert den Gnadentod für den immer treuen, aber jetzt kranken und blinden Jagdhund - Protest eines anderen, dass es aber doch Tiere seien, die man durch die Kugel erlöst - wird quittiert mit der Bemerkung, ob es denn Menschen schlechter gehen soll als den Tieren?"

Hadamar - eine von sechs Tötungsanstalten

Ein Opfer wird konkret für viele Ermordete vorgestellt: Ralf Schmitt.

"… zu Eduard Sens aus Neunkirchen, der in Merzig Patient war und in Hadamar vergast wurde."

Ortswechsel. Neunkirchen. Nähe Stummplatz. 1994 wurde eine Statue des Neunkircher "Originals" Eduard Senz dort aufgestellt. Das Interesse der Bevölkerung an der Einweihung des Kunstwerks war beachtlich. In erster Linie erinnert die Plastik allerdings an den kauzigen Dienstmann Eduard Senz, der die Koffer der Reisenden vom Bahnhof Neunkirchen ins jeweilige Hotel karrte.

Der andere, der kranke Eduard Senz, ist nicht Thema der Abbildung. Vergast, weil er krank war. Der Bildhauer Werner Schorr :

"Extra nicht so gemacht, weil die Betroffenheit viel größer ist, sobald man sich damit beschäftigt."

Tatsächlich ist eine kleine Tafel mit spärlichen Informationen über - wie es heißt - das Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, angebracht. Viel nützt sie nicht.

Passanten: "Nein, weiß ich nicht. - Ich auch nicht."

In Hadamar nahe Limburg an der Lahn wurde Eduard Senz getötet. Hadamar, eine von sechs Tötungsanstalten der Aktion T4. Mit Bussen wurden die Kranken in ihren jeweiligen Anstalten abgeholt und vergast. Die Leichen wurden an Ort und Stelle verbrannt.

Manche Opfer schrieben Briefe nach Hause, um von ihren Angehörigen abgeholt und gerettet zu werden. Briefe in denen stand, dass sie so gerne heimkommen würden, Briefe von Menschen, die trotz ihrer Krankheit sehr klar erkannten, was ihnen drohte.

Der Historiker Götz Aly zitiert bei einer Informationsveranstaltung in Saarbrücken als Beleg aus dem Brief eines Patienten:

"Es kann einem Angst und bange werden - die Regierung will uns nicht."

Wer einen solchen Hilferuf ernst nahm oder von sich aus sein Familienmitglied wieder aus der Anstalt herausholen wollte, dem konnte das durchaus gelingen. Den organisierten Massenmord störten solche Einzelentlassungen nicht. Die Krankenschwester Maria Lauer (Jahrgang 1918) war dabei:

"Da war eine Notarstochter aus Merzig, die wurde abgeholt, aber wer nicht abgeholt wurde, über den wurde frei verfügt."

Abholversuche von jüdischen Kindern aus den Anstalten scheiterten

Aber manchmal gab es trotz des Abholversuchs keine Rettung. Walter Löb aus Saarlouis hatte versucht, seine kleine Schwester aus der Anstalt zu befreien. Er war damals erst 17 Jahre alt.

Bis zu seinem Tod im Oktober 2014 trat der 86-Jährige vor Schulklassen auf, um als Zeitzeuge von dieser Zeit zu erzählen.

Walter Löb: "Wir sind dorthin gefahren zu Besuch und als die Marlies mir sagte, dass sie immer Spritzen bekäme, die ihr so weh täten, entschlossen wir uns, sie mit nach Hause zu nehmen. Die Schwester erschrak und rief einen Mann, der mir drohte, dass ich auch hierbleiben muss, wenn ich nicht in zwei Stunden die Anstalt verlassen hätte."

Was der Bruder damals nicht wusste: Marlies Ermordung war unausweichlich. Denn der Vater der Geschwister war Jude. Und bei jüdischen Vorfahren war eine Entlassung grundsätzlich untersagt. In Saarlouis erinnert ein Stolperstein an ihr Schicksal.

Die systematischen Morde an zehntausenden unschuldigen Menschen wurden von Medizinern durchgeführt. Sie kontrollierten den ordnungsgemäßen Ablauf der Aktionen. Sie begutachteten die Opfer kurz vor ihrer Ermordung, protokollierten und dokumentierten die Menschen. Die Autorin Dr. Gisela Tascher:

"Es gab eine Medizinethik, die richtete sich aber nach den ideologischen Zielen der Nazis."

Über 70.000 Menschen wurden mitten im deutschen Reich in 18 Monaten bei der Aktion T4 vergast und verbrannt. Das ging nicht ohne Aufsehen. Dr. Christoph Braß:

"Als die ersten Anzeigen bei der Justiz eintrafen wurden die Oberstaatsanwälte nach Berlin zu einer geheimen Sitzung berufen und ihnen wurde der Sachverhalt erklärt. Und dass sie damit entsprechend umgehen sollten. Was sie auch taten, so dass man feststellen muss, dass sich die Justiz ebenfalls zu einem willfährigen Werkzeug bei diesen Morden machen ließ."

Die Justiz deckte die mordenden Ärzte. Und wer als Pfleger oder Krankenschwester in seiner Anstalt überleben wollte wusste, dass es besser war zu schweigen. Die Angst lähmte. Auch die Krankenschwester Maria Lauer :

"Wir standen immer mit einem Fuß im Gefängnis. Wir wussten ja Bescheid, aber wir redeten nicht öffentlich darüber, nur unter uns Personal wurde darüber gesprochen."

Es waren hohe Würdenträger der katholischen Kirche, die das Morden stoppen wollten. Ohne Erfolg. Dann prangerte der Bischof von Münster Graf Galen die Morde in öffentlichen Predigten an. Historiker Christoph Braß:

"Mord war Straftat, Galen veröffentlichte, das Regime musste reagieren."

Hitler ließ Münsteraner Bischof trotz kritischer Predigten unbehelligt

Der Bischof von Münster war ein populärer Mann. Zu populär. Graf Galen wurde von den Nazis überwacht und bespitzelt. Götz Aly:

"Galen predigte nicht gegen Hitler - kein Wort. Er bezeichnete die britischen Bombenangriffe auf seine Stadt aber als gerechte Strafe Gottes, weil es die Einwohner duldeten, dass ihre Angehörigen abtransportiert und kurz danach umgebracht wurden."

Der deutsche katholische Theologe Clemens August Graf von Galen in einer undatierten Aufnahme. Von Galen, seit 1933 Bischof von Münster, wurde für sein mutiges Verhalten im Kirchenkampf während der nationalsozialistischen Herrschaft bekannt. (picture-alliance / dpa / )Der deutsche katholische Theologe Clemens August Graf von Galen, seit 1933 Bischof von Münster, wurde für sein mutiges Verhalten im Kirchenkampf während der nationalsozialistischen Herrschaft bekannt. (picture-alliance / dpa / )

NS-Funktionäre forderten den Tod des Bischofs. Zeitungen schrieben über das damit offenbar besiegelte Ende des Kirchenmannes. Aber Hitler ließ Galen unbehelligt und stoppte völlig überraschend die Aktion T4. Das war das Ende der Vergasungen in den sechs Tötungsanstalten.

Auch im Saarland wurden die Galen-Predigten unter Katholiken verbreitet. Auf dem Friedhof in Baltersweiler nahe St. Wendel ist Änne Meier begraben. Die mutige Frau verteilte die Galen-Predigten und wurde denunziert. Sie war Fürsorgerin und als überzeugte Katholikin Gegnerin der Nazis.

1942 wurde sie im Saarbrücker Gefängnis Lerchesflur inhaftiert. Von dort aus transportierte man die 46-Jährige in das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück, wo sie die drei Jahre bis zur Befreiung knapp überlebte.

Während Menschen wie Änne Meyer weggesperrt waren, wurde das Euthanasie-Programm der Nazis nur kurz unterbrochen. Christoph Braß:

"Aktion wurde fortgesetzt aber mit anderen Mitteln - Überdosis Medikament oder Hungertod."

Diese Phase bezeichnet man als "Wilde Euthanasie" So wurden ungefähr 120.000 Frauen, Männer und auch Kinder umgebracht. Und von überall her aus dem deutschen Reich kam Nachschub. Historiker Götz Aly:

"Hebammen bekamen für die Meldung zwei Reichsmark, umgerechnet sind das heute 25 Euro für diese Leistung. Auf diese Art sind 100.000 Kinder gemeldet worden."

Auch der 11-jährige Josef Scherer aus Niedersaubach wurde gemeldet. Der Junge hatte eine Hirnhautentzündung überlebt, war aber dadurch geistig zurückgeblieben. Dem Vater, einem verwitweten Bergmann mit fünf Kindern, wurde vom Ortsgruppenleiter geraten, seinen Sohn Josef in die Anstalt zur Betreuung zu bringen. Sein Bruder Rudolf, Jahrgang 1928, erinnert sich:

"Als mein Vater und ich mit dem Josef dort ankamen empfing uns eine Frau mit der Frage was wir hier wollten. Mein Vater sagte, dass er seinen Sohn hier in der Nervenheilanstalt abgeben wolle. Aber als ich diese Frau gesehen habe - so eine schreckliche Frau habe ich nie mehr in meinem ganzen Leben gesehen -, da habe ich zu dem Vater gesagt: Komm' lass uns den Josef wieder mitzurücknehmen, aber es war zu spät, es war zu spät."

Die meisten Ärzte konnten nach Kriegsende weiter arbeiten

Vor dem Elternhaus von Josef in Niedersaubach wurde im letzten Jahr ein Stolperstein zur Erinnerung an das Schicksal des Kindes verlegt. Ein Grab gibt es nicht von ihm.

Als die Alliierten 1945 die Anstalten befreiten bot sich ein Bild des Grauens. Die Nazi-Euthanasie hatte dank der Ärzte bis zuletzt funktioniert. Wahrscheinlich 200.000 Menschen fielen ihr zum Opfer.

Nur 23 Mediziner wurden wegen ihrer Taten in Nürnberg durch die Alliierten vor Gericht gestellt, sieben von ihnen zum Tode verurteilt, sieben freigesprochen, der Rest erhielt Haftstrafen.

Hunderte Mediziner, die den Führerbefehl zum "Gnadentod" für zehntausende Landsleute umgesetzt hatten kamen davon, auch im Saarland. Gisela Tascher:

"Wenn man alle Ärzte entnazifiziert hätte wäre die medizinische Versorgung der Bevölkerung nicht möglich gewesen, deshalb hat man für Ärzte ein spezielles Entnazifizierungsverfahren mit Geldstrafen eingeführt."

Im Landesarchiv finden sich neben den Opferakten auch die Belege der Täterkarrieren nach dem Krieg. Stellvertretend seien genannt: Der Homburger Arzt Hans Heinrich Heene. Obwohl er als T4-Gutachter Menschen zur Vergasung bestimmt hatte, kam er mit einer Geldbuße davon.

Gegen den Arzt und hohen Funktionär Horst Friedel wurde zwar 1947 wegen "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" ermittelt, das Verfahren aber 1958 eingestellt. Er praktizierte weiter unbehelligt als Arzt.

Der Arzt Rudolf Leppien war Assistent des T4-Gutachters Heene in Homburg, später selbst Direktor einer berüchtigten Anstalt. Trotzdem machte er nach dem Krieg wieder Karriere in Merzig.

Oskar Orth war Chef des Landeskrankenhauses in Homburg, mitverantwortlich für "Euthanasie-Maßnahmen". Nach dem Krieg machte er weiter Karriere in Homburg. 1947 wurde er sogar Ehrenbürger. Sein Name als Straßenname wurde erst 1997 getilgt.

Keiner dieser furchtbaren Mediziner musste sich je vor einem Gericht für seine Taten verantworten.

Mehr zum Thema:

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