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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 24.02.2014

NovelleGefährliche Liebschaften

Andrzej Bart: "Knochenpalast"

Von Katharina Döbler

Auf dem Bild sind Hochhäuser im Zentrum der polnischen Hauptstadt Warschau zu sehen, aufgenommen am 13.10.2010.  (picture-alliance / PAP / Pawe³ Brzeziñski)
Der Kulturpalast im Zentrum Warschaus ist in Barts Geschichte von zentraler Bedeutung. (picture-alliance / PAP / Pawe³ Brzeziñski)

In seiner Novelle "Knochenpalast" erzählt der polnische Autor Andrzej Bart eine böse Liebesgeschichte aus dem Warschau der 50er-Jahre. Bart schafft eine Mischung aus Witz, Schrecken, Melancholie und historischen Details.

Als "Novelle" wurde dieses Buch angekündigt, doch in Wahrheit ist es ein nur wenig umgearbeitetes Drehbuch, das als literarischer Text parallel zum Film publiziert wurde. Andrzej Bart, Jahrgang 1951, hat schon mehrere erfolgreiche Bücher geschrieben (auf Deutsch erschien 2011 der viel gelobte Roman "Die Fliegenfängerfabrik"), die meist Episoden der polnischen Geschichte aufgreifen – unter höchst originellen Blickwinkeln.

In dieser Geschichte geht es um die jungfräuliche Lyrik-Lektorin Sabina, 29, die mit ihrer Mutter und ihrer Oma zusammenlebt. Ihr versoffener Künstlerbruder malt Traktoristinnen und rote Fahnen, denn das Ganze spielt im Winter 1953: Stalin lebt noch.

Kauzige Dichter und der schöne Bronislaw

Die schüchterne Sabina, eine graue Maus, die kein Mann jemals richtig angesehen hat, himmelt den Verlagsdirektor an und muss sich aller möglicher von der Mutter angeschleppter Heiratskandidaten erwehren. Das einzig Aufregende sind Begegnungen mit kauzigen Dichtern und das tägliche Verschlucken (und wieder Ausscheiden) einer verbotenen Dollarmünze. Doch dann tritt der schöne Bronislaw in ihr Leben und alles wird anders.

Am Ende versenkt sie einen Koffer voller Knochen in der Baugrube des zukünftigen Kulturpalasts.

In einer anderen, parallel geschnittenen Zeitebene begegnet man der alten Sabina, mittlerweile Professorin, die am Flughafen ihren Sohn abholt – und zu Allerheiligen eine Kerze an einer Ecke dieses Warschauer Wahrzeichens anzündet.

Bart erzählt seine böse Liebesgeschichte mit pechschwarzem Humor und einer ziemlich perfekten Mischung aus Witz, Schrecken, Melancholie und historischen Details. Ein Film, den man auch gerne liest.

Andrzej Bart: "Knochenpalast"
Aus dem Polnischen von Albrecht Lempp
Leopold Schöffling & Co, Frankfurt am Main 2014
192 Seiten, 18,95 Euro

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