Seit 14:07 Uhr Kompressor
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 14:07 Uhr Kompressor
 
 

Interview | Beitrag vom 20.01.2016

Norbert Bolz über TV-RundenAusschluss der AfD "war eine Erpressung"

Norbert Bolz im Gespräch mit Anke Schaefer und Christopher Ricke

Beitrag hören
er Medien- und Kommunikationswissenschaftler an der Technischen Universität (TU) Berlin, Prof. Norbert Bolz, aufgenommen am 23.04.2010 während der Aufzeichnung der ZDF-Talksendung "Nachtstudio" zum Thema "Ich lad's mir runter - die Pornografiisierung im Netz" in den Berliner Unionfilm-Studios (Sendung am 09. Mai 2010). Foto: Karlheinz Schindler (dpa / picture alliance / Karl-Heinz Schindler)
Der Medien- und Kommunikationswissenschaftler Norbert Bolz (dpa / picture alliance / Karl-Heinz Schindler)

Mit dem Ausschluss der AfD von den anstehenden TV-Duellen hätten die betroffenen Fernsehsender gegen ihren eigenen Auftrag gehandelt, kritisiert der Medienwissenschaftler Norbert Bolz. Es sei ein "riesengroßer Fehler" und die Dämonisierung rechter Parteien funktioniere nicht.

"Das ist eine Erpressung durch die großen Parteien." So beurteilt der Medien- und Kommunikationswissenschaftler Norbert Bolz den Ausschluss der Alternative für Deutschland (AfD) von den Fernsehduellen vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt:

"Und eigentlich dürfte man einer Erpressung niemals nachgeben, wenn man sich als unabhängiges journalistisches Öffentlichkeitsformat präsentieren will. Das ist schon eine große Peinlichkeit."

Die Abwägung hat zu einer falschen Entscheidung geführt   

Die Entscheidung sei offenbar erfolgt aufgrund der Androhungen der großen Parteien, nicht zu den TV-Duellen zu erscheinen, meinte Bolz:

"Da kann man ja schlecht davon sprechen, dass das eine freie Entscheidung sei. Das war offenbar eine Abwägung, was weniger ärgerlich und was weniger skandalös ist. Aber ich glaube, die Abwägung hat letztlich zu einer falschen Entscheidung geführt. Vielleicht hätte man dann einfach auf die Elefantenrunde verzichten und den Wahlkampf auf andere Weise begleiten sollen."

Die Dämonisierung rechter Parteien funktioniert nicht

Wenn dieses Beispiel Schule mache, führe das in eine "ganz fatale Richtung", warnte Bolz. So könnte der Eindruck entstehen, dass sich öffentlich-rechtliche Institutionen von Parteien erpressen ließen. Man müsse im Auge behalten, welche Signalwirkung sich daraus für künftige Diskussionen ergebe:

"Denn die etablierten Parteien versuchen ja schon seit einiger Zeit, die AfD genauso zu behandeln wie die NPD. Und das ist wahrscheinlich angesichts des Zuspruchs, den diese Partei hat, doch ein sehr, sehr gefährliches Manöver. Wir wissen ja aus anderen Ländern, dass die Dämonisierung der rechten Parteien überhaupt nicht funktioniert. Denken Sie nur an Frankreich oder an Holland. Ich glaube, da macht man politisch einen riesengroßen Fehler. Mal abgesehen davon, dass eine öffentlich-rechtliche Anstalt hier wirklich gegen ihren eigenen Auftrag handelt."  

Die Entscheidung der beiden Fernsehanstalten sei darüber hinaus "dumm", kritisierte Bolz. Man beseitige damit auch die Möglichkeit, die Politiker der AfD zu entlarven.

SWR und MDR haben entschieden, an den sogenannten Elefantenrunden nur die  Spitzenvertreter der im jeweiligen Landtag vertretenen Parteien teilnehmen zu lassen. Die Kandidaten der übrigen Parteien sollen in ausführlichen Interviews zu Wort kommen.

Mehr zum Thema:

Historiker Paul Nolte - "Hinter Merkels Kritikern steht keine Führungsfigur"
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 20.01.2016)

Kunst und Konflikte - Aufklären, verschärfen, provozieren - politisches Theater heute
(Deutschlandradio Kultur, Zeitfragen, 18.01.2016)

Verein "Gesicht Zeigen!" - No-go-Areas gibt es immer noch
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 18.01.2016)

Flüchtlingspolitik - Wo liegen unsere Grenzen bei der Integration?
(Deutschlandradio Kultur, Im Gespräch, 16.01.2016)

Debatte nach Gewalttaten in Köln - Wir müssen streiten, nicht spalten
(Deutschlandradio Kultur, Politisches Feuilleton, 12.01.2016)

Interview

Datensicherheit"Volksverschlüsselung" für E-Mails
Die Illustration spielt mit Verschlüsselung, Adressen des Tor-Netzwerks ("Darknet") und Spam-Mails. Der Hintergrund ist der Quellcode einer Email. (picture-alliance / dpa / Maximilian Schönherr)

Geknackte E-Mails – das wollen die Deutsche Telekom und das Fraunhofer Institut mit ihrem Projekt "Volksverschlüsselung" verhindern. Das System soll dem Nutzer die Anwendung der Verschlüsselung abnehmen, erklärt der IT-Journalist Manfred Kloiber. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur